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Bild: Schrader/Vollmar, Private Hochschule Göttingen, 2013.

Nachhaltigkeit und die nachhaltige Steuerung eines Unternehmens werden national und international zunehmend bedeutender. Alles was Unternehmen zu ökonomischer Unternehmensführung, sozialem Engagement und Umweltschutz wissen sollten, lesen Sie hier.

Nachhaltigkeitscontrolling – Definition

Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung umfasst die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Aufgabe des Controllings ist es, aussagekräftige Informationen zu allen Aspekten bereitzustellen. Der ökonomische Aspekt war dabei schon immer ein Kernelement des Controllings. Für viele ökologische Steuerungsgrößen existieren Indikatoren wie Materialeinsatz sowie der Bezug von Kraftstoffen, Öl, Gas und Strom als Ausgangsbasis für ein adäquates Informationssystem. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Carbon Accounting, der Messung des CO2-Ausstoßes. Die größte Lücke besteht in der Praxis noch bei sozialen Themen. Diese wird durch die Anforderungen der CSR-Richtlinie der EU und weitere Regelungen jedoch immer stärker geschlossen.

Geschichte und Bedeutung des Nachhaltigkeitscontrollings

Das Green Controlling oder auch Nachhaltigkeitscontrolling baut auf dem Gedanken der Nachhaltigkeit auf und soll den rein ökonomischen Part um die Komponenten Ökologie und Soziales ergänzen. Der Begriff Nachhaltigkeit ist auf die Brundtland-Konferenz aus dem Jahr 1987 zurückzuführen, in dessen Bericht die Definition lautet, dass „eine nachhaltige Entwicklung eine Entwicklung ist, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.“

Anlass für die zunehmende Ausrichtung des Controllings auf Nachhaltigkeitsaspekte ist die:

-       Veränderung der Umweltbedingungen

-       Zunahme von Umweltkatastrophen und deren (finanzielle) Auswirkungen

-       Entstehung neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen

-       Veränderung der (Kunden-) Anforderungen.

Anhand von geeigneten Kennzahlen soll sein transparenter und sachlicher Umgang mit ökologischen Themen gewährleitet werden. Der Controller sollte daher die Rolle des Business Partners oder auch Beraters der Unternehmensleitung einnehmen. Dadurch können Mitarbeiter sensibilisiert und überzeugt, sowie Manager unterstützt werden.

Green Controlling: Kennzahlen

Kennzahlen dienen dem Controlling zur Bewertung der Leistung. Deshalb müssen auch „grüne“ oder Nachhaltigkeitskennzahlen einer Verantwortlichkeit und Zielstellung zugeordnet werden. Nachhaltigkeitskennzahlen verhelfen dem Unternehmen, ein nachhaltiges Verhalten und Wirtschaften auf allen operativen Ebenen umsetzen zu können. Geeignete und oft angewendete KPIs sind:

-       Energie und CO2-Emissionen (oder auch CO2-Fußabdruck)

-       Abfall und Recycling

-       Wertschöpfungsmanagement und landwirtschaftliche Praktiken

-       Umgang mit Mitarbeitern sowie Gleichstellung und Diversität

Green Controlling: „Grüne Strategien“

  1. Green Compliance: Im Mittelpunkt steht die Einhaltung der gesetzlichen Verpflichtungen. Oftmals werden nicht mehr Maßnahmen im Unternehmen eingeführt und umgesetzt als notwendig. Das Greening fällt daher verhältnismäßig gering aus.
  2. Abwartende Strategie: Trotzdem das Bewusstsein für die Einführung ökologischer Aspekte in die Unternehmensstrategie besteht, wird nichts umgesetzt. Der Handlungsdruck von außen ist zu gering.
  3. Grüne Produkte und Leistungen: Bei diesem Strategietyp wird das Augenmerk auf die Entwicklung und Vermarktung grüner Produkte gelegt. Das Greening wird in vielen Bereichen umgesetzt, ist allerdings noch nicht ganzheitlich.
  4. Ganzheitlich grüne Strategie: Das Unternehmen soll vollständig grün ausgerichtet werden. Die Bedeutung der Implementierung nachhaltiger Aspekte ist sehr hoch.

Green Controlling: Instrumente

Für eine erfolgreiche Implementierung ökologischer und sozialer Aspekte in das Controlling ist es notwendig, die Maßnahmen in die zehn Hauptprozesse des Controllings einzubinden. 

Erhebung von ökologischen Informationen:

  • Öko-Audits
  • Öko-Bilanzen
  • Carbon Accounting

Grüne strategische Planung:

  • Portfolio- und Szenariotechniken
  • Sustainability Balanced Scorecard

Grüne operative Planung und Budgetierung:

  • Dezentrale und zentrale Ökologiebudgets

Nachhaltigkeitscontrolling vs. Nachhaltigkeitsmanagement

Unter dem Begriff Nachhaltigkeitsmanagement versteht man die Integration von Instrumenten und Konzepten zur Einführung und Verbesserung der Triple-Bottom-Line in möglichst allen Bereichen des Unternehmens. Das Nachhaltigkeitscontrolling oder auch Green Controlling ist ein Bestandteil des Nachhaltigkeitsmanagements und dient als Instrument für eine erfolgreiche Umsetzung in den internen Strukturen und Prozessen. Mit Hilfe des Managements sollen die Aspekte der Nachhaltigkeit im gesamten Unternehmen verankert werden. Langfristiges Ziel ist es, Wettbewerbsvorteile zu generieren und steigern zu können.

CSR

Corporate Social Responsibility (CSR) versteht sich ebenfalls als Teil des nachhaltigen Wirtschaftens und umfasst nicht nur die soziale, sondern auch die ökologische Verantwortung von Unternehmen. CSR betrifft das gesamte Kerngeschäft und erfordert deshalb eine Neuausrichtung. Das Unternehmen agiert umweltverträglich, sozial und ethisch gerecht und kann dabei trotzdem ökonomisch erfolgreich sein. Wer CSR in sein Unternehmen integriert, verspricht so nachhaltig wie möglich zu wirtschaften. Mit einer CSR-Strategie geht das Unternehmen deutlich über die bisherigen gesetzlichen Anforderungen hinaus. So sollen im Rahmen dessen heimische Umwelt-, Sozial- und Governancestandards im gesamten Unternehmen angewendet werden. Verlangt werden z.B. gerechte Arbeitsbedingungen, Umweltschutz, Verbraucherschutz, integrierte Produktpolitik und sozial-ökologische Standards in der Lieferkette. So sind beispielsweise das Roden von Urwäldern oder auch Kinderarbeit strikt verboten.

Welche Voraussetzungen von den Unternehmen zu beachten sind, die sich für CSR entscheiden, ist im Deutschen Nachhaltigkeitskodex, kurz DNK, festgehalten. 

Nachhaltigkeitsberichterstattung

Der Nachhaltigkeitsbericht wird zusätzlich zum Geschäftsbericht veröffentlicht und nützt der Informationspolitik des Unternehmens. In einem Nachhaltigkeitsbericht werden alle drei Säulen der Nachhaltigkeit (ökonomisch, ökologisch und sozial) gleichermaßen beachtet. Der Fokus liegt allerdings auf den nicht-finanziellen Kennzahlen. Vor allem die Stakeholder sollen dadurch umfassende Einblicke in alle Aktivitäten des Unternehmens erhalten. Prämisse  dafür ist Wesentlichkeit, Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit. Die dargestellten Stärken und Schwächen müssen selbstverständlich der Wahrheit entsprechen. Die Berichterstattung erfolgt in regelmäßigen Abständen von ca. drei Jahren. Bisher gibt es keine weltweit einheitlichen Standards, die für die Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichten verpflichtend sind. Die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) beispielsweise bieten allerdings einen oft genutzten Orientierungsrahmen. Die Berichterstattung über die Ökonomie des Unternehmens zeigt z.B. die Zukunftsausrichtung auf. Die ökologische Ebene berichtet hauptsächlich über die Ressourceneffizient und den Umweltschutz. Die soziale Komponente umfasst den Umgang mit Mitarbeitern, konkrete Handlungsschritte gegen Kinderarbeit, auch in der Lieferkette und das soziale Engagement außerhalb der Unternehmensumwelt.

Umsetzung des Green Controllings

Die Integration des Green Controllings (s. Abb. 2 der Bilderreihe) erfolgt in fünf Schritten, um vom oberflächlicherem Öko-Controlling zum integrierten Green Controlling zu gelangen. Bisher haben nur wenige große Unternehmen ein ganzheitliches Green Controlling eingeführt.

Der Internationale Controller Verein hat ein sogenanntes „Dream Car“ entwickelt, das den Unternehmen dabei helfen soll, Green Controlling-Strategien erfolgreich umzusetzen. Als Business Partner liefert das Controlling durch Transparenz Argumente für die Bedeutung von Nachhaltigkeit. Damit einher gehen Chancen und Risiken für das Unternehmen, die bei der Planung, Steuerung, Kontrolle sowie der gesamten Wertschöpfungskette bedacht werden müssen. 

 

Damit in der Unternehmenssteuerung Erfolgspotentiale generiert und genutzt werden können, sollten die Unternehmen frühestmöglich ökologische Gesichtspunkte in das Controlling integrieren. Schritt eins sollte die Festlegung der geeigneten Strategie sein, die je nach Größe und Öffentlichkeitsdruck ganzheitlich sein sollte oder nicht. Die Bedeutung und Verpflichtung des Themas Nachhaltigkeit wird auch in Zukunft weiter zunehmen, sodass langfristig jedes Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie und damit auch ein Green Controlling benötigt.

Autorin: Deborah Nasca, EBS Universität für Wirtschaft und Recht


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