Studie: Mieten für WG-Zimmer sprunghaft gestiegen

Wer auf WG-Zimmer-Suche ist, muss deutlich mehr Geld einplanen als noch vor einem Jahr. Die Mieten für WG-Zimmer sind zuletzt drastisch gestiegen, wie eine Studie zeigt. Die Experten sprechen von Nachholeffekten: Mit der Pandemie hätten sich die Preise zwei Jahre seitwärts bewegt.

Studierende und andere junge Leute, die zum nächsten Semester ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft (WG) suchen, müssen sich auf teilweise saftige Mieten einstellen. Die Preise bei Neuvermietung sind in vielen deutschen Hochschulstädten drastisch gestiegen. Ein WG-Zimmer kostet mittlerweile durchschnittlich 435 Euro pro Monat – das sind monatlich 44 Euro mehr als vor einem Jahr. Das geht aus einer Untersuchung des Moses Mendelssohn Instituts (MMI) in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de hervor.

Ausgewertet wurden die in der zweiten Augusthälfte 2022 direkt verfügbaren Zimmer-Angebote auf WG-Gesucht.de in 95 deutschen Hochschulstädten mit mindestens 5.000 Studierenden.

Nachholeffekt: WG-Zimmer-Mieten steigen in 89 von 95 Städten

Die teuerste Universitätsstadt ist München mit einer durchschnittlichen Angebotsmiete von 700 Euro (Vorjahr 620 Euro, plus 12,9 Prozent) für ein WG-Zimmer. In Frankfurt am Main liegt der Preis bei 580 Euro (Vorjahr 520), in Berlin bei 550 Euro (Vorjahr 495). Günstig wohnt es sich vor allem im Osten Deutschlands. WG-Zimmer waren im August etwa in Chemnitz noch für durchschnittlich 250 Euro zu haben (Vorjahr 236), in Cottbus für 300 Euro (Vorjahr 257).

Die zum Teil starken Preissteigerungen in diesem Jahr erklären die Studienautoren mit Nachholeffekten. "Zwei Jahre sorgte die Corona-Pandemie bei Neuvermietungen eher für eine Seitwärtsbewegung der Preise", sagt Dr. Stefan Brauckmann, Geschäftsführender Direktor am Moses Mendelssohn Institut. "Damit ist es jetzt vorbei. In 89 von 95 Hochschulstädten sind Zimmer in einer WG jetzt teurer als noch 2021." Schon Anfang 2022 habe es Anzeichen dafür gegeben, dass der Markt "erheblich in Bewegung gerät".

Die höchsten Preisaufschläge verteilen sich auf Metropolen, klassische Unistädte, aber kleinere Standorte, erklärt Brauckmann. So erhöhten sich innerhalb eines Jahres die Preise beispielsweise besonders stark in:

  1. Erfurt: 21,8 Prozent (von 275 auf 335 Euro)
  2. Lüneburg: 18,2 Prozent (von 330 auf 390 Euro)
  3. Erlangen: 17,9 Prozent (von 380 auf 448 Euro)
  4. Düsseldorf: 17,6 Prozent (von 425 auf 500 Euro)
  5. Freiburg: 16,7 Prozent (von 420 auf 490 Euro)
  6. Bonn: 16,3 Prozent (von 400 auf 465 Euro)
  7. Ludwigsburg: 15,7 Prozent (von 420 auf 486 Euro)
  8. Bayreuth: 15,4 Prozent (von 312 auf 360 Euro)
  9. Flensburg: 14,9 Prozent (von 322 auf 370 Euro)
  10. Heidelberg: 13,8 Prozent (von 398 auf 453 Euro)

Viele Wohnungen würden erst später frei, weil Studierende Umzüge nachholten, die sie wegen der Pandemie auf Eis gelegt hätten, heißt es in der Studie. Andere verlängerten wegen der Corona-Ausfälle das Studium. Auch internationale Studierende holten nun Auslandsemester in Deutschland nach. Mit dem jeweils gleichen Effekt: "Der Mangel verschärft sich."

Zu wenig Förderung, zu wenig Neubau

Auch in der Langzeitbetrachtung zeigt sich, wie dramatisch die Preise für WG-Zimmer vor allem in den großen Städten angezogen haben. In Berlin waren Zimmer im Jahr 2013 – dem Beginn der MMI-Marktbeobachtung – noch für durchschnittlich 335 Euro zu haben (jetzt 550) oder in München für 499 Euro (jetzt 700).

Das aktuelle Niveau der staatlichen Förderung helfe laut MMI nur unzureichend. Zwar hat sich im Juli 2022 im Rahmen der BAföG-Reform die Wohnkostenpauschale von 325 auf 360 Euro erhöht, "doch nicht zuletzt wegen der aktuellen 'Preissteigerungswelle' hinkt die Politik der Wohnrealität deutlich hinterher", so MMI-Direktor Brauckmann. An 59 Standorten lägen die Mieten für ein WG-Zimmer höher als 360 Euro. Dabei ist eine Wohngemeinschaft noch die günstigste Alternative am freien Wohnungsmarkt. Als schlechtes Signal wertete Brauckmann außerdem, dass Heizkosten-Zuschuss für BAföG-Empfänger geringer ist als bei sonstigen Wohngeldberechtigten.

Studentisches Wohnen: Bei den Preisen kein Ende in Sicht

Es sei zu befürchten, dass die Preissteigerungen beim Studentischen Wohnen erst am Anfang stehen, heißt es vom MMI. Ein Grund: Viele Abschlagszahlungen für Energie sind noch nicht an das aktuelle und erwartete Preisniveau angepasst. "Hier wird es sicherlich negative Überraschungen bei der Abrechnung geben", sagt Brauckmann. Schon jetzt machten die Wohnkosten einen Großteil des verfügbaren Budgets aus. Der MMI-Anspannungs-Index liegt 2022 bei 38,6 Punkten, so hoch wie nie zuvor. 2013 bei der ersten Analyse war der Wert mit 33,4 Punkten deutlich niedriger.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) hat vor Kurzem ein Förderprogramm angekündigt für den Bau von Wohnungen für Studierende und Azubis. Interesse institutioneller Anleger an studentischen Wohnprojekten gebe es genug, sowohl für preisgedämpfte als auch geförderte Projekte, heißt es in der Studie.


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