29.11.2016 | Corporate Social Responsibilty

Corporate Social Responsibility nachhaltig einführen: Zehn Tipps, wie es gelingen kann

CSR - Corporate Social Responsibility steht für die soziale und gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.
Bild: Haufe Online Redaktion

Engagement und verantwortungsvolles Handeln gibt es auch in der Immobilienwirtschaft, allerdings noch mit viel Luft nach oben. Die Bau- und Immobilienwirtschaft nimmt in Benchmarks, wie etwa dem Corporate-Responsibility-Review von Oekom Research, regelmäßig nur die hinteren Plätze ein. Dabei könnte es ganz einfach sein.

Es reicht nicht aus, wenn von etwa 800.000 Firmen ein paar Vorzeigeunternehmen Corporate Social Responsibility (CSR) leben. Die Initiative Corporate Governance ICG und der ZIA Zentrale Immobilien Ausschuss haben vor kurzem einen "Praxisleitfaden für wirksames soziales-gesellschaftliches Handeln in der deutschen Immobilienwirtschaft" vorgestellt, den das Beratungshaus Phineo erstellt hat, und damit eine Branchenbewegung initiiert.

Ziel der sogenannten CSR-Initiative ist es, Nachhaltigkeit ganzheitlich in den Unternehmen des eigenen Wirtschaftszweiges zu stärken und soziales und gesellschaftliches Engagement auf die Agenda zu setzen.

Leitfaden Corporate Social Responsibility in der Immobilienwirschaft: – 10 Tipps, wie es gelingen kann

  1. Wesentlich für ein gelingendes Engagement ist ein „sauberes“ Kerngeschäft, das von Glaubwürdigkeit, Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist.
  2. Formulieren Sie Ziele für das Engagement – sowohl für die Zielgruppen der Projekte und Maßnahmen als auch für das Unternehmen selbst. Strategisches Engagement schafft Mehrwerte für die Gesellschaft und das Unternehmen.
  3. Wählen Sie Handlungsfelder für Ihr Engagement, die zum Unternehmen und seiner Kultur passen.
  4. Setzen Sie Ihr soziales und gesellschaftliches Engagement so auf, dass die Wirkung im Vordergrund steht und als Entscheidungskriterium genutzt wird.
  5. Transparenz ist ein Erfolgsfaktor für glaubwürdiges, erfolgreiches Engagement. Kommunizieren Sie daher nach innen und außen über das Engagement.
  6. Verbinden Sie das Engagement mit der Geschäftsstrategie Ihres Unternehmens. Eingebunden in die weiteren Geschäftsprozesse erhält das Engagement höheres Commitment – auch von den Führungskräften.
  7. Nutzen Sie gezielt die Kernkompetenzen und -ressourcen Ihres Unternehmens und der Mitarbeiter für das Engagement.
  8. Sichern Sie sich Unterstützung für Ihr Engagement durch die (frühzeitige) Beteiligung Ihrer Mitarbeiter (oder anderer wichtiger Stakeholder).
  9. Teilen Sie Ihr Erfahrungswissen zum Thema Engagement mit anderen Unternehmen und ermöglichen Sie so gemeinsames Lernen und Verbessern über Austausch und Netzwerke.
  10. Um das Engagement noch wirkungsvoller gestalten zu können, bieten sich Partnerschaften mit Akteuren aus anderen Branchen oder Sektoren an – insbesondere wenn so unterschiedliche Perspektiven und komplementäre Stärken zusammenkommen.

Die Immobilienbranche verfügt über Hebel, um die Gesellschaft zu verändern

Soziales Engagement sei heute das einzige Unterscheidungsmerkmal und ein hervorragendes Instrument zur Positionierung der Branche, sagt Werner Knips, Partner bei Heidrick & Struggles sowie Initiator und Leiter des Projekts und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der ICG. Sozial-gesellschaftliches Engagement sei der zukunftsweisende Anspruch von Unternehmen, die gesellschaftliche Entwicklung aktiv mitzugestalten und gleichzeitig die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Mit dem Engagement werden gesellschaftliche und unternehmerische Ziele verfolgt, bestätigt Jonathan Przybylski, Berater bei der Phineo gAG und Hauptautor des CSR-Leitfadens. Für ein passendes Engagement sollten Unternehmen Handlungsfelder auswählen, die wichtige gesellschaftliche Bedarfe adressieren, aber auch zum Unternehmen passen.

Anknüpfungspunkte für das Engagement je nach Tätigkeitsschwerpunkt in der Immobilienbranche

Der ZIA unterscheidet in der Immobilienwirtschaft sieben Branchencluster. Für das soziale und gesellschaftliche Engagement spielt diese Differenzierung Przybylski zufolge eine bedeutende Rolle. So können etwa Architekten über Beteiligungen an kommunalen Ausschüssen Einfluss auf die städtebauliche Gestaltung einer Kommune nehmen – und über diesen Weg zu lebenswerten Räumen beitragen.

Im Bereich der Baufinanzierung liegen die Kernkompetenzen von Mitarbeitern eher bei fiskalischen Themen, was sich beispielsweise in der Finanzierung gesellschaftlicher Projekte niederschlagen könne.

  • Projektentwicklung: Zielgruppenorientierte Strategieentwicklung zukunftsfähiger Produkte, nachhaltige Stadt-und Quartiersentwicklung
  • Bauprojektmanagement / Bauen: Errichtung und kostenfreie oder vergünstigte Bereitstellung von Bildungs- oder sozialen Trägereinrichtungen, Renaturierung als Gegenleistung für versiegelte Flächen
  • Finanzierung: Kapitalbeteiligung oder Bereitstellung einer Finanzierung zu einem geringen Zinsniveau
  • An- und Verkauf: Ankauf von Immobilien zur sozial verträglichen Mietentwicklung im Quartier und Sicherheit für die Mieter, Prüfung der Ankaufsobjekte auf nachhaltige und energetische Aspekte
  • Vermietung: Aktive Entwicklung einer sozial durchmischten Mieterstruktur, Bereitstellung vergünstigten Wohnraums für sozial Benachteiligte
  • Objektverwaltung / Mieterbetreuung: Areal für Bürger attraktiv halten (etwa durch Gestaltung von Parkanlagen), soziale Nutzung von Immobilienflächen (etwa in Shopping-Centern)
  • Instandsetzung / Modernisierung: Gestaltung sozial verträglicher Modernisierungsumlagen, Berücksichtigung von nachhaltigen und energetischen Aspekten

Folgende Ansatzpunkte, in welchen Themenfeldern sich ein Immobilienunternehmen sozial engagieren kann, wurden im Rahmen der CSR-Initiative als besonders relevant ausgewählt.

  • Beruf und Familie/Privatleben im Einklang
  • Lebenslanges Lernen und Kompetenzentwicklung
  • Förderung von Vielfalt im Unternehmen
  • Unterstützung Benachteiligter im Bereich Wohnen
  • Unterstützung Benachteiligter im Bereich Bildung, Ausbildung und Arbeit
  • Zusammenleben im Quartier und in der Stadt
  • Zusammenleben der Generationen und altersgerechtes Wohnen

Das Kerngeschäft liefert bereits gute Anhaltspunkte, in welchen Themen und Bereichen sich ein Unternehmen für die Gesellschaft einsetzen kann. Grundsätzlich ist die Bandbreite an Möglichkeiten riesig: Theoretisch gibt es kaum ein gesellschaftliches Thema, in dem man sich nicht engagieren kann.

Bei der Auswahl geeigneter Handlungsfelder für das Engagement spielen Kriterien wie gesellschaftlicher Bedarf und unternehmerische Ziele, die Verortung in der Wertschöpfungskette oder die Größe und Eigentümerstruktur eines Unternehmens eine wichtige Rolle. Es gilt, das soziale und gesellschaftliche Engagement dem eigenen Unternehmen anzupassen.

Fazit: Corporate Social Responsibility nachhaltig in der Unternehmensstrategie verankern

Es gibt wirkungsvolle Ansätze, mit denen Unternehmen der Immobilienwirtschaft zu einer gelingenden Zukunft beitragen können, ist Przybylski überzeugt. Für sich und die Gesellschaft. Die Unternehmen müssten sich der Sache nur annehmen. Denn noch nimmt die Bau- und Immobilienwirtschaft in Benchmarks, wie etwa dem Corporate-Responsibility-Review von Oekom Research, regelmäßig nur die hinteren Plätze ein.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Leitfaden, Engagement, CSR

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