Die Wohnsituation für Studierende in Deutschland hat sich weiter verschlechtert. Vor allem in München, Hamburg und Stuttgart sind bezahlbare Wohnungen im Wintersemester 2018/2019 kaum noch zu finden. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Moses Mendelssohn Instituts (MMI). In Berlin sind die Wartelisten für Wohnheimplätze besonders lang, wie das Studierendenwerk mitteilt.

In Auftrag gegeben wurde der so genannte Anspannungsindex des MMI in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de vom Immobilienentwickler GBI. Ermittelt wird ein Anspannungs-Index des studentischen Wohnungsmarktes mit maximal 100 Punkten. Im Bundesschnitt stieg der Index von 37,7 Punkten auf 37,9 Punkte.

"Das ist ein neuer Höchstwert", sagt Dr. Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts: "Vor allem an Standorten, die ohnehin gefragt sind, spitzt sich die Lage zu."

Scoring: München vor Hamburg und Stuttgart

In den zehn Städten mit der ohnehin angespanntesten Wohnlage stieg der Scoring-Index besonders deutlich: im Durchschnitt von 69,1 Punkten auf 70,2 Punkte.

Auf Rang eins liegt München mit 79 Punkten, nach 78 Punkten im Vorjahr. Hamburg folgt auf Platz zwei mit 76 Punkten, hier hat sich nichts verändert, die Situation bleibt gleichbleibend angespannt. Es folgt an dritter Stelle Stuttgart mit ebenfalls 76 Punkten, was allerdings einen Anstieg von zwei Punkten bedeutet im Vergleich zum Vorjahr.

"Hauptursache für diese Entwicklung ist die Mischung aus einer zunehmenden Nachfrage, steigenden Preisen und mangelndem Angebot in den gefragten Hochschul-Standorten", so Brauckmann.

WG-Mieten ziehen deutlich um bis zu 30 Euro an

Die WG-Mieten sind am stärksten in München (von 570 auf 600 Euro), in Frankfurt (von 450 auf 480 Euro), in Hamburg und Stuttgart (jeweils von 420 auf 450 Euro) sowie in Köln und Berlin (jeweils von 400 auf 420 Euro) gestiegen.

"Bemerkenswert ist die unterschiedliche Entwicklung in den Hochschulstädten", sagt Brauckmann. Auf der einen Seite gebe es diese gefragten Standorte, in denen die Studierendenzahlen und die WG-Preise steigen, während deutlich günstigere Standorte trotz des Kostenvorteils weniger gefragt seien. Dort wo die Wirtschaft besonders gut läuft und viele Menschen zudem wegen der Attraktivität von Kultur- und Freizeitangebot in die Stadt ziehen, ist die Konkurrenz für die Studenten bei der Wohnungssuche besonders groß.

Bafög-Wohnkostenpauschale unrealistisch

Laut der Analyse kosten die Zimmer in einer Wohngemeinschaft im bundesweiten Durchschnitt 363 Euro. Der günstigste Standort in der aktuellen Erhebung ist Chemnitz mit 230 Euro. 250 Euro ist die laut BAföG-Satz angesetzte offizielle Wohnkostenpauschale.

Dennoch sind der Studie zufolge WG-Zimmer noch am preiswertesten. "Wer in eine eigene Wohnung zieht, muss in allen Städten erheblich mehr zahlen", erläutert Annegret Mülbaier von WG-Gesucht.de. Denn bei der Suche nach Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen sei die Konkurrenz für Studierende immer stärker, etwa durch Job-Anfänger, Singles oder Pendler.

Wohnheimplätze: In Berlin, Frankfurt, Hamburg und Köln kaum verfügbar

Auch Wohnheime der lokalen Studierendenwerke können laut MMI nur wenig Abhilfe schaffen: In den untersuchten 96 Hochschulstädten steht nicht einmal jeden zehnten Studierenden (9,6 Prozent) eine subventionierte Unterkunft zur Verfügung. Deutlich unterdurchschnittliche Werte gibt es sogar in Städten, in denen die Anspannung des studentischen Wohnungsmarktes mit am größten ist, in Berlin (5,6 Prozent), Frankfurt (7,1 Prozent), Hamburg (7,4 Prozent) oder Köln (7,7 Prozent). Brauckmann: „In diesen Städten leiden die Studierenden somit bei der Wohnungssuche doppelt.“

Für die Studentenstädte-Analyse hat das Moses Mendelssohn Institut wie in den Vorjahren jeweils 23 Faktoren genau untersucht. Neben der Preis-Analyse gehören dazu auch die Attraktivität von Universität und Stadt. "Studierende haben ganz genaue Vorstellungen von ihrem Lebensumfeld", beobachtet Brauckmann. Trotz eines gerade in den Hochschulstädten stark belasteten Budgets ziehen sie nicht automatisch in günstige Quartiere.

Für eine entsprechende Lage mit gutem Angebot an Kneipen, Kultur und anderen passenden Freizeit-Angeboten sind sie bereit, bei Ausstattungsmerkmalen oder Größe der Wohnung Kompromisse einzugehen. Das ist bereits in einer MMI-Studie von 2016 aufgefallen: Schon damals zog es Studierende in die Szene-Standorte der Metropolen. Bei Projektentwicklungen sollten Investoren unbedingt auf die Mikrolage achten, riet CBRE vor kurzem.

MMI-Scoring Wintersemester 2018/2019: Überblick Top 20

Aktuelles ScoringScoring VorjahrStadtPunkteVorjahrVeränderung
11München7978+1
22Hamburg79760
33Stuttgart7674+2
45Frankfurt/Main73,570,5+3
54Köln7371+2
69Berlin6763+4
78Darmstadt66,565,5+1
87Tübingen/Rottenburg (Neckar)65,565,50
96Freiburg/Breisgau64,566,5-2
1010Konstanz61610
1113Düsseldorf58,555+3,5
1211Mainz58,558,50
1312Bonn56,556,50
1414Heidelberg55550
1515Aachen55550
1616Karlsruhe53,551,5+2
1717Mannheim5249+3
1822Erlangen48,546,5+2
1918Regensburg47,548,5-1
2019Ulm47,548,5-1

Quelle: Moses Mendelssohn Institut MMI)

Berlin: Lange Warteliste für Platz im Studentenwohnheim

Auch kurz vor Beginn des Wintersemesters 2018/2019 warten in Berlin noch mehr als 3.500 Studierende auf einen Platz in einem der Wohnheime. Die Warteliste werde sich bis Ende September noch verlängern, wohl auf mehr als 4.000, sagte Jana Judisch, Sprecherin des Studierendenwerkes, der Deutschen Presse-Agentur. Die Wartezeit liege zwischen einem Semester und mehr als drei Semestern.

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Die Engpässe bestehen in Berlin seit Jahren. Bereits 2013 hatte der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) versprochen, dass das Studentenwerk neue Plätze errichten würde. Ein Plan von 2015 sieht den Bau von Wohnungen für 5.000 Studenten bis 2020 vor. Mehrere Projekte sind aber erst in der Vorbereitungsphase.

Möblierte Single-Apartments zu teuer

Zwar sind in den vergangenen Jahren im privaten Sektor viele Wohnungen für Bedürfnisse von Zielgruppen wie Studenten entstanden, etwa möblierte Single-Apartments, doch die Mieten dafür sind vergleichsweise hoch. So gibt ein Student in München mittlerweile im Durchschnitt 785 Euro Warmmiete für eine 30 Quadratmeter große Single-Wohnung aus, wie eine Studie von wg-suche.de und ImmobilienScout24 zeigt.

Während die monatlichen Kosten für einen Wohnheimplatz in Berlin laut Judisch im Schnitt bei 227 Euro liegen, geht aus der Sozialerhebung des Studierendenwerks geht hervor, dass Studierende im Durchschnitt Mietausgaben von 361 Euro haben. Eine unter anderem vom Land Berlin eingebrachte Bundesratsinitiative, die auch eine Erhöhung der Bafög-Pauschale vorsah, war Ende April gescheitert. Vorgeschlagen wurde, den Zuschuss auf 300 Euro zu steigern und darüber hinaus ortsabhängige Zuschläge von bis zu 100 Euro zu zahlen.

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Schlagworte zum Thema:  Student, Wohnungsmarkt