Baugenehmigungen für Wohnungen steigen stark
Die Baugenehmigungen in Deutschland sind kräftig gestiegen. Im März 2026 wurden in alten und neuen Gebäuden 21.800 Wohnungen bewilligt – 11,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie aus Daten hervorgeht, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am 18. Mai veröffentlicht hat.
Im gesamten ersten Quartal wurde der Bau von 63.500 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 14,6 Prozent mehr als von Januar bis März 2025. Im Neubau zogen die Baugenehmigungen besonders bei Zweifamilienhäusern (plus 23,2 Prozent) und bei Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (14,9 Prozent) an.
Baugenehmigungen nach Gebäudeart
Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen laut Bundesbehörde im Jahresvergleich im Neubau um 8,2 Prozent (plus 1.300 Einheiten) auf 17.600. Die Zahl der genehmigten Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, legte um 28 Prozent (plus 900) auf 4.200 Wohnungen zu.
Von Januar bis März 2026 wurde demnach der Bau von 63.500 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren 14,6 Prozent oder 8.100 Wohnungen mehr als von Januar bis März 2025. In neu zu errichtenden Wohngebäuden wurden im Drei-Monats-Zeitraum 51.700 Wohnungen genehmigt – 14 Prozent (6.300) Neubauwohnungen mehr als im Vorjahreszeitraum.
Dabei stieg die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser um 13,7 Prozent (plus 1.500) auf 12.100. Bei den Zweifamilienhäusern nahm die Zahl genehmigter Wohnungen um 23,2 Prozent (plus 700) auf 3.600 zu. In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 33.100 Neubauwohnungen. Das war ein Anstieg um 14,9 Prozent (plus 4.300) gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohnheimen ging um 3,1 Prozent (100) auf 2.800 Wohnungen zurück. In neuen Nichtwohngebäuden wurden von Januar bis März 2026 insgesamt 1.400 Wohnungen, 73,7 Prozent oder 600 Einheiten mehr genehmigt. Als Umbaumaßnahme in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden waren es 10.500 Wohnungen, 12,3 Prozent (1.200 Wohnungen) mehr.
Wohnungsbaukrise: Höhere Zinsen, gestiegene Inflation
"Die Zahl der neu erteilten Baugenehmigungen im März zeigt, dass die deutsche Bauwirtschaft im ersten Monat des Iran-Kriegs eine robuste Dynamik aufgewiesen hat", sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Allerdings dürfte der Konflikt die Erholung noch spürbar dämpfen.
So seien seit Anfang März die Zinsen auf zehnjährige Immobilienkredite um 0,3 Prozentpunkte gestiegen, was den Wohnungsbau verteuere. Zudem wirke sich die gestiegene Inflation aus. Dullien: "Wenn die Menschen wegen gestiegener Energiepreise weniger Kaufkraft haben, bleibt auch weniger Spielraum zum Bau eines Eigenheims." Mittelfristig dürften außerdem höhere Kraftstoff- und Energiekosten auch die Baukosten steigen lassen.
Schon auf dem aktuellen Niveau der erteilten Baugenehmigungen würden nicht genug Wohnungen gebaut, um eine echte Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erreichen, so der Wissenschaftler.
Die Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator für den Wohnungsbau, der wegen gestiegener Zinsen und Baukosten in der Krise steckt: Was nicht genehmigt wird, wird später nicht gebaut. Vor allem in Ballungsräumen ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Bundesregierung will mit dem Bauturbo gegensteuern und hat Förderprogramme für energieeffizientes Bauen reaktiviert.
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ZIA: Visualisierte Daten zu Baugenehmigungszahlen
"Die Zahlen machen auf den ersten Blick Hoffnung, aber Genehmigungen allein bauen noch keine Wohnungen", erklärte Aygül Özkan. Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Solange hohe Baukosten, regulatorische Unsicherheiten und fehlende wirtschaftliche Perspektiven Investitionen ausbremsten, wird sich die Wohnungskrise nicht auflösen.
Die geplante Novelle des Baugesetzbuchs sei zwar ein wichtiger Schritt, werde aber die Wirkung erst im Jahr 2027 entfalten. "Jetzt kommt es darauf an, alle zur Verfügung stehenden Vereinfachungen für Planung und Bau von Neubauprojekten zu nutzen", so Özkan. "Weitere Verzögerungen können wir uns nicht leisten."
Der Verband hat kürzlich die "ZIA Buildmap – powered by Syte" vorgestellt, die Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland auf Landkreisebene visualisiert. Die Daten der amtlichen Statistik werden gebündelt und vergleichbar dargestellt, um regionale Unterschiede und Engpässe transparent zu machen und eine Datengrundlage für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit bereitzustellen.
"Klar ist: Die Wende im Wohnungsbau wird nicht im Gesetzesblatt entschieden, sondern in den Bauämtern umgesetzt", sagte Özkan weiter. Der Turbo könne helfen, müsse aber konsequent von den Kommunen angewendet werden.
Zur "ZIA Buildmap – powered by Syte"
GdW fordert Kurswechsel in der Wohnungsbaupolitik
Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW weist darauf hin, dass die jetzt genehmigten Projekte überwiegend noch aus einer Phase vor der jüngsten Verschlechterung der Rahmenbedingungen durch steigende Zinsen und höhere Materialkosten stammten.
"Deshalb ist bei der Bewertung der weiteren Entwicklung große Zurückhaltung angebracht. Die Auswirkungen der neuen Lage werden sich erst in den kommenden Monaten in den Genehmigungszahlen widerspiegeln", erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko.
Denn nach Angaben des Ifo-Instituts verschlechtert sich die wirtschaftliche Stimmung im Wohnungsbau massiv. "Die aktuellen Ifo-Zahlen zeigen sehr deutlich: Eine Baugenehmigung bedeutet noch lange keinen Baustart. Viele Unternehmen und Investoren halten sich trotz vorhandener Genehmigungen weiterhin zurück, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu unsicher bleiben", so Gedaschko weiter. Gebaut werde nur dort, wo Projekte wirtschaftlich tragfähig seien. "Genau daran fehlt es vielerorts weiterhin."
Der GdW fordert einen konsequenten Kurswechsel in der Wohnungsbaupolitik. Notwendig seien deutlich schnellere und einfachere Verfahren, ein bundesweit einheitlicher und praxistauglicher Basisstandard nach dem Prinzip "E wie einfach" sowie ein klarer Abwägungsvorrang für den Wohnungsbau in angespannten Märkten.
Und die Förderkulisse müsse langfristig ausgestaltet werden. Das Programm "Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment" (KNN) müsse verlängert und deutlich ausgeweitet werden – dazu brauche es eine wirksame Sonderabschreibung für bezahlbaren Wohnungsbau.
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