So will Hubertz jetzt die Baukosten senken
Digitale Bauanträge, gebündelte Förderprogramme, schnellere Verfahren, mehr serielles Bauen: Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat bei einer Konferenz der Bau- und Immobilienbranche in Frankfurt am Main am 19.6.2026 einen "Aktionsplan zur Senkung der Baukosten" vorgelegt, um den Wohnungsmangel in Deutschland zu bekämpfen.
Bauanträge ab 2028 nur noch digital
Hohe Kosten seien einer der Hauptgründe, warum in Deutschland zu wenig gebaut werde, heißt es in dem Aktionsplan. Es gehe bei der Reduzierung der Baukosten oft nicht mehr nur darum, Bauen attraktiver zu machen. "Es geht darum, dafür zu sorgen, dass Bauprojekte überhaupt noch realisiert werden", sagte die Ministerin. Die Baukosten seien auf ein "unsägliches Niveau" gestiegen.
"Papieranträge nur in Härtefällen"
In dem Aktionsplan kündigte sie an, dass Bauanträge ab 2028 nur noch digital möglich sein sollen, das werde zum verbindlichen Regelweg. "Papieranträge sollen dann nur noch in begründeten Härtefällen zulässig sein", so Hubertz. Ziel sei eine durchgängige Digitalisierung vom Antrag bis zur Genehmigung.
Neubauförderung in einem einzigen Programm gebündelt
Für Bauherren sollen die verschiedenen Fördermöglichkeiten übersichtlicher werden. Künftig wird laut Hubertz die Neubauförderung in einem einzigen Förderprogramm Neubau gebündelt. Der Start des Programms ist für 2027 vorgesehen.
"Die Möglichkeit des Aufbaus von Wohneigentum für Familien ist dabei ein zentrales Kriterium", erklärte Hubertz.
Planungsprozesse in standardisierten Datenmodellen
Darüber hinaus sollen Planungsprozesse mit standardisierten Datenmodellen beschleunigt werden. Ziel sei es, Bauleitplanverfahren auf maximal zwei Jahre zu begrenzen.
Der Neubau in Deutschland stockt seit Jahren wegen gestiegener Baukosten und Kreditzinsen. Experten erwarten im laufenden Jahr nur wenig Besserung. Zwar sind die Baugenehmigungen zuletzt stark gestiegen, aber der Einbruch in den Vorjahren wirkt nach. Dazu kommen die Folgen des Iran-Kriegs.
Serielles Bauen: Bonus-System für verkürzte Bauzeiten
Hubertz will auch mit mehr standardisierten Bauweisen Abhilfe schaffen. Sie kündigte ein Bonus-System für verkürzte Bauzeiten und reduzierte Kosten in der Neubauförderung an.
Das schaffe Anreize für serielles und modulares Bauen mit vorgefertigten Bauteilen. In Deutschland werde oft teuer und konventionell Stein auf Stein gebaut, kritisierte sie. Serielles und modulares Bauen seien in der Baubranche im Aufwind. "Ganze Wohnviertel rollen vom Fließband in der Fabrik."
Gebäudetyp E: Gesetzentwurf angekündigt
Der Aktionsplan umfasst aber auch bereits angekündigte Maßnahmen, wie den Gebäudetyp E, der es erleichtern soll, rechtssicher von Standards und technischen Normen abzuweichen, etwa bei Tiefgaragen. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll laut Hubertz noch dieses Jahr vom Bundesjustizministerium vorgelegt werden.
BMWSB "Aktionsplan zur Senkung der Baukosten" (Download)
Das könnte Sie auch interessieren:
Baugesetzbuch: Upgrade im Kabinett beschlossen
Wohnungsbau: EU-Kommission rüffelt Deutschland
Vergabebeschleunigungsgesetz passiert Bundesrat
Wohnungsbaukrise spitzt sich zu – ein Plan B muss her
-
Sonder-AfA für Neubau von Mietwohnungen: Tipps & Fallstricke
1.0446
-
Kürzungen beim Wohngeld ab Januar 2027
7421
-
Gebäude-AfA: Nachweis für Nutzungsdauer wieder einfacher
6372
-
Energetische Sanierung: Kosten von der Steuer absetzen
405
-
Degressive AfA für den Wohnungsbau: fünf Prozent, sechs Jahre
397
-
CO2-Kosten: Vermieter zahlen deutlich mehr
3737
-
Hydraulischer Abgleich und Heizungsprüfung 2026
3211
-
Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft getreten
271
-
Aktuelle Rechtslage für AfA-Nachweis jetzt nutzen
251
-
Hitzewelle und Mietminderung: relevante Urteile
227
-
Energieausweise ab 2027: Was sich alles ändert
10.08.2026
-
Die Zeiten haben sich geändert
10.08.2026
-
Ab 2027 kommt erstmals die bundesweite Solarpflicht
06.08.2026
-
CO2-Kosten: Vermieter zahlen deutlich mehr
04.08.20267
-
Bauabfälle reduzieren: Was Planung und Logistik leisten können
04.08.20261
-
Warum die Immobilienwirtschaft jetzt handeln muss
04.08.2026
-
Neues Heizungsgesetz soll im September vor Gericht
03.08.20261
-
Förderstopp für barrierefreien Umbau
03.08.2026
-
EU AI Act: Neue Transparenzpflicht ab August 2026
31.07.2026
-
Der kürzeste Weg durch den Bürokratiedschungel
31.07.2026
Bernd Michalski
23.06.2026 16:37 Uhr
Verschiedene Ausschreibungen haben gezeigt, dass die reine Baukostensenkung wesentlich komplexer als die Anwendung von Digitalisierung, Standardisierung oder serieller oder modularer Bauweisen ist.
Bspw.:
„Europäischen Ausschreibung für modulares und serielles Bauen“, in 2018 (GdW)
oder
Rahmenvereinbarung „Serielles und modulares Bauen 2.0“, in 2023 (GdW)
oder
Runder Tisch „Serielles, modulares & systemisches Bauen“ an der Bundesstiftung Bauakademie
Das Ziel, kostengünstiger Wohnungsbau, wurde In den Ergebnissen der Exponate niemals erreicht.
Es ist auch keine Frage der Förderprogramme, sondern eine Frage nach der Ineffizienz der Bauwirtschaft