PropTech boomt – Investoren verpassen den Anschluss
Mit 1.568 (plus 19 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025) aktiven PropTechs erreichte der deutsche Markt zum Stichtag 30.6.2026 ein neues Allzeithoch. 144 Neugründungen markieren außerdem das stärkste erste Halbjahr seit Erhebungsbeginn 2021 und ein Plus von 74 Prozent im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2025.
Doch strategisches Kapital aus der eigenen Branche bleibt mit rund acht Prozent der Investments die absolute Ausnahme. Ergebnisse aus dem neuen Blackprint-Report.
Kapital: Wie am PropTech-Markt investiert wird
Getragen wird das Wachstum am PropTech-Markt von vielen schlanken, jungen Teams. Die Konsolidierung durch wirtschaftliche Schieflagen bleibt mit rund sieben Prozent stabil. Zugleich verschieben sich sowohl Gründungen als auch Kapital sichtbar in bestands-, sanierungs- und betriebsnahe Segmente – dorthin, wo der regulatorische und operative Handlungsdruck besonders hoch ist.
Mit 272,3 Millionen Euro verzeichnete das Wagniskapital den schwächsten Auftakt eines ersten Halbjahres seit Erhebungsbeginn, wie es in dem Report heißt. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 registriert Blackprint in diesem Segment ein Minus von 42 Prozent. Fremdkapital liegt mit 1.128 Millionen Euro weiter vor dem Wagnis- beziehungsweise Eigenkapital, ist jedoch zu rund 94 Prozent von einem einzelnen Großfall geprägt.
Die Studienautoren schließen daraus, dass derzeit eher projekt- und assetnahe Finanzierungen mit Cashflows den Markt dominieren. Parallel schrumpfte die Geberbasis auf 126 Kapitalgeber, das sind 37 Prozent weniger im Jahresvergleich. An der Spitze der aktivsten Investoren stehen öffentlich getragene Frühphaseninvestoren, während strategisches Kapital aus der eigenen Branche mit rund acht Prozent der Investments die Ausnahme bleibt.
Wohin das Kapital fließt: Energieeffizienz führt
Bei der Kapitalallokation führte im ersten Halbjahr 2026 Energieeffizienz mit einem Anteil von 16 Prozent, gab aber nach dem Höchststand im ersten Halbjahr 2026 erstmals leicht ab um 0,4 Prozentpunkte. Es folgen das Segment Sanieren & Bauen im Bestand (13 Prozent) und Planen & BIM (elf Prozent).
Zusammen mit Vermarktung und Bewirtschaften und Instandhalten (jeweils rund zehn Prozent) bildeten bau-, bestands- und betriebsnahe Segmente den Schwerpunkt. Am deutlichsten gewonnen haben die Segmente "Vermarktung, Vermietung und Verkauf" und "Bewirtschaften und Instandhalten" (jeweils plus 0,4 Prozentpunkte) sowie "Planen und BIM" (plus 0,2 Prozentpunkte).
Software- und kapitalmarktnahe Bereiche wie Finanzieren, Bewerten & Investieren (sechs Prozent) und Asset- & Portfoliomanagement (drei Prozent) verharrten dagegen am Rand, während umsetzungsnahe Anwendungen im Bestand von klaren regulatorischen Zielvorgaben getragen werden.
Innovation: Was Entscheider wissen müssen
Die sieben führenden PropTech-Standorte sind zugleich die sieben Immobilienhochburgen: Rund 49 Prozent aller aktiven PropTechs sitzen in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.
Berlin bleibt mit 308 PropTechs Nummer eins. Am dynamischsten wächst der Markt in der zweiten Reihe: Köln (plus 19 Prozent auf 57) und Stuttgart (plus 13 Prozent auf 53) schieben sich erstmals vor Frankfurt am Main (52), das als einziger Standort stagniert.
Diese Standortlogik ist laut Blackprint-Report für alle Marktseiten aufschlussreich: Entscheider finden relevante Lösungspartner verlässlich dort, wo sie ohnehin tätig sind, und Gründer profitieren von der Nähe zu Kunden, Kapital, Talent und Förderung.
Auf Ebene der Metropolregionen zeigte sich im ersten Halbjahr 2026 ein dynamischeres Bild als auf Stadtebene: Rund 82 Prozent aller aktiven PropTechs sind in einer Metropolregion angesiedelt. Auffällig ist die Verschiebung der Wachstumspole: Rhein-Ruhr legte mit rund 15 Prozent am kräftigsten zu, gefolgt von Rhein-Main (plus fünf Prozent), während die Region Berlin/Brandenburg auf Vorjahresniveau stagnierte.
Ein wachsender Teil junger Unternehmen entsteht außerhalb der klassischen Zentren in der Kategorie "Sonstige Gebiete", die um 17 Prozent zulegte. Für Entscheider heißt das laut Blackprint konkret: Der relevante Suchraum für Partnering, Scouting und Kooperationen ist die eigene Metropolregion, nicht die einzelne Stadt – und dieser Verbund wird landesweit dichter. Innovation rückt näher an die Standorte, an denen die Branche zu Hause ist.
Blackprint PropTech-Report: Methodik
Der Report der auf Digitalisierung im Bau- und Immobiliensektor spezialisierten Backprintpartners GmbH dokumentiert und analysiert halbjährlich seit 2021 die Entwicklung von PropTech Startups mit Sitz in Deutschland, die in den vergangenen zehn Jahren gegründet wurden. Die Ergebnisse basieren auf Datenerhebungen aus primären und sekundären Quellen sowie der Blackprint-Datenbank.
Neu erfasst werden in der aktuellen Ausgabe gebäude- und liegenschaftsgebundene Energielösungen – von Mieterstrom über Speicher bis Submetering. Die Lösungen werden von der reinen Energiewirtschaft abgegrenzt. Hintergrund ist die Anpassung des Marktes an die großen Veränderungstreiber, von ESG-Regulatorik und Energiewende bis zu KI.
Zum aktuellen Blackprint PropTech Report
Das könnte Sie auch interessieren:
Wer bremst hier eigentlich wen?
-
Altbau, Sanierung, Budget: So kauft die junge Generation
156
-
Notarvertrag muss 14 Tage vor Beurkundung vorliegen
136
-
Immobilienblase: Wann kippt das fragile Gleichgewicht?
932
-
So entwickeln sich die Wohnimmobilienpreise bis 2035
53
-
Provision bei Vorkenntnis des Käufers? Es kommt darauf an!
42
-
Steigende Angebote und Preise – wo Käufer jetzt profitieren
36
-
Wohnimmobilien: Preisanstieg verliert deutlich an Schwung
32
-
Immobilienprüfung mit ChatGPT – was ist möglich?
27
-
Baunebenkosten in Deutschland am höchsten
19
-
Befristetes "Umwandlungsverbot" bis Ende 2030 verlängert
18
-
Neubaupreise steigen auf neuen Höchststand
11.09.20264
-
Immobilienwirtschaft: 96 Prozent halten KI für unverzichtbar
10.09.2026
-
BBSR: 20 Millionen Pendler – Wohndruck in Großstädten
09.09.2026
-
Altbau, Sanierung, Budget: So kauft die junge Generation
08.09.2026
-
Coworking in der Krise: Warum Flex Office die Antwort ist
07.09.2026
-
Investoren setzen wieder auf Handelsimmobilien
03.09.2026
-
WG-Markt: Rendite-Pause vor dem nächsten Preisschub
03.09.2026
-
Mietendeckel: Jurist sieht grünes Licht im Grundgesetz
27.08.20261
-
Mieter hängen bei der Energiewende zurück
27.08.2026
-
Wohnungsbau: Aufträge steigen – Aufschwung bleibt fragil
25.08.2026