Krieg in der Ukraine: Steigende Preise, drohende Baustopps

Massive Engpässe beim Material wegen der Sanktionen gegen Russland – die Bauwirtschaft bekommt die Folgen des Krieges in der Ukraine zu spüren und stellt sich sogar auf Baustopps ein. Selbst Schrauben und Nägel werden knapp. Die Baupreise gehen durch die Decke.

Der Krieg in der Ukraine trifft die Baubranche mit voller Wucht. "Wir können heute nicht sicher sagen, ob genügend Material für alle Baustellen in Deutschland vorhanden sein wird", sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauindustrie. Sogar Baustopps schließt er nicht mehr aus. Teilweise kämen selbst Schrauben und Nägel wegen der Sanktionen gegen Russland nicht mehr an.

Auch die Preise steigen weiter, insbesondere Stahl hat sich extrem verteuert. "Die Materiallieferanten geben uns deshalb keine verbindlichen Angebote mehr. Teilweise werden Preise nur im Stundenrhythmus garantiert", so Müller weiter. Angebote seriös zu kalkulieren und abzugeben, sei wegen der Lieferengpässe und einer gedrosselten Stahlproduktion unmöglich geworden. Zudem haben nach Angaben der Bauindustrie große Raffinerien angekündigt, die Bitumen-Produktion kurzfristig deutlich reduzieren zu müssen. Der Baustoff wird etwa zur Abdichtung von Dächern, Gebäuden und Fundamenten gegen das Eindringen von Wasser eingesetzt.

Wird das Bauen für die Wohnungswirtschaft unerschwinglich?

Baustoffe wie Stahl und Holz waren schon vor dem Krieg in der Ukraine hoch. Im Jahresdurchschnitt 2021 sind nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von Februar 2022 die Erzeugerpreise so stark gestiegen wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 1949.

Konstruktionsvollholz hat sich demnach gegenüber dem 2020er-Durchschnitt um 77,3 Prozent verteuert, Dachlatten um 65,1 Prozent und Bauholz um 61,4 Prozent. Selbst die Preise für Spanplatten, für die in der Regel das Abfallprodukt Sägespäne genutzt wird, haben um 23 Prozent zugelegt. Betonstahl in Stäben war nach Angaben der Statistiker im Jahresdurchschnitt 2021 um 53,2 Prozent teurer, und Betonstahlmatten kosteten 52,8 Prozent mehr als 2020. Betonstahl wird unter anderem im Rohbau zur Verstärkung von Bodenplatten, Decken oder Wänden eingesetzt.

Der Anstieg der Baukosten treffe auch die sozial orientierten Vermieter, die Wohnungen mit niedrigen Durchschnittsmieten von 5,98 Euro pro Quadratmeter und Monat anböten, kommentierte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, den Bericht der Bundesbehörde. Sie könnten Preissteigerungen nicht ohne Weiteres an die Mieter weitergeben.

Energiepreise und Bauleistungen als weitere Kostentreiber

Auch die Preise für Halbzeug aus Kupfer und Kupferlegierungen, das beispielsweise für den Heizungsbau oder in der Elektroinstallation genutzt wird, legten 2021 gegenüber dem Vorjahresdurchschnitt um 26,9 Prozent zu. Bitumen auf Erdölbasis verteuerte sich um 36,1 Prozent. Die hohen Energiepreise haben außerdem auf chemische Produkte aufgeschlagen: Die Erzeugerpreise für Dämmplatten aus Kunststoff wie Polystyrol lagen 2021 um 20,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Epoxidharz, ein Bindemittel für Farben und Lacke, verteuerte sich massiv um 28,9 Prozent.

Auch Bauleistungen sind teurer geworden. Vor allem bei den Zimmer- und Holzbauarbeiten im Rohbau kletterten die Preise deutlich um 29,7 Prozent gegenüber 2020. Bei den Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten wurde 10,5 Prozent mehr verlangt, bei Klempnerarbeiten 10,4 Prozent. Insgesamt lagen im Jahresdurchschnitt 2021 die Preise für den Neubau von Wohngebäuden laut Statistik um 9,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Wohnungswirtschaft fordert schnelles Handeln von Regierung

Bund und Länder müssten umgehend Maßnahmen zur Abfederung der "Bauflation" und Stabilisierung der Baukosten auf den Weg bringen, forderte Gedaschko im Februar. Finanzhilfen des Bundes und Zuschüsse der Länder wären ein wirksames Mittel, um die Preissteigerungen abzufedern, ein schnelles Regierungshandeln sei jetzt gefragt.

Auch die von Januar bis November 2021 gestiegenen Baugenehmigungszahlen, die das Statistische Bundesamt im Zusammenhang mit den massiv gestiegenen Baupreisen positiv erwähnt habe, seien kein ausreichendes Signal für eine Entlastung der angespannten Wohnungsmärkte, so der GdW-Chef. Etwa bei den Mehrfamilienhäusern liege der Anstieg der Baugenehmigungen "bei mickrigen 0,5 Prozent" gegenüber dem Vorjahr – gerade im Mietwohnungsbereich würden aber deutlich mehr bezahlbare Wohnungen gebraucht.   


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dpa