Nachhaltigkeitsberichterstattung

Im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung werden die zu veröffentlichenden Informationen der Unternehmen über die üblichen wirtschaftlichen Aspekte hinaus auf ökologische und soziale Aspekte ausgedehnt.


Top-Thema 30.06.2021 Unternehmensberichterstattung im Wandel

News 15.09.2021 Nachhaltigkeit

Die „alte“ CSR-Richtlinie und das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz

„Corporate Social Responsibility” (CSR) bezeichnet die Verantwortung von Unternehmen für die Auswirkungen ihres geschäftlichen und unternehmerischen Handelns auf die Gesellschaft. Um die Transparenz über ökologische und soziale Aspekte von Unternehmen zu erhöhen, wurde im Jahr 2014 mit der EU-Richtline 2014/05/EU, der sogenannten CSR-Richtlinie, eine Ausweitung der Berichtspflichten im Lagebericht verabschiedet. Die Umsetzung in deutsches Recht mit dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) wird seit dem Geschäftsjahr 2017 angewendet.

Mit dem CSR-RUG wurden u.a. in den §§ 289b – 289e HGB die Anforderungen an die nichtfinanzielle Berichterstattung definiert. Die Regelungen sehen vor, dass kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern in ihren Lagebericht eine sog. „Nichtfinanzielle Erklärung“ aufnehmen müssen. In der Nichtfinanziellen Erklärung muss mindestens auf Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, auf die Achtung der Menschenrechte und auf die Bekämpfung von Korruption und Bestechung eingegangen werden. 

CSRD – Corporate Sustainability Reporting Directive der EU-Kommission

Im Rahmen der Sustainable Finance-Strategie hat die EU-Kommission im April 2021 den Richtlinien-Entwurf CSRD zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsberichterstattung veröffentlicht. Dabei wird das Verständnis des Begriffs CSR auf die neue Bedeutung Corporate Sustainability Reporting erweitert. Ebenso soll der Begriff der nichtfinanziellen Berichterstattung durch die Nachhaltigkeitsberichterstattung ersetzt werden. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass die zu berichtenden ökologischen und sozialen Angaben auch ökonomische Relevanz für die Unternehmen haben. Darüber hinaus ist die Einführung einer inhaltlichen Prüfungspflicht (zunächst nur prüferische Durchsicht) vorgesehen. 

Betroffene Unternehmen und Zeitpunkt

Die von der EU-Kommission angestrebten strengeren Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung werden künftig von weitaus mehr Unternehmen zu erfüllen sein. Statt bestimmter kapitalmarktorientierter Unternehmen sollen alle großen Kapitalgesellschaften für Geschäftsjahre, die am oder ab dem 1.1.2023 begonnen haben, zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet werden. Der von der Kommission vorgeschlagene Anwendungsbereich würde einer DRSC-Studie zufolge bereits in der Anfangsphase die Anzahl berichtspflichtiger Unternehmen in Deutschland um das 30-fache von derzeit ca. 500 auf ca. 15.000 Unternehmen ansteigen lassen. Auch in der Folge wird eine steigende Tendenz erwartet, etwa wegen der im Raum stehenden Ausweitung auch auf kapitalmarktorientierte KMUs.

Umfang der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Inhaltlich soll die Nachhaltigkeitsberichterstattung sowohl die Wirkungen des Umfelds auf das Unternehmen („Outside-In“-Perspektive) als auch die Auswirkungen des Unternehmens auf sein Umfeld („Inside-Out“-Perspektive) abdecken. Insbesondere letzteres stand bislang kaum im Fokus der Berichterstattung. Es kommt daher zu einer erheblichen Erweiterung des Umfangs der Berichtsinhalte.

Bei konkreten Verstößen gegen die Nachhaltigkeitsberichtserstattung drohen den Unternehmen Sanktionen, welche von öffentlichen Erklärungen bis hin zu Ordnungsgeldern reichen.

EFRAG entwickelt Standards

Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) wurde mit der Entwicklung von EU-Standards zur Nachhaltigkeitsberichtserstattung beauftragt. Abgedeckt werden sollen dabei die drei ESG Themenbereiche: Environmental, Social und Governance. 

Dabei soll auf die Konnektivität zu anderen EU-Vorgaben (etwa der EU-Taxonomie) sowie die Abstimmung mit internationalen Verlautbarungen geachtet werden. Die internationale Orientierung wird auch durch die angekündigte Zusammenarbeit mit der Global Reporting Initiative (GRI) deutlich.

Weitere Nachhaltigkeitsstandards und Regelwerke

  • GRI-Standards zur transparenten Nachhaltigkeitsberichterstattung, werden von 93 % der 250 größten Unternehmen der Welt verwendet.
  • Das International Sustainability Standards Board (ISSB) entwickelt aktuell unter dem Dach der IFRS Foundation ein konsistentes Regelwerk.
  • CDP, CDSB, GRI, IIRC und das SASB haben im Dezember 2020 einen Prototypen für die klimabezogene Finanzberichterstattung veröffentlicht.
  • Die Value Reporting Foundation bietet Integrated Thinking Principles, ein Integrated Reporting Framework sowie Sustainability Accounting Standards Board-Standards an. Diese werden bereits in über 70 Ländern eingesetzt.
  • Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) bietet einen Rahmen für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und unterstützt den Aufbau einer Nachhaltigkeitsstrategie in Unternehmen. Er ist insbesondere für KMUs leicht anwendbar und besteht aus 20 DNK-Kriterien.
  • Die Value Balancing Alliance wurde 2019 von mehreren internationalen Unternehmen gegründet, um einen globalen Industriestandard für eine einheitliche Datengrundlage der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu schaffen.
  • Die Gemeinwohl-Ökonomie beschreibt ein alternatives Wirtschaftssystem, in dem es insbesondere um Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und demokratische Mitbestimmung geht. Im Rahmen der Gemeinwohl-Bilanz können Unternehmen über ihren eigenen Beitrag zum Gemeinwohl berichten.
News 30.08.2021 Nachhaltigkeit

Die Europäische Kommission hat den finalen delegierten Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung veröffentlicht, der die Berichtspflichten zu Art. 8 der EU-Taxonomie präzisiert und Vereinfachungen im Jahr der Erstanwendung enthält.mehr

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News 26.08.2021 Nachhaltigkeit

Die Europäische Kommission hat zeitgleich mit der neuen Version der Sustainable Finance-Strategie auch einen Legislativvorschlag zur Schaffung eines European Green Bond-Standards veröffentlicht sowie den finalen delegierten Rechtsakt zur Taxonomie-Verordnung, der die Berichtspflichten zu Art. 8 der EU-Taxonomie präzisiert. mehr

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Nachhaltigkeitsbericht – Pflicht oder Kür?
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Magazinbeitrag 19.08.2021 Aktuelles aus den Prüfungsorganisationen des GdW

Die EU-Kommission plant, den Geltungsbereich der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) auf alle großen Unternehmen auszuweiten. Nachhaltigkeitsinformationen sollen dann verpflichtender Bestandteil des Lageberichts werden. Was kommt auf die Wohnungsunternehmen zu?mehr

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News 03.08.2021 Nachhaltigkeit

Am 21.7.2021 veröffentlichte das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) ein 31-seitiges Papier, in dem auf die aktuellen Herausforderungen für Bilanzierende und Prüfer bei der bilanziellen Abbildung von "grünen" Finanzierungen sowohl auf Seiten der Investoren als auch der Emittenten eingegangen wird.mehr

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