Trendwende beim Wohnungsbau

Baugenehmigungen: Stärkster Anstieg seit zehn Jahren

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland 126.300 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt – 15,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Laut Destatis ist das der stärkste Anstieg seit 2016. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) führt das auf die Regierungspolitik zurück.  

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Die Baugenehmigungen in Deutschland sind weiter gestiegen. Im Juni 2026 wurden 20.200 neue Wohnungen bewilligt – das waren 13,8 Prozent oder 2.600 Einheiten mehr als im Juni 2025, wie aus Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervorgeht.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 126.300 Wohnungen genehmigt, das sind 15,1 Prozent (16.600 Wohnungen) mehr als im ersten Halbjahr 2025 und der stärkste Anstieg seit zehn Jahren (plus 30,4 Prozent im ersten Halbjahr 2016). Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) kommentierte die Zahlen so: "Der Wohnungsbau kommt zurück. Das ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis zielgerichteter Politik." Was sagt die Branche? 

Baugenehmigungen: Neubau und Umbau auf Erholungskurs

Dabei stieg im Juni 2026 die Zahl der genehmigten Wohnungen im Neubau laut Destatis um 14,1 Prozent (plus 2.200) auf 17.800 Einheiten. Die Zahl genehmigter Wohnungen, die durch den Umbau bestehender Gebäude entstehen, legte um 12,1 Prozent (plus 400) auf 3.900 Einheiten zu.

Mit Blick auf das erste Halbjahr 2026 wurden in neu zu errichtenden Gebäuden 103.100 Wohnungen genehmigt – 15,8 Prozent oder 14.100 Neubauwohnungen mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres.

"Der Bauturbo nimmt Fahrt auf, unsere Förderprogramme werden breit angenommen und das Upgrade des Baugesetzbuchs steht in den Startlöchern", betonte Hubertz. Sie räumte aber auch ein, dass die Zahlen von einem niedrigen Niveau kommen – "und wir sind noch längst nicht dort, wo dieses Land beim Wohnungsbau stehen muss." Die Regierung werde nachlegen mit einem massiven Mitteleinsatz für den sozialen Wohnungsbau, dem weiteren Abbau von Bürokratie und der Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft des Bundes für mehr bezahlbaren Wohnraum.

Mehrfamilienhäuser: 67.000 neue Wohnungen genehmigt

In Einfamilienhäusern stieg die Zahl der Baugemehmigungen im ersten Halbjahr um 12,7 Prozent (plus 2.700) auf 24.000, bei den Zweifamilienhäusern um 27,3 Prozent (plus 1.700) auf 7.700 Einheiten. In Mehrfamilienhäusern genehmigten die Bauaufsichtsbehörden 67.000 Neubauwohnungen, das sind 16,9 Prozent (plus 9.700 Einheiten) mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Wohnheimen veränderte sich dagegen mit plus 0,9 Prozent auf 4.400 Wohnungen (plus 40) nur leicht.

In neuen Nichtwohngebäuden wurden insgesamt 2.400 Wohnungen (plus 700) genehmigt, das sind 42,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Darunter fallen etwa Hausmeisterwohnungen in Schulgebäuden oder Wohnungen über Gewerbeflächen.

Als Umbaumaßnahme in bestehenden Wohn- und Nichtwohngebäuden wurden im ersten Halbjahr 2026 laut Destatis 20.800 Wohnungen genehmigt, das waren 9,2 Prozent (1.800 Wohnungen) mehr als im ersten Halbjahr 2025.

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ZIA: Klarheit schaffen mit Gebäudetyp E

"Ein dauerhafter Aufschwung ist damit noch nicht gesichert: Genehmigungen sind ein Frühindikator, keine Baubeginnanzeige", sagt ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan.

Wie drängend die Wohnungsfrage mittlerweile sei, liest Özkan auch an der hohen öffentlichen Aufmerksamkeit ab, die gerade Umwidmungen von Gewerbe zu Wohnen erfahren. "Umnutzung ist ein wichtiger Baustein, aber sie ersetzt den Neubau nicht." Das grundsätzliche Problem der Wohnungsbaukrise werde damit nicht behoben.

Eine nachhaltige Entspannung sei ohne einen deutlichen Anstieg des Wohnungsneubaus nicht erreichbar. Der ZIA fordert von der Politik schnell konkrete Schritte: Neben Klarheit beim Gebäudetyp E seien ein verlässlicher Finanzierungsrahmen, investitionsfreundliche Bedingungen und der konsequente Abbau regulatorischer Kostentreiber notwendig. 

Visualisierte Daten zu Baugenehmigungszahlen

Der Verband hat eine Karte online gestellt, die Wohnungsbaugenehmigungen in Deutschland auf Landkreisebene visualisiert. Die Daten der amtlichen Statistik werden gebündelt und vergleichbar dargestellt, um regionale Unterschiede und Engpässe transparent zu machen und eine Datengrundlage für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit bereitzustellen, wie es beim ZIA heißt.

Zur "ZIA Buildmap – powered by Syte"

IVD mahnt Umsetzung von Pakt für Wohneigentum an

Auch Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), sieht keine Entwarnung. Von den genehmigten Wohnungen werde ein immer geringerer Anteil tatsächlich gebaut. Bei den Fertigstellungen drohe 2026 ein neuer Tiefpunkt.

"Der Bauturbo ist bislang kaum zu spüren, der Gebäudetyp E lässt weiter auf sich warten und die angekündigte Reform der Neubauförderung soll erst 2027 kommen", so Wohltorf. Das dauere alles zu lange, während gleichzeitig das Vermieten weiter reguliert werde.

Besonders wichtig aus IVD-Sicht: Der von Ministerin Hubertz vor acht Wochen angekündigte Pakt für Wohneigentum. Auch hier sei aber immer noch offen, wie daraus konkrete Entlastungen werden sollen. "Drei von vier Bundesbürgern wünschen sich Wohneigentum. Wenn der Staat gleichzeitig eine Grunderwerbsteuer verlangt, die mehrere Monatsgehälter kostet, ist das ein Widerspruch", meint der IVD-Präsident.

Es müsse sich lohnen, Wohnraum zu schaffen. Die Reform der Neubauförderung müsse vorgezogen und Belastungen abgebaut werden, damit aus mehr Genehmigungen wieder mehr gebaute Wohnungen werden.

GdW-Forderungen für Aufschwung auf den Baustellen

In Deutschland werden jährlich rund 320.000 neue Wohnungen benötigt, darunter 100.000 Sozialwohnungen, wie der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW anmerkt. Für 2026 seien aber bundesweit nur noch rund 200.000 Fertigstellungen neuer Wohnungen zu erwarten.

"Viele Projekte sind zwar genehmigt, können unter den aktuellen Bedingungen aber nicht wirtschaftlich umgesetzt werden", so GdW-Präsident Axel Gedaschko. "Aus dringend benötigten Wohnungen werden Schubladenprojekte."

Der Verband erneuerte alte Forderungen: Der Gebäudetyp E soll schnell im Werksvertrags- und Mietrecht verankert, kostentreibender Normen begrenzt und serielles und modulares Bauen vorangetrieben werden. Die EH55-Plus-Förderung müsse über das Jahresende hinaus verstetigt und ausreichend ausgestattet werden. Außerdem müsse der Vorrang für bezahlbaren Wohnungsbau in Planungs- und Genehmigungsverfahren praktisch wirksam, Verfahren konsequent vereinfacht, digitalisiert und beschleunigt sowie Nachverdichtung, Aufstockung und Baulandmobilisierung erleichtert werden.

"Deutschland braucht keinen Aufschwung auf dem Papier, sondern einen Aufschwung auf den Baustellen. Mit Wohnungen, die am Ende auch bezahlbar sind", sagt Gedaschko.
 

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dpa

Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau , Baugenehmigung
1 Kommentar
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Bernd Michalski

vor 6 Tagen

Der Bauüberhang lag Ende 2025 bei 760.700 Wohnungen.

Es könnte gebaut werden. Aber es rechnet sich nicht.

Ein Immobillist, der Wohnungen bauen lässt, will diese durch vermieten oder verkaufen wirtschaftlich ertragreich verwerten. Denn das ist der Sinn dieser Tätigkeit.

Die Immobilisten für das Wohnen sollten nicht weiterhin sektenartig auf die Erleuchtung aus der Bauwirtschaft, sowie aus der Politik warten, bis jemand ein weißes Kaninchen aus dem Hut zaubert, sondern vorausschauend und strategisch denkend Investments eigenständig in disruptive Innovationen der Bau- und Immobilienwirtschaft tätigen.