Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen sinkt abermals

Trotz der hohen Nachfrage nach Wohnungen sind dem Statistischen Bundesamt zufolge zwischen Januar und Juli erneut weniger Baugenehmigungen erteilt worden. Damit setzt sich die Entwicklung der vergangenen Monate fort. Für die Immobilienbranche wäre mehr Bauland der Schlüssel für eine Trendwende.

In den ersten drei Monaten 2019 ging die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Vergleich zum ersten Quartal 2018 um 2,8 Prozent auf 75.600 Wohnungen zurück, 164.600 Wohnungen wurden im ersten Halbjahr 2019 genehmigt, was im Vorjahresvergleich einem Minus von 2,3 Prozent entsprach – im aktuellen Betrachtungszeitraum Januar bis Juli 2019 sind es nun mit 196.400 genehmigten Wohnungen bereits 3,4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) mit.

Ohne Baumaßnahmen im Bestand, also nur in neu zu errichtenden Wohnungen, sanken die Baugenehmigungen in den ersten sieben Monaten 2019 gegenüber den ersten sieben Monaten 2018 sogar um 4,1 Prozent. Für die Verbände der Immobilien und der Wohnungswirtschaft ist das ein Grund, ihre Kritik noch einmal zu bekräftigen.

"Die sinkenden Baugenehmigungen zeigen: Der Wohnungsneubau steht und fällt mit der Ausweisung von ausreichend bezahlbarem Bauland durch die Kommunen." Andreas Ibel, Präsident des BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen

Die Zahl der Genehmigungen bei neuen Mehrfamilienhäusern (99.317) und bei Zweifamilienhäusern (12.300) sank in den ersten sieben Monaten 2019 ebenfalls um 4,1 Prozent. Neue Einfamilienhäuser stagnieren bei 53.200, nach einem Plus von 2,3 Prozent im Vergleich der ersten Quartale 2018 und 2019. Die Genehmigungen für neue Wohnheime sind um 32 Prozent auf 4.900 eingebrochen.

Hamburg und Berlin: Drastisches Minus im Geschosswohnungsbau

In den sieben größten deutschen Städten Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, München, Köln und Stuttgart fällt der Rückgang Ibel zufolge noch drastischer aus: Am Beispiel von Hamburg - im vergangenen Jahr Spitzenreiter unter den sieben A-Städten bei den Baufertigstellungen - seien die Baugenehmigungen im Geschosswohnungsbau zwischen Januar und Juli 2019 um satte 36 Prozent eingebrochen.

"Hamburg hat Tempo beim Neubau gemacht, vorhandene Flächen aktiviert und die Verfahren bei begonnenen Bauvorhaben beschleunigt. Der starke Rückgang bei den Baugenehmigungen des ersten Halbjahres zeigt jedoch: Die ausgewiesenen Baulandflächen sind ausgereizt, die Projekte abgearbeitet." Andreas Ibel, BFW-Präsident

Es sei deshalb unabdingbar, dass nun in großem Maßstab neues Bauland für den Wohnungsneubau ausgewiesen werde. In Berlin sind die Genehmigungen im Geschosswohnungsbau in diesem Zeitraum um 13 Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Grundstücke, die in Bauland umgewandelt wurden, habe sich in der Hauptstadt in den vergangenen beiden Jahren halbiert, kritisierte Ibel, dazu komme eine zunehmend investorenfeindliche Stimmung.

ZIA kritisiert Wohnungspolitik der Bundesregierung

Für Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, liegen die Probleme vor allem bei der Wohnungspolitik des Bundes. "Ein Jahr nach dem Wohngipfel bastelt die Politik weiterhin an den Symptomen herum, statt die Probleme beim Schopf zu packen", so Mattner.

"Wo ist die Erhöhung der linearen AfA? Wo ist die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung? Wo sind die Umsetzungen für schnelleres Bauen und Planen – von der Einführung der Typengenehmigung mal abgesehen?" Dr. Andreas Mattner, ZIA-Präsident

Die Politik müsse endlich wirksame Maßnahmen für schnelleren und günstigeren Wohnungsneubau in die Tat umsetzen, ergänzte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Dazu gehörten auch beschleunigte Bauprozesse.

GdW plädiert für mehr Kooperation zwischen Bund, Ländern und Kommunen

Der Beschluss der Bauministerkonferenz, die Typengenehmigung in die Musterbauordnung aufzunehmen, war dem GdW zufolge ein wichtiges Signal, konkrete Taten seien aber bislang ausgeblieben. Laut Gedaschko liegt es jetzt auch an den Ländern, die Richtlinien der Musterbauordnung zügig in die  Landesbauordnungen aufzunehmen. "Bund, Länder und Kommunen müssen ... noch viel stärker an einem Strang ziehen und dürfen nicht weiter wertvolle Zeit verstreichen lassen", so der GdW-Chef.

"Die Genehmigungskapazitäten in den Ämtern müssen erhöht und die Ergebnisse der Baukostensenkungskommission aus der letzten Legislaturperiode umgesetzt werden." Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Die Wohnungswirtschaft benötige eine aktive und vorausschauende Liegenschafts- und Bodenpolitik der Städte und Kommunen ebenso wie interkommunale Lösungen und Stadt-Umland-Kooperationen als neue Ansatzpunkte, so Gedaschko abschließend.


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