Destatis: Baugenehmigungen für Wohnungen deutlich gestiegen

Im vergangenen Jahr ist in Deutschland laut dem Statistischen Bundesamt der Bau von 360.600 Wohnungen genehmigt worden – die meisten in Mehrfamilienhäusern. Nur 2016 gab es seit der Jahrtausendwende ein besseres Ergebnis. Die Zahl der nicht fertiggestellten Wohnungen (Bauüberhang) steigt weiter an.

Die Zahl der Baugenehmigungen – darunter fallen Bewilligungen für Wohnungen in neuen Gebäuden wie auch Baumaßnahmen wie Sanierung und Aufstockung – in Deutschland ist 2019 gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent auf 360.600 gestiegen. Mehr genehmigte Wohnungen gab es seit der Jahrtausendwende nur 2016 mit 375.000, merkt das Statistische Bundesamt (Destatis) an. Im Jahr 2018 waren die Genehmigungen noch leicht um 0,2 Prozent gesunken.

"In diesen von der Corona-Krise geprägten Zeiten ist das ein erfreulicher Rückblick für die Branche", kommentierte Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss, die Zahlen. Im Weiteren ginge es darum, den negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Immobilienwirtschaft mit Maßnahmen wie Kurzarbeiterregelung oder Baubeschleunigungen entgegen zu wirken, um den positiven Trend von 2019 fortzusetzen.

Zuwachs bei Baugenehmigungen in Mehrfamilienhäusern überdurchschnittlich

Bei den Wohnungen in Mehrfamilienhäusern gab es 2019 einen überdurchschnittlichen Zuwachs von 4,6 Prozent – die Genehmigungen stiegen auf 188.500. Das Plus bei den Einfamilienhäusern betrug 1,2 Prozent (91.000) und bei den Zweifamilienhäusern 2,6 Prozent (21.300). Einen großen Rückgang gab es bei Wohnheimen um minus 46 Prozent auf 1.780.

Zum Jahresende 2019 habe es eine Reihe von größeren Bauprojekten gegeben, erklärten die Statistiker. Eine genaue Ursache für den Anstieg lasse sich aber nicht ausmachen. Der Anstieg der Baugenehmigungszahlen stelle einen willkommenen Kontrapunkt angesichts der vorherrschenden Rezessionsängste dar, sagte sagte Jürgen Michael Schick, präsident des Maklerverbands IVD: "Ganz besonders erfreulich ist der Anstieg der Genehmigungen für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern". Gerade Neubau in diesem Segment könne den Druck aus dem Markt nehmen.

ZDB: Baugewerbe von Coronavirus massiv betroffen

Die Zahlenseien leider kein Indiz für die weitere Entwicklung der Baukonjunktur, klagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa. Die aktuelle Entwicklung beim Coronavirus mache auch vor der Bauwirtschaft nicht halt. "Noch können wir nur schwer abschätzen, in welchem Ausmaß die Pandemie die Bauwirtschaft treffen wird", so Pakleppa.

So könnten Aufträge und Investitionen zurückgestellt werden; Bauämter könnten wegen des Virus nur noch schwach oder gar nicht mehr besetzt sein; Menschen, die mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht seien, würden kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben; wenn Bauarbeiter infiziert seien, könnten ganze Kolonnen unter Quarantäne gestellt werden und Bauunternehmen nicht mehr arbeiten – mit entsprechenden Folgen.

"Die Liste der Auswirkungen des Coronavirus auf die Bauwirtschaft ist lang", sagt Pakleppa. Was die Betriebe jetzt am dringendsten brauchten, sei Liquidität zur Absicherung der Produktionsprozesse und Lohnzahlungen. "Umso wichtiger ist es, dass die öffentliche Hand ihre Budgets wie geplant an den Markt bringt und auch die Zahlungen für erbrachte Bauleistungen zügig leistet. Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die in 2019 genehmigten Bauten nach der überstandenen Pandemie realisiert werden", so der ZDB-Chef.

Baustau: Zu wenig genehmigte Wohnungen werden auch tatsächlich gebaut

Die Zahl der Baugenehmigungen, wie sie jetzt das Statistische Bundesamt für 2019 veröffentlicht hat, gibt einen Ausblick darauf, wie viel neue Wohnungen gebaut werden dürften – das ist ein Hinweis auf die künftige Bauaktivität, heißt jedoch nicht, dass diese Wohnungen auch gebaut werden. Den Statistikern zufolge steigt der Bauüberhang, also die Zahl von noch nicht begonnenen oder fertiggestellten Bauvorhaben seit Jahren an.

So gab es etwa im Jahr 2018 rund 693.000 genehmigte, aber nicht gebaute Wohnungen. Errichtet wurden nur 285.900 Wohnungen – das bedeutet eine Stagnation gegenüber dem Vorjahr. Neuere Zahlen liegen dem Bundesamt noch nicht vor: Mehr zum Bauüberhang für 2019 wollen die Wiesbadener Mitte des laufenden Jahres veröffentlichen.Als einen Grund für den Stau am Bau nannten die Statistiker überlastete Handwerker – sie kämen der Flut von Aufträgen nicht mehr hinterher. Gebremst werde der Bau etwa neuer Wohnungen auch durch mangelnde Flächen in Ballungsräumen oder wegen Spekulation mit Grundstücken.

GdW: "Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen"

Ausreichend Wohnraum gilt als entscheidendes Mittel, um den Anstieg der Mieten und Immobilienpreise gerade in Städten zu bremsen. Um die Nachfrage nach Wohnungen in Deutschland zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen entstehen.

Der Aufwärtstrend bei den Baugenehmigungszahlen sei ein positives Zeichen, das Hoffnung geben für die Zukunft des bezahlbaren Wohnraums in Deutschland, sagte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Für einen weiteren Anstieg im jahr 2020 "müssen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam an einem Strang ziehen, um wirksame Maßnahmen für schnelleren und günstigeren Wohnungsneubau in die Tat umzusetzen", so Gedaschko. Er begrüßte die Beschlüsse des Koalitionsausschusses von Anfang März, das Potenzial zu nutzen, um Planungsverfahren zu beschleunigen.


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Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsbau