Wohninvestment: Handel mit Mietshäusern nimmt deutlich zu

Deutschland ist ein Mieterland und Wohnungen in Mehrfamilienhäusern begehrt. Profi-Investoren haben in diesem Segment 2019 weit mehr Geld ausgegeben als im Vorjahr, wie eine Studie zeigt. Auch der Handel mit Wohn- und Geschäftshäusern verzeichnet ein großes Umsatzplus – Aachen trendet.

Rund 186 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr insgesamt mit Wohnimmobilien in Deutschland umgesetzt, wie Colliers International im Report "Residential Investment 2020/2021" schreibt. Und an diesem Transaktionsvolumen hatten Mehrfamilienhäuser einen deutlich höheren Anteil als noch im Jahr zuvor: Rund 58 Milliarden Euro gingen über den Tisch – das sind knapp ein Fünftel (14,8 Prozent) mehr als 2018.

Genauer unter die Lupe genommen hat Colliers International auch im aktuellen Report die Märkte für Wohn- und Geschäftshäuser in 42 ausgewählten Städten: In diesem Segment wurden 9.230 Transaktionen im Wert von 20,63 Milliarden Euro ermittelt – nach 19,82 Milliarden Euro im Vorjahr ist das ein Plus von 4,1 Prozent. Hiervon entfielen alleine rund 11,3 Milliarden Euro (54,8 Prozent) auf Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main, die als einzige Städte einen Geldumsatz von mehr als einer Milliarde Euro hatten.

Wohn- und Geschäftshäuser: Großes Umsatzplus in Aachen, Berlin schwächelt

Von den sieben analysierten Top-Metropolen ging nur in Berlin das Umsatzvolumen zurück: Um 670 Millionen Euro auf 4,82 Milliarden Euro – in absoluten Zahlen bleibt die Hauptstadt damit aber Spitzenreiter. In Hamburg (1,93 Milliarden Euro), Frankfurt (1,43 Milliarden Euro) und Köln (1,08 Milliarden Euro) – lag das Transaktionsvolumen 2019 jeweils über dem des Vorjahres.

Deutlich gestiegen sind die Umsätze in Aachen: um 132 Prozent auf rund 414 Millionen Euro. Auch Fürth fällt aus der Rolle mit einem Plus von 79,2 Prozent auf rund 119 Millionen Euro. Unter den Top 7 kann nur München eine ähnliche Steigerung aufweisen mit einem Plus von 77,2 Prozent auf mehr als 1,9 Milliarden Euro. Diese Ergebnisse wertet Colliers als deutliches Indiz dafür, dass aufgrund der attraktiveren Renditen und des größeren Entwicklungspotenzials auch sekundäre Standorte vermehrt an Attraktivität für Investments gewinnen und in den Fokus von Investoren rücken.

Colliers: Neuvertragsmieten steigen in den Top 7 über der Inflationsrate

Colliers International geht in der Studie davon aus, dass bis 2035 die Zahl der Haushalte in Deutschland um 2,8 Prozent steigen wird, während das Angebot an Wohnungen knapp bleibt. Die Neubauzahlen liegen weiterhin auf einem historisch niedrigen Niveau. Trotz zuletzt leicht gestiegener Genehmigungszahlen (2019: plus 3,9 Prozent zum Vorjahr) sei ein deutlicher Anstieg der Neubauzahlen in den kommenden Jahren eher unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht. Die steigende Nachfrage bei unzureichendem Angebot führt schon seit Jahren zu einem Anstieg der Neuvertragsmieten: Die verteuerten sich seit 2012 jährlich um 2,4 Prozent, was einem realen Anstieg von 1,1 Prozent entspricht. In den Top-7-Städten lag der jährliche Anstieg mit 2,8 Prozent (real 1,6 Prozent) leicht höher.

In den Top-7-Städten, mit Ausnahme Berlins, wo im Januar der Mietendeckel eingeführt wurde, sind die Neuvertragsmieten zuletzt bis zur Jahresmitte 2020 laut Colliers durchnittlich sogar noch einmal zwei Prozent höher – bei einer Inflationsrate von 0,9 Prozent – als zum Jahresende 2019 und somit der Zeit vor Covid-19. "Auch wenn sich die jährlichen Wachstumsraten abgeschwächt haben, ist der allgemeine Trend der Mieten und Kaufpreise weiterhin intakt und dürfte dies auch in den nächsten Jahren bleiben", sagt Felix von Saucken, Head of Residential bei Colliers International in Deutschland.


Colliers-Report 2020/2021: "Residential Investment. Wohn- und Geschäftshäuser im Überblick"


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