Argentra: Sollten Zinsen wieder steigen, wird auch Zahl der Zwangsversteigerungen zunehmen Bild: Corbis

Im vergangenen Jahr gab es 7.000 Zwangsversteigerungen weniger als noch 2015, wie der Fachverlag Argetra berichtet. Den Negativrekord 2016 hält Sachsen-Anhalt mit 147 Fällen pro 100.000 Haushalten. Mit 18 Haushalten war der entsprechende Wert in Hamburg am geringsten. Insgesamt waren 31.000 Gerichtstermine angesetzt. Bezogen auf die absolute Zahl der Zwangsversteigerungen lag Nordrhein-Westfalen mit 7.832 Fällen vorn.

Insgesamt sind laut Argetra im Jahr 2016 Immobilien im Wert von 4,85 Milliarden Euro aufgerufen worden. Im Jahr zuvor hatte diese Zahl noch bei 6,03 Milliarden Euro gelegen. Ausgewertet wurden Zwangsversteigerungstermine bei rund 500 Amtsgerichten.

Die Nachfrage nach Immobilien sei aufgrund der niedrigen Zinsen unverändert hoch, sagte Argetra-Geschäftsführer Axel Mohr. Doch jede zweite Immobilie werde jedoch bereits vor der Versteigerung von den Banken verkauft. In mehr als zwei von drei Fällen seien Eigentumswohnungen oder Ein- und Zweifamilienhäuser unter den Hammer gekommen.

Bis auf Hamburg (plus 12,4 Prozent) fanden laut Argetra in allen Ländern weniger Termine statt. Berlin ist mit minus 29,3 Prozent Spitzenreiter. In den neuen Ländern setzte sich der rückläufige Trend fort (minus 17,1 Prozent). In den alten Ländern ergibt sich ein Minus von 18,9 Prozent.

Run auf Immobilien: Weniger Zwangsversteigerungen in Meck-Pomm

Die meisten Termine fanden nach Angaben von Argentra in Chemnitz statt, Leipzig liegt auf
Platz Zwei, danach folgt Berlin. Den Sprung aus der Top 40 Liste schafften neun Städte, darunter Krefeld und Saarbrücken. In die Top 40 Liste fanden 2016 unter anderem Hamburg, Trier und Kassel Einzug. Insgesamt sind aktuell neun Städte aus den neuen Ländern in dieser Liste vertreten, im Vorjahr waren es Argentra zufolge noch 13.

Aufgrund der Niedrigzinsen sei die Nachfrage nach Immobilien vor allem in Mecklenburg-Vorpommern so groß gewesen, dass die Zahl der Zwangsversteigerungen 2016 noch einmal zurück gegangen sei, wie der Argetra Verlag für Wirtschaftsinformation mitteilt. So habe es in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr nur 808 Zwangsversteigerungen von Immobilien gegeben, das sei ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent.

Bei steigenden Zinsen könnten Zwangsversteigerungen zunehmen

Hintergrund der Zwangsversteigerungen seien oft private Notlagen, sagte Mohr. Bei notwendigen Renovierungen erhielten viele alleinstehende alte Menschen auch dann keinen Kredit mehr, wenn sie in nicht belasteten Immobilien lebten. Seit ihrem Inkrafttreten 2016 hat auch die Wohnimmobilienkreditrichtlinie immer wieder für Kritik gesorgt: So soll der Zugang zu Krediten durch die Neuregelung vor allem Menschen, die älter als 60 Jahre sind, erschwert werden. Die Wohnungseigentumsquote hat sich zwischen 2011 und 2014 kaum erhöht, zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaft Köln (DIW).

Bild: Argentra GmbH, Ratingen

Wohnimmobilien am häufigsten versteigert

Der Zwangsversteigerungsmarkt besteht laut Argentra zu 70 Prozent aus Wohnimmobilien, insbesondere aus Ein- und Zweifamilienhäusern (Anteil von 42 Prozent, plus 1,9 Prozent) und Eigentumswohnungen (27,4 Prozent, minus 1,8 Prozent). Den Rest teilen sich demnach Gewerbeobjekte (21 Prozent, minus 1,6 Prozent), Wohn- und Geschäftshäuser, Grundstücke und sonstige Immobilien.

Sollten die derzeit niedrigen Zinsen wieder ansteigen, sei auch wieder mit einer Zunahme der Zwangsversteigerungen zu rechnen, zeigt sich Argetra überzeugt. Die festgesetzten Verkehrswerte lägen in der Regel unter den Marktwerten, außerdem entfielen Makler- und Notarkosten.

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