Genehmigte Wohnungen: Bauüberhang wächst auf zwei Jahre an

Nachdem im August die Zahlen rückläufig waren, haben die Bauämter im September wieder mehr Wohnungen genehmigt. Rund 29.700 neue Einheiten könnten entstehen. Genehmigt ist aber nicht gebaut. Im gegenwärtigen Tempo würde es zwei Jahre dauern, bis der Überhang abgearbeitet ist.

Ende des vergangenen Jahres lag der sogenannte Bauüberhang von genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen auf dem Rekordwert von 740.400 Einheiten, berichtet das Statistische Bundesamt bei Vorlage der aktuellen Baugenehmigungszahlen. Das war der höchste Stand seit 1998. Im gegenwärtigen Tempo würde die Bauwirtschaft mehr als zwei Jahre benötigen, um den Überhang abzuarbeiten, so die Statistiker.

Genehmigungen: Zweifamilienhäuser überholen Mehrfamilienhäuser

Die deutschen Bauämter haben im September den Statistikern zufolge wieder mehr Wohnungen genehmigt als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zum September 2019 stieg die Zahl um 0,9 Prozent auf 29.700. Nach den ersten drei Quartalen 2020 liegt damit die Gesamtzahl um 4,2 Prozent über dem Vergleichswert aus dem Jahr 2019. Im August war die Zahl der genehmigten Wohnungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,4 Prozent auf 31.600 gesunken.

Erfasst sind in den Zahlen die Baugenehmigungen für neue Gebäude und Baumaßnahmen an Bestandsimmobilien. Mit 26.000 Einheiten sollen die meisten der genehmigten Wohnungen in Neubauten entstehen. Das sind insgesamt knapp 800 Wohnungen mehr (plus 3,1 Prozent) als im Vorjahresmonat. Bei den Zweifamilienhäusern stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen um mehr als ein Drittel (34,6 Prozent): das sind 600 Wohnungen mehr als im Jahr zuvor und ist laut Bundesamt überhaupt der höchste Anstieg in einem September in den vergangenen 20 Jahren.

Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stieg um 0,7 Prozent (knapp 100 Wohnungen) und die für Mehrfamilienhäuser nur noch um 0,8 Prozent (rund 100 Wohnungen). Noch im ersten Quartal 2020 waren die meisten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern geplant.

Bauüberhang in Deutschland steigt weiter

Allerdings führen Genehmigungen auch nicht zwangsläufig schnell zu fertiggestellten Wohnungen, schränkt die Statistikbehörde ein. Die Zahl der Baugenehmigungen (also geplante Bauvorhaben) ist ein Frühindikator zur Einschätzung der zukünftigen Bauaktivität. Allerdings nimmt die Zahl der Bauvorhaben, die noch nicht begonnen beziehungsweise noch nicht abgeschlossen wurden (der sogenannte Bauüberhang), seit einigen Jahren zu.

Auch wenn mehr Wohnungen fertiggestellt werden – im Jahr 2019 ermittelten die Statistiker ein Plus von zwei Prozent gegenüber 2018 (293.000 Wohnungen)   reicht es offenbar noch nicht. Die Zahl der Baugenehmigungen war im gleichen Zeitraum um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und lag damit weiterhin deutlich über der Zahl der Baufertigstellungen. Gebaut wurden letztlich 255.900 neue Wohnungen (plus 1,8 Prozent gegenüber 2018). Der Anstieg resultierte vor allem aus der Fertigstellung von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (plus sechs Prozent).

Mehr Wohnungen in Mehrfamilienhäusern in NRW

Die Bauämter in Nordrhein-Westfalen (NRW) haben in den ersten neun Monaten dieses Jahres 11,5 Prozent mehr Wohnungen (45.084) genehmigt, wie zeitgleich das Landesamt für Statistik mitteilt. Davon sollen 39.400 Wohnungen (plus zwölf Prozent) in Neubauten entstehen rund 5.200 (plus 11,4 Prozent) in bestehenden Gebäuden, etwa durch den Ausbau von Dachgeschossen. In gemischt genutzten Gebäuden seien weitere 480 Wohnungen geplant.

Die Zunahme der Baugenehmigungen sei vor allem darauf zurückzuführen, dass mehr Häuser mit drei oder mehr Wohnungen gebaut würden, heißt es in dem Bericht. Bei den Einfamilienhäusern gingen die Genehmigungen um 3,4 Prozent auf 9.572 zurück.

Thüringen: Interesse am Bau von Zwei- und Mehrfamilienhäusern steigt

In Thüringen ist die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen laut Landesamt für Statistik in den ersten neun Monaten 2020 deutlich um 14,1 Prozent 3.484 Wohnungen gestiegen. Bei knapp 40 Prozent der Genehmigungen ging es um Einfamilienhäuser, wobei 1.386 Genehmigungen einen Rückgang um acht Prozent im Vergleichszeitraum bedeuten. Dagegen stieg das Interesse am Bau von Zwei- und Mehrfamilienhäusern.

Auffällig ist laut Statistikbehörde die Entwicklung bei Genehmigungen für Häuser mit drei oder mehr Wohnungen: Hier stieg die Zahl der Genehmigungen um 38,4 Prozent im Vorjahresvergleich.

In Berlin und Brandenburg gehen Anträge auf Baugenehmigungen zurück

Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg sind in den ersten drei Quartalen 2020 deutlich weniger Baugenehmigungen erteilt worden als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Genehmigt wurden laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg etwa 2.482 Wohn- und Nichtwohngebäude – das sind 13,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Anzahl der gemeldeten Wohnungen stieg leicht um 0,6 Prozent auf 15.414.

In Brandenburg meldeten die Behörden etwa 6.870 Genehmigungen für Bauvorhaben im Wohn- und Nichtwohnbau. Das ist ein Rückgang von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Insgesamt sollen 9.353 Wohnungen entstehen – das sind laut Statistikbehörde 16,8 Prozent weniger als zwischen Januar und September 2019. Die Anträge für Baugenehmigungen sind in beiden Bundesländern zurückgegangen. Zu den Gründen äußerten sich die Behörden nicht.


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Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsbau