Teure Studentenbuden – in Berlin ist der Mietendeckel schuld Infografik

Die Mieten für studentisches Wohnen in Deutschland, egal ob Apartment oder WG-Zimmer, haben noch einmal zugelegt. Vor allem dort, wo das Angebot knapp ist – dabei sind die regionalen Unterschiede extrem, wie der MLP-Studentenwohnreport 2021 zeigt. In Berlin hat auch der Mietendeckel zugeschlagen.

Die monatlichen Warmmieten für Studentenwohnungen in den deutschen Hochschulstädten sind zum Ende des Sommersemesters 2021 gegenüber dem Vorjahr weiter gestiegen, wie der Studentenwohnreport 2021 des Finanzberaters MLP und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigt. Über alle 30 untersuchten Mietmärkte hinweg lagen sie im Schnitt um 1,8 Prozent höher als im Vorjahr, wenngleich die Dynamik leicht nachgelassen hat. In einer Sonderauswertung für WG-Zimmer zeigt sich, dass auch in diesem Segment die Mieten um 0,9 Prozent gestiegen sind, ausgehend von einem hohen Preisniveau.

Für den Studentenwohnreport greift MLP auf Daten des Immobilienberaters Value AG zurück. Angebote in Studentenwohnheimen werden nicht ausgewertet. Laut IW-Ökonom Prof. Dr. Michael Voigtländer, der an der Studie beteiligt ist, haben nur rund fünf bis 15 Prozent der Studienanfänger die Möglichkeit, in Wohnheimen unterzukommen. Die Studie fokussiere sich daher auf das Angebot auf dem freien Markt.

So wirkt sich Corona auf den Studentenwohnmarkt aus

Dabei gibt es erhebliche regionale Unterschiede bei der Preisdynamik. So sind die Mieten etwa in Freiburg im Breisgau um fast sechs Prozent gestiegen, in Berlin um 5,4 Prozent und in Konstanz, Leipzig und Münster jeweils um mehr als vier Prozent. In Stuttgart und in Karlsruhe hingegen sind sie um 2,6 beziehungsweise 1,4 Prozent gesunken.

Als Ursache für Mietrückgänge sieht MLP unter anderem die Corona-Pandemie: Viele potenzielle Mieter haben den Beginn des Studiums hinausgezögert, was sich an der geringeren Studienanfängerzahl ablesen lässt. Eine Folge dieser Entwicklung ist auch eine deutliche Angebotsausweitung in einzelnen Märkten wie etwa Darmstadt, Stuttgart oder München.

Die Lage dürfte sich nach Meinung der Experten jetzt anspannen – mehr als 400.000 Abiturienten haben nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz frisch ihre Abschlusszeugnisse in der Tasche und streben ein Studium an. "Ihre Wohnungssuche wird eine große Herausforderung", sagt Dr. Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandsvorsitzender von MLP. Dazu kommt die "Konkurrenz" derer, die ihren Studienstart wegen Corona aufgeschoben hatten und jetzt ebenfalls auf den Markt drängen. Dort, wo weiter mietregulierend eingegriffen wird, könnte sich die Gemengelage auf dem Wohnungsmarkt noch verschärfen. Darunter hat zuletzt ganz besonders Berlin gelitten.

Sonderfall Berlin: Mietendeckel sorgte für Angebotsverknappung

Das Wohnangebot für Studierende ist in Berlin der MLP-Untersuchung zufolge im Wintersemester 2020/2021 massiv zurückgegangen. Zwar gab es ein Prozent WG-Zimmer pro 100 Studierenden mehr im Vergleich zum Vorjahr, am gesamten Wohnungsmarkt ist das Angebot an Studentenwohnungen jedoch um mehr als 15 Prozent zurückgegangen. Das habe dazu geführt, dass 100 Studierende um insgesamt knapp 14 Wohnangebote konkurrierten, davon ein WG-Zimmer und fünf Wohnungen mit maximal 40 Quadratmetern. Bei den übrigen Wohnungen handelte es demnach sich um Angebote ohne hohe Qualität, die für Studierende noch in Frage kommen.

Die Autoren der Studie führen das verringerte Angebot in Berlin vor allem auf den Mietendeckel und auf die Coronakrise zurück. "Nachdem der Mietendeckel vom Bundesverfassungsgericht für nichtig erklärt wurde, steigt die Zahl der angebotenen Mietwohnungen wieder", schreiben sie. Das habe zu den um rund fünf Prozent höheren Mieten zum Ende des Sommersemesters geführt.

Bereinigt um Qualität und Lage ("Studentenwohnpreisindex") für Studentenwohnungen sind die Mieten in 19 der 30 untersuchten Hochschulstädte weiter in die Höhe gegangen. Im Mittel werden 403 Euro pro Monat fällig.

Wohnzuschlag im BAföG-Höchstsatz deckt nur noch in einer Hochschulstadt die Miete

Der teuerste Studienort ist nach wie vor München. Dort kostet eine solche Musterwohnung mittlerweile 802 Euro, gefolgt von Stuttgart, wo trotz sinkender Mieten immer noch 750 Euro fällig werden, und Köln (663 Euro). Am günstigsten wohnen Studierende in Magdeburg (289 Euro), Leipzig (355 Euro) und Greifswald (382 Euro).

Für die studentische Musterwohnung (erbaut im Jahr 1995) wurde bei einer "normalen" Ausstattung eine Wohnfläche von 30 Quadratmetern und eine Lage in direkter Umgebung (1,5 Kilometer Entfernung) zur nächstgelegenen Universität unterstellt. Neben den reinen Mietkosten sind Wohnnebenkosten in Höhe von 20 Prozent einkalkuliert. Für den BAföG-Wohnzuschlag von maximal 325 Euro können sich Studierende nur noch in einer einzigen Hochschulstadt, nämlich in Magdeburg, eine Musterwohnung leisten. Im Extrembeispiel München erhalten Studierende dafür gerade einmal eine Wohnung mit 16 Quadratmetern.

Doch inwieweit planen die Parteien überhaupt, sich um die Probleme der Nachwuchsakademiker zu kümmern? Der aktuelle MLP-Studentenwohnreport bietet auch einen Überblick über die Wahlprogramme. Alle Parteien beschäftigen sich mit dem BAföG. Bei der Höhe bleiben die Parteien aber meist vage. Nur die Grünen wollen unterschiedliche Lebenshaltungskosten (inklusive Miete) bei der BAföG-Höhe berücksichtigen, wollen aber wie die SPD und die Linken gleichzeitig den Mietwohnungsmarkt stärker regulieren, um für günstigere Mieten zu sorgen.

"Die Erfahrungen mit dem in Berlin bereits ausprobierten Mietendeckel zeigen aber, dass ein solcher Ansatz nicht funktioniert. Am Ende hat er zu einer weiteren Verknappung des Mietwohnungsangebots geführt", sagt Voigtländer.

  

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dpa
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