Plus 10,8 Prozent: 238.500 genehmigte Wohnungen
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 238.500 Wohnungen genehmigt, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) nach vorläufigen Ergebnissen am 18. Februar mitteilte. Das waren 10,8 Prozent (23.200 Einheiten) mehr als 2024 mit dem niedrigsten Stand seit 2010 und der erste Anstieg seit 2021.
In den Ergebnissen sind die Baugenehmigungen für Neubauwohnungen und für Wohnungen enthalten, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen. Die Zahlen sind ein wichtiger Frühindikator für die künftige Bauaktivität.
Aufschluss über die tatsächliche Entwicklung der Bautätigkeit und des Bauüberhangs – genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Bauvorhaben – gibt die Zahl der gemeldeten Baufertigstellungen, die voraussichtlich am 22.5.2026 veröffentlicht werden.
Aufwärtstrend bei Einfamilienhäusern hält an
Die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau stieg laut Destatis 2025 um 12,6 Prozent (22.100 Einheiten) gegenüber dem Vorjahr auf 198.100. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, stieg deutlich schwächer um 2,7 Prozent (1.000) auf 40.400.
In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden insgesamt 194.200 Wohnungen genehmigt, das waren 13,2 Prozent (22.600) mehr als 2024. In Einfamilienhäusern gab es im Jahresvergleich den stärksten Anstieg mit einem Plus von 17,2 Prozent (6.500) auf 44.500. Bei den Zweifamilienhäusern blieb die Zahl mit 12.600 Wohnungen auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres: Die Bundesbehörde errechnete ein Minus von 1,1 Prozent oder 100 Wohnungen weniger. Zusammen hatten Ein- und Zweifamilienhäuser einen Anteil von 28,8 Prozent bei genehmigten Neubauwohnungen.
Hubertz: Starke Zahlen in Mehrfamilienhäusern
In neuen Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten und vorrangig von Unternehmen errichteten Gebäudeart, genehmigten die Behörden im vergangenen Jahr 128.100 Wohnungen. Das waren 12,1 Prozent (13.900 Einheiten) mehr als im Vorjahr und 64,6 Prozent aller im Jahr 2025 genehmigten Neubauwohnungen. Dieser Anstieg bei den Mehrfamilienhäusern zeigte sich ab der zweiten Jahreshälfte mit einem Plus von 17,8 Prozent.
Insbesondere die starken Zahlen des zweiten Halbjahres unterstreichen laut Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD), dass sich im Wohnungsbau vieles in die richtige Richtung bewegt. "Die Stimmung in der Branche hat sich verbessert und auch die Investitionen steigen. Das ist auch das Ergebnis klarer politischer Entscheidungen."
Sie führte als Beispiele den Bauturbo, den die Regierung 2025 beschlossen hat, die anstehende Novelle des Baugesetzbuchs und die neue Förderung des EH55-Standards zum Abbau des Bauüberhangs an. Damit werde sich der positive Trend auch 2026 fortsetzen.
"In Baugenehmigungen kann man nicht wohnen"
"Die Wohnraumlücke in Deutschland bleibt trotz der Maßnahmen dramatisch. Laut unserem aktuellen Frühjahrsgutachten wurden zwischen 2021 und 2025 bundesweit nur 74 Prozent der erforderlichen Wohnungen fertiggestellt", mahnte Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). "Diese Lücke können wir nur schließen, wenn wir jetzt konsequent strukturell reformieren." Die strukturelle Unterdeckung im Wohnungsbau verschärfe sich sonst weiter. Zwischen 2021 und 2025 lag der durchschnittliche Wohnungsbedarf bei 372.600 Einheiten pro Jahr.
Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverband Deutschland (IVD), sagte: "Der leicht steigende Trend bei den genehmigten Bauanträgen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein erheblicher Teil der Vorhaben sich verzögern oder gar nicht realisiert wird. Und in Baugenehmigungen kann man nicht wohnen." Deutschland trete beim Wohnungsbau strukturell auf der Stelle und befinde sich in einer Dauerkrise.
Die Hürden für Neubau und Modernisierung seien zu hoch: Von Eigenkapitalforderungen über Grunderwerbsteuer bis hin zu komplexen Bauvorschriften und Normen. Es brauche einen echten Neustart: einfachere bauliche Mindeststandards, schnellere Genehmigungsverfahren und eine spürbare Entlastung bei Steuern und Abgaben.
Wohnungswirtschaft fordert bezahlbare Standards
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW bewertet die Entwicklung als wichtiges Signal, mahnt aber ebenfalls zur realistischen Einordnung. "Der Abwärtstrend ist gestoppt, es zeichnet sich eine Stabilisierung ab", sagte Verbandspräsident Axel Gedaschko. "Aber wir dürfen uns nichts vormachen: Gerade in den Großstädten bleibt der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch."
Auch bei sinkenden Bevölkerungsprognosen bleibe der Bedarf angesichts einer wachsenden Zahl von Haushalten und einem veränderten Bedarfsverhalten hoch, wie beispielsweise der Empirica Wohnungsmarktbericht 2026 zeige. Der Bedarf sei weiterhin höher als das, was derzeit realisiert werde, und ein Teil der jetzt genehmigten Projekte stehe noch unter Finanzierungsvorbehalt. Es sei nicht gesichert, dass jede genehmigte Wohnung auch realisiert werde.
Der GdW fordert daher verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen, um den positiven Trend zu verstetigen. "Wir brauchen mehr Tempo, weniger Bürokratie und bezahlbare Standards", so Gedaschko. Nur, wenn Bauen wieder wirtschaftlich darstellbar ist, werden aus Genehmigungen auch Wohnungen."
Wohnungsbau: Mehr Vorhaben von Unternehmen und Privatpersonen
Die Zahl der genehmigten Wohnungen in neuen Wohnheimen stieg den Statistikern zufolge im Jahresvergleich um 34,2 Prozent (2.300) auf 9.100 Einheiten. Und in neuen Nichtwohngebäuden wurden 3.900 Einheiten genehmigt, 10,3 Prozent (400) weniger als 2024. Hierunter fallen zum Beispiel Hausmeisterwohnungen in Schulgebäuden oder Wohnungen in Innenstadtlagen über Gewerbeflächen.
Als Umbaumaßnahme in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden wurden 40.400 Wohnungen von den Behörden gebilligt und damit 2,7 Prozent oder 1.000 Wohnungen mehr als im Jahr 2024.
Rund 95 Prozent der insgesamt 198.100 erteilten Baugenehmigungen für neue Wohnungen entfielen 2025 auf Unternehmen und Privatpersonen: Unternehmen traten bei 108.800 Genehmigungen als Bauherren auf, das waren 14,6 Prozent (13.900) mehr neue Wohnungen als im Vorjahr. Auf Privatpersonen entfielen 79.200 Baugenehmigungen, das waren 14,9 Prozent (10.200) mehr. Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen im Neubau, die auf Bauanträge der öffentlichen Hand zurückgehen, sank hingegen um 23,2 Prozent (2.100) auf 6.900 Einheiten.
Methodische Hinweise
Die Angaben basieren auf den im Januar 2026 bei den Statistischen Ämtern der Länder vorliegenden Meldungen über erteilte Baugenehmigungen. Die Ergebnisse für das Berichtsjahr enthalten auch Nachmeldungen über bereits in der Zeit davor erteilte Genehmigungen, andererseits fließen nicht rechtzeitig eingegangene Meldungen erst in die Ergebnisse des folgenden Berichtsjahrs ein.
Das könnte Sie auch interessieren:
-
Notarvertrag muss 14 Tage vor Beurkundung vorliegen
264
-
Befristetes "Umwandlungsverbot" bis Ende 2030 verlängert
129
-
Mietrenditen-Ranking für Wohnimmobilien: Diese Städte führen
114
-
Immobilienprüfung mit ChatGPT – was ist möglich?
70
-
Provision bei Vorkenntnis des Käufers? Es kommt darauf an!
66
-
Wohnimmobilien unter dem Hammer: Chance für Neukäufer
52
-
Wohnungsverkauf und Vermietung bringen gute Erträge
31
-
Preise für Eigentumswohnungen steigen wieder
281
-
Baunebenkosten in Deutschland am höchsten
21
-
Wo sich Investments in Mietwohnungen rechnen
20
-
Hybrides Arbeiten tut der Büroauslastung gut
10.03.2026
-
Preise für Eigentumswohnungen steigen wieder
05.03.20261
-
Service-Residenzen: Die unterschätzte Chance
02.03.2026
-
Von IVD Junioren zu IVD Reals: Mehr als ein neuer Name
27.02.2026
-
Lohnlücken und Karriereperspektiven
26.02.20261
-
Wo die Jungen und wo Best Ager wohnen wollen
24.02.2026
-
Einzelhandelsmieten steigen mit dem Erlebnis
23.02.2026
-
Wohnungsmarkttrends für Makler und Investoren
19.02.2026
-
Drohende Immobilienblase: die Lage in den Städten
19.02.20262
-
Plus 10,8 Prozent: 238.500 genehmigte Wohnungen
18.02.20261
Bernd Michalski
Fri Oct 25 19:50:56 CEST 2024 Fri Oct 25 19:50:56 CEST 2024
Zurzeit sind ca. 880.000 Baugenehmigungen im Überhang,
Es könnte gebaut werden aber es rechnet sich nicht.
Zuviel Spekulation. Pech gehabt