Hohe Kosten und Bürokratie bremsen den Baubeginn
In Deutschland wurden im Februar 2026 deutlich mehr Wohnungen genehmigt als im Februar 2025: Die Zahl stieg um 24,1 Prozent (plus 4.300 Baugenehmigungen) auf 22.200 Einheiten, wie aus Daten hervorgeht, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am 17. April veröffentlicht hat.
Im Zeitraum von Januar bis Februar 2026 wurde der Bau von 41.700 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden genehmigt. Das waren laut Destatis 16,2 Prozent (5.800 Wohnungen) mehr als von Januar bis Februar 2025.
Mehrfamilienhäuser: 18 Prozent mehr Baugenehmigungen
Dabei stieg die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau im Februar 2026 gegenüber Februar 2025 um 30,6 Prozent (plus 4.500) auf 19.000. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, ging um vier Prozent (100 Einheiten) auf 3.200 Einheiten zurück.
In Mehrfamilienhäusern, der zahlenmäßig stärksten Gebäudeart, billigten die Bauaufsichtsbehörden laut Mitteilung der Statistiker 21.900 Neubauwohnungen. Das war ein starkes Plus um 18 Prozent (3.300 Einheiten) gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Die Zahl der Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser legte noch um 14,2 Prozent (1.000) auf 7.800 und bei den Zweifamilienhäusern um 25,8 Prozent (plus 500) auf 2.400 Einheiten zu. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohnheimen stieg Destatis zufolge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,8 Prozent (plus 300) auf 2.400 Einheiten.
In neuen Nichtwohngebäuden wurden von Januar bis Februar 2026 insgesamt 950 Wohnungen (plus 85,6 Prozent beziehungsweise 450 Einheiten) genehmigt. Als Umbaumaßnahme in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden waren es 6.300 Wohnungen (plus 3,9 Prozent oder 200 Wohnungen) mehr als im Vergleichszeitraum.
CDU-Politiker Luczak: Bauturbo wirkt
Baugenehmigungen bedeuteten nicht automatisch mehr Bautätigkeit. Die Bauindustrie hofft zwar auf eine Fortsetzung des positiven Trends im Wohnungsbau, wies aber gleichzeitig auf Gefahren aus dem Iran-Krieg hin. Neben den Zinsen stiegen bereits die Kosten für energieintensive Materialien und Treibstoffe.
"Viele Bauherren nutzen zwar die Möglichkeit, endlich eine Genehmigung zu erlangen. Nach wie vor hohe Kosten, Auflagen und Bürokratie stehen einem tatsächlichen Baubeginn aber nach wie vor entgegen", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB). Die Bundesregierung müsse daher einen weiteren Bauturbo insbesondere zu Finanzierungsfragen auflegen.
Laut Ifo-Institut hat sich im März 2026 die Stimmung im Wohnungsbau verschlechtert. "Die Sorge vor wieder steigenden Zinsen belastet die Erwartungen im Wohnungsbau", sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe. Höhere Finanzierungskosten würden die Ambitionen vieler Haushalte beim Hausbau wieder dämpfen." Im operativen Geschäft zeigen sich hingegen erste Lichtblicke: Die Auftragslage entspannt sich langsam.
Der baupolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jan-Marco Luczak, erklärte: "Der Abwärtstrend beim Wohnungsbau ist gebrochen. Der Bauturbo wirkt. Vertrauen kehrt zurück. Das sind gute Nachrichten." Die Baukosten müssten runter, Bauen sei in Deutschland zu teuer. Hier könne der Gebäudetyp E zum Gamechanger werden.
Immobilienwirtschaft: BauGB-Novelle wird entscheidend
"Die Zahlen sind ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer, aber es bleibt die Frage, wie tragfähig der Aufschwung ist", kommentierte Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) die Destatis-Zahlen.
Die Rahmenbedingungen für Investitionen bleiben fragil. Geopolitische Unsicherheiten, hohe Baukosten und weiterhin teure Energiepreise belasten die Projekte schon in der Planungsphase. Vor diesem Hintergrund rückt die BauGB-Novelle in den Fokus. Der Referentenentwurf setzt aus Sicht des ZIA an wichtigen Punkten an: mehr Tempo in Verfahren, Digitalisierung von Planung und Genehmigung und serielles und modulares Bauen.
"Doch die bisher vorgesehenen Änderungen reichen nicht aus, um die strukturellen Engpässe bei Planung und Genehmigung wirksam zu beseitigen", so Özkan. Der Flaschenhals liege nicht im fehlenden Willen zu bauen, sondern in zu langsamen, zu komplexen und zu unsicheren Verfahren. Mögliche Nachschärfungen:
- Echter Vorrang für den Wohnungsbau.
- Kürzere Fristen und verbindliche Beschleunigung – eine "Fast Lane" bei Bauleitplanverfahren mit einer Halbierung der Fristen.
- Deutlich mehr Flexibilität im Bestand, um schneller um- und weiterbauen zu können.
Wohnungswirtschaft: Mehr "E, wie einfach" und bessere Förderung
"Die Erholung bei den Genehmigungszahlen vom Jahresanfang ist ein positives Signal – sie spiegelt aber den Trend aus der Zeit vor Beginn des Iran-Kriegs wider", erklärte Axel Gedaschko, Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW. Die Regierung müsse mit Blick auf die drohenden Verwerfungen jetzt handeln, damit es beim weiterhin dringend notwendigen Wohnungsbau nicht erneut zu einer Vollbremsung komme.
Auch der GdW fordert einen echten Abwägungsvorrang für den Wohnungsbau und beschleunigte, standardisierte Planungs- und Genehmigungsverfahren. "Zudem muss das Ziel 'E wie einfach' endlich Realität werden", so Gedaschko.
Flankierend dazu sei eine Stärkung der Förderkulisse erforderlich. Das Programm "Klimafreundlicher Neubau im Niedrigpreissegment" (KNN) müsse finanziell verdoppelt und über den 30.6.2026 hinaus verlängert werden. Ergänzend brauche es eine Sonderabschreibung (Sonder-AfA) für Neubauten im EH55-Standard mit zusätzlichem Aufschlag, um Investitionen wieder wirtschaftlich tragfähig zu machen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Gebäudetyp E: rechtliche Einordnung
EH55-Plus-Förderung: das gilt ab März
AfA im Wohnungsbau: Möglichkeiten und Nutzen
Bauturbo – was Projektentwickler ins Spiel bringt
-
Notarvertrag muss 14 Tage vor Beurkundung vorliegen
243
-
Dunkle Wolken über Dubai
142
-
Wo Babyboomer-Häuser den Markt fluten
117
-
Provision bei Vorkenntnis des Käufers? Es kommt darauf an!
75
-
So entwickeln sich die Wohnimmobilienpreise bis 2035
59
-
Befristetes "Umwandlungsverbot" bis Ende 2030 verlängert
50
-
Wohnimmobilien unter dem Hammer: Chance für Neukäufer
40
-
Immobilienprüfung mit ChatGPT – was ist möglich?
39
-
Muster-Widerrufsformular: Risiko für Makler bei Abweichung
27
-
Baunebenkosten in Deutschland am höchsten
24
-
Sorgen um Aufträge im Wohnungsbau
24.04.2026
-
Wohnungsangebot am regulären Mietmarkt schrumpft
20.04.2026
-
Hohe Kosten und Bürokratie bremsen den Baubeginn
20.04.2026
-
Inflation lässt Preise für neue Wohnungen steigen
17.04.2026
-
Wo Eigentumswohnungen wieder an Wert gewinnen
16.04.2026
-
Ferienimmobilien als Kapitalanlage: Die Trends
13.04.2026
-
Nachfrage konzentriert sich auf Bestandsimmobilien
13.04.20261
-
Mieten in Großstädten steigen trotz Preisbremse
13.04.2026
-
Diese Wohnimmobilien sind von Investoren gesucht
10.04.2026
-
Eigenkapitalbedarf variiert je nach Grunderwerbsteuer
10.04.20261