Sorgen um Aufträge im Wohnungsbau
Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist im Februar 2026 gegenüber Januar 2026 um 7,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am 24. April mitteilte. Der Auftragseingang legte im Hochbau um 8,6 Prozent und im Tiefbau um 6,7 Prozent zu.
Im weniger volatilen Dreimonatsvergleich (Dezember 2025 bis Februar 2026) lag der Auftragseingang um 4,6 Prozent unter dem Wert der drei Monate zuvor: Der Hochbau verlor deutlich um 9,2 Prozent, der Rückgang im Tiefbau betrug moderate 0,4 Prozent. Die Branche macht sich vor allem Sorgen um den Wohnungsbau.
Bauhauptgewerbe: Sinkende Umsätze, mehr Beschäftigte
Im Jahresvergleich (Februar 2025 bis Februar 2026) stieg der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe laut der Bundesbehörde um 9,8 Prozent: Im Hochbau nahm der Auftragseingang minimal um 0,4 Prozent und im Tiefbau um 19,2 Prozent. Der nominale (nicht preisbereinigte) Auftragseingang lag demnach zwölf Prozent über dem Vorjahresniveau.
Der reale Umsatz im Bauhauptgewerbe war im Februar 2026 den Statistikern zufolge um 13,2 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Der nominale Umsatz fiel im gleichen Zeitraum um 10,8 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Die Zahl der im Bauhauptgewerbe tätigen Personen nahm im Jahresvergleich um 0,9 Prozent auf rund 537.000 Personen zu.
Alle Angaben des Statistischen Bundesamtes beziehen sich auf Betriebe von Unternehmen mit 20 und mehr tätigen Personen.
Branche: "Sonder-AfA im Mietwohnungsbau an EH55 koppeln"
Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ist in den Auftragsbüchern der Betriebe bislang nicht angekommen. "Wenn das so bleibt, verpufft eines der wichtigsten Instrumente dieser Legislaturperiode", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB).
Der Iran-Krieg habe die zum Jahreswechsel noch erfreuliche Aussicht für 2026 spürbar eingetrübt. Steigende Öl- und Gaspreise treiben die Baustoffpreise, die Zinsen geraten erneut unter Druck. Der ZDB hält die Jahresprognose von 2,5 Prozent realem Wachstum vorerst aufrecht, stellt sie aber unter Vorbehalt der weiteren geopolitischen Entwicklung.
"Der Wohnungsbau bleibt unser Sorgenkind. Beim Auftragseingang liegen wir bis Februar 2026 neun Prozent unter dem Vorjahr", so Pakleppa. Die steigenden Baugenehmigungen für Wohnungen seien ein Hoffnungssignal, aber noch keine Trendwende. Die Sonder-AfA im Mietwohnungsbau müsse an den EH55-Standard gekoppelt werden, der Gebäudetyp E bis zum Sommer zur Verfügung stehen und die Mittel aus dem Sondervermögen zusätzlich und in der Fläche investiert werden.
Iran-Krieg treibt Baukosten um drei bis fünf Prozent
"Wir sehen fast überall Kostensteigerungen", sagte der Präsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Thomas Reimann, der Deutschen Presse-Agentur. Das reiche von Stahl über Beton bis hin zu Dämmstoffen und Folien, die auf Rohöl basierten. Auch das Aufstellen von Kranen sei teurer geworden wegen höherer Dieselkosten bei der Anfahrt. "Insgesamt liegen die Baukosten um drei bis fünf Prozent höher als vor dem Iran-Krieg." Aussicht auf schnelle Besserung gebe es nicht. Selbst wenn die Rohölpreise am Weltmarkt zurückgingen, dürften Lieferanten zunächst bei ihren Preisen bleiben.
Eine seriöse Kalkulation von Bauleistungen sei derzeit kaum möglich, beklagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands HDB. Wegen der großen Unsicherheit um den Iran-Krieg seien Bauunternehmen gezwungen, Risikoaufschläge in die Angebote einzupreisen, sofern keine Preisgleitklauseln vereinbart wurden. Der Iran-Krieg wirke wie ein Brennglas auf strukturelle Probleme, die es ohnehin gebe, erklärte Bauministerin Verena Hubertz (SPD) im ARD-"Morgenmagazin". "Die Baukosten, die hoch waren, die sind jetzt noch mal mehr unter Druck."
Bundesregierung sieht Fortschritte in der Baupolitik
In einer Antwort auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen verwies die Bundesregierung auf die Baugenehmigungszahlen, die 2025 erstmals seit 2021 wieder gestiegen seien. In dieser Wahlperiode setze das Bauministerium die Maßnahmen der vergangenen Jahre konsequent fort und baue die Unterstützung durch Förderprogramme aus, die den Neubau beschleunigen und bezahlbaren Wohnraum schaffen würden.
Nach Angaben der Regierung hat die Förderung Klimafreundlicher Neubau (KFN) allein 2025 Investitionen von mehr als 13 Milliarden Euro angestoßen und 35.000 Wohneinheiten unterstützt. Seit Dezember 2025 gebe es zudem die zeitlich befristete Fördermöglichkeit für neue Gebäude mit Effizienzhausstandard 55 und Wärmeerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, um den Bauüberhang zu aktivieren.
Das Ziel, die Baukosten zu senken und den Neubau effizienter zu gestalten, werde weiter verfolgt, schreibt die Regierung in der Antwort. Dazu gehörten unter anderem der verstärkte Einsatz modularer und serieller Bauweisen und der Gebäudetyp E.
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