Organisierte Schwarzarbeit: Betrug am Bau

Fahnder von Zoll und Finanzbehörden sind einem Netzwerk organisierter Schwarzarbeit im Rhein-Main-Gebiet auf der Spur. Bei groß angelegten Razzien wegen des Verdachts auf Lohn- und Steuerbetrug geriet auch der Chef einer Baufirma ins Visier der Ermittler.

Hunderte Zollfahnder und Polizisten haben in den vergangenen Tagen bei Großrazzien gegen mutmaßliche Betrüger am Bau ein dubioses Firmengeflecht aufgespürt. Es habe mehrere Durchsuchungsbeschlüsse für Wohn- und Geschäftsgebäude an 20 Einsatzorten im Rhein-Main-Gebiet gegeben, teilte das zuständige Hauptzollamt Schweinfurt mit.

Mutmaßlicher Drahtzieher: Chef einer Baufirma

Der Schwerpunkt der Einsätze lag den Ermittlern zufolge im Bereich Mainz, Frankfurt am Main, Aschaffenburg und Darmstadt. Gegen vier Hauptverdächtige wurden Haftbefehle erlassen, darunter ist wohl auch der Chef einer Baufirma als Drahtzieher. Die drei Männer und eine Frau sollen über Scheinfirmen Arbeitsentgelte veruntreut, die Sozialkassen betrogen und Lohnsteuer hinterzogen haben. Sichergestellt wurden bisher mehr als eine halbe Million Euro Bargeld. Den Gesamtschaden schätzt eine Zollsprecherin nach derzeitigem Stand auf 15 Millionen Euro.

Ob die Festgenommenen zur organisierten Kriminalität zählen, werde noch untersucht. Details zur beschuldigten Baufirma wollte eine Sprecherin des Zolls nicht bekannt geben.

Schwarzarbeit: ein ausgeklügeltes Betrugssystem

Die Verdächtigen sollen die Scheinfirmen eigens zu dem Zweck gegründet haben, um sogenannte Abdeckrechnungen auszustellen für Leistungen, die nicht erbracht wurden. Solche Rechnungen würden dann gekauft und eingebucht, erklärte die Sprecherin das "Kettenbetrugsverfahren". Ein großer Teil des Betrages fließe bar zurück, meist unter Abzug einer Provision. So werde Bargeld etwa für Schwarzarbeiter generiert, Sozialabgaben würden umgangen, Steuern nicht gezahlt. Wie die Behörde mitteilt, trat die Baufirma dabei als Rechnungskäufer von Scheinrechnungen auf.

Die Auswertung der sichergestellten Unterlagen und Beweismittel wird den Fahndern zufolge mehrere Monate dauern. Die Ermittlungen koordiniert die Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Schweinfurt im Auftrag der Staatsanwaltschaft Darmstadt.


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Schlagworte zum Thema:  Bauwirtschaft, Betrug