Statistisches Bundesamt: Baugenehmigungen für Wohnungen

Die Zahl der Genehmigungen für den Wohnungsbau ist zwischen Januar und März 2020 gegenüber dem ersten Quartal 2019 weiter gestiegen, so die Bundesstatistik. In absoluten Zahlen sind die meisten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern geplant. Die Coronakrise macht sich noch nicht bemerkbar.

Wie die Zahlen im zweiten Quartal 2020 aussehen werden, ist noch nicht absehbar. Die ersten einschneidenden Maßnahmen wegen der Corona-Pandemie wurden erst Mitte März getroffen. Bislang ist die Baubranche einer der wenigen Wirtschaftszweige, die von der Krise kaum betroffen sind, so das Statistische Bundesamt. Auf dem Bau in Deutschland stünden die Zeichen vorläufig  weiter auf Wachstum – zumindest was die Genehmigungen von Wohnungen angeht.

Von Januar bis März wurde den Wiesbadener Statistikern zufolge der Neubau oder Umbau von insgesamt rund 78.600 Wohnungen genehmigt – vier Prozent mehr als im Vorjahresquartal. In projektierten Wohngebäuden, darunter auch Wohnheime, alleine waren es knapp 68.300 Wohnungen – 2.500 mehr als im ersten Quartal 2019.

Baugenehmigungen und Planungssicherstellungsgesetz

Die meisten Wohnungen, die in den ersten drei Monaten 2020 genehmigt wurden, sind in Mehrfamilienhäusern geplant: 11,3 Prozent mehr Genehmigungen gab es für Zweifamilienhäuser, bei Häusern mit drei Wohnungen und mehr errechnete das Bundesamt ein Plus von 4,4 Prozent. Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser stieg nur leicht um 0,3 Prozent. In absoluten Zahlen lagen die Mehrfamilienhäuser mit mehr als drei Wohnungen vorne: Genehmigt wurden im ersten Quartal 39.305 Wohnungen, bei den Zweifamilienhäusern waren es nur 5.290 Wohnungen.

"Das verabschiedete Planungssicherstellungsgesetz war ein guter Schritt", kommentierte Dr. Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses ZIA, die aktuellen Zahlen. Um auch für künftige Krisenzeiten besser gerüstet zu sein, sei jedoch ein "Digitalisierungsruck in der deutschen Bauverwaltung für schnellere und effizientere Bauleitplanungs-, Planfeststellungs- und Baugenehmigungsverfahren" nötig. Bundestag und Bundesrat hatten den Gesetzentwurf "zur Sicherstellung ordnungsgemäßer Planungs- und Genehmigungsverfahren während der COVID-19-Pandemie" am 14. Mai beschlossen beziehungsweise ihm zugestimmt. Es tritt in Kraft, sobald es im Bundesgesetzblatt veröffentlicht ist.

Genehmigt ist nicht gebaut: Der Bauüberhang bei den Wohnungen steigt stetig

Die Wiesbadener Statistiker weisen jedoch immer wieder darauf hin, dass Genehmigungen nicht zwangsläufig schnell zu fertiggestellten Wohnungen führen: Die Zahl der nicht begonnenen und nicht abgeschlossenen Bauvorhaben nehme seit einigen Jahren zu.

Eine positive Nachricht dazu kommt vom Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW. Eine Umfrage unter den rund 3.000 Wohnungsunternehmen Ende April hat ergeben, "dass so gut wie alle in Planung befindlichen Neubauvorhaben auch tatsächlich fertiggestellt werden sollen", wie GdW-Präsident Axel Gedaschko sagt. "Die Realisierung auf den Baustellen läuft dabei zumeist noch zufriedenstellend. Gleichwohl sind Bauzeitverzögerungen von einem bis zwei Monaten häufig."

Verzögerungen resultierten derzeit in erster Linie aus den langwierigen Verfahren bei den Bauämtern. "Das Land Berlin hat hier vor Kurzem per Senatsbeschluss die Fristen für die Genehmigungszeiten sogar noch massiv ausgeweitet. Erforderlich wäre dagegen ein digitaler Prozess mit Beschleunigung", fordert Gedaschko. Die Coronakrise wirke bei der Digitalisierung wie ein Katalysator und decke Missstände auf, die zügig behoben werden müssten.

Sorgen um die Auswirkungen der Coronakrise auf die Bauwirtschaft

Dass die Genehmigungen "leider kein Indiz für die weitere Entwicklung der Baukonjunktur" seien, beklagte vor Kurzem auch der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa. Dazu komme die aktuelle Entwicklung der Coronakrise, die auch vor der Bauwirtschaft nicht halt mache. "Noch können wir nur schwer abschätzen, in welchem Ausmaß die Pandemie die Bauwirtschaft treffen wird", so Pakleppa. Die Liste der Auswirkungen des Coronavirus auf die Bauwirtschaft sei lang.

So müssten Aufträge und Investitionen zurückgestellt werden; Bauämter seien wegen des Virus nur noch schwach oder gar nicht mehr besetzt; Menschen, die mit plötzlicher Arbeitslosigkeit bedroht seien, würden kein Haus bauen oder Sanierungsarbeiten in Auftrag geben; wenn Bauarbeiter infiziert seien, könnten ganze Kolonnen unter Quarantäne gestellt werden und Bauunternehmen nicht mehr arbeiten – mit entsprechenden Folgen. "Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die 2019 genehmigten Bauten nach der überstandenen Pandemie realisiert werden", so der ZDB-Chef. Um die Nachfrage nach Wohnungen zu decken, müssen nach Einschätzung von Politik und Bauwirtschaft jährlich 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen entstehen.

Die Zahl der Baugenehmigungen ist nur ein Frühindikator zur Einschätzung der zukünftigen Bauaktivität. Die Ergebnisse zur Entwicklung der tatsächlichen Baufertigstellungen und zum Bauüberhang für 2019 will das Bundesamt Anfang Juni 2020 veröffentlichen. Im vergangenen Jahr wurde der Bau von 360.600 Wohnungen genehmigt – ebenfalls die meisten davon in Mehrfamilienhäusern. Nur 2016 habe es seit der Jahrtausendwende ein besseres Ergebnis gegeben, so die Wiesbadener Statistiker.


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnungsbau