Bauturbo – was Projektentwickler ins Spiel bringt
Mit dem Bauturbo hat die Bundesregierung im Oktober 2025 den ersten Schritt einer zweiphasigen Baurechtsnovelle umgesetzt. Eine umfassendere Reform des Baugesetzbuchs (BauGB) ist noch für Anfang 2026 geplant.
Periskop Development, eine Tochter der Periskop Partners AG, hat ein Paper veröffentlicht, das die zentralen Elemente des Bauturbos analysiert und in den Kontext weiterer Reformmaßnahmen wie dem Gebäudetyp E, dem Infrastrukturpaket und dem Deutschlandfonds einordnet — und zeigt auf, welche Chancen sich daraus für Investoren, Kommunen und Projektentwickler ergeben.
Bauturbo: Auswirkungen auf den Immobilienmarkt
Persikop erwartet, dass mit dem Bauturbo durch kürzere Planungsphasen und Vorlaufzeiten mehr Projekte genehmigungsfähig und finanzierbar werden, vor allem im Bestand und bei innerstädtischen Flächen. Das verbessert die Kalkulierbarkeit und Renditeerwartung.
Was den Zeithorizont der Bauturbo-Wirkung angeht, heißt es in dem Paper:
- Kurzfristig (zwölf bis 24 Monate): Mehr Genehmigungen und Reaktivierung pausierter Projekte sind realistisch – aber noch keine spürbare Zunahme der Fertigstellungen.
- Mittelfristig (zwei bis fünf Jahre): In aktiven Kommunen dürfte ein spürbarer Angebotszuwachs entstehen, insbesondere durch Nachverdichtung und Umnutzung bestehender Flächen. Das könnte lokal preisdämpfend wirken, aber den Markt insgesamt differenzierter machen.
Besonders attraktive Investmentfelder:
- Nachverdichtung und Umnutzung im Bestand (zum Beispiel über §§ 31 Abs. 3, 34 Abs. 3b, 246e BauGB).
- Mixed-Use- und Wohnkonzepte, die durch öffentliche Infrastrukturmaßnahmen gestützt werden.
- Projekte mit ESG-Profil, die Zugang zu neuen Finanzierungsquellen wie dem Deutschlandfonds erhalten können.
Damit richtet sich laut Persikop der Fokus stärker auf Transformation, innerstädtische Entwicklung und Kooperationen mit Kommunen, die selbst entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die neuen Möglichkeiten nutzen. Projekte mit kurzer Planungsphase, klarer Genehmigungsperspektive und kommunaler Zustimmung werden dann künftig deutlich an Attraktivität gewinnen.
IW-Ökonomen: Bauturbo wirkt nicht ohne Kostensenkungen
Die Krise im Wohnungsbau wird sich nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) noch verschärfen. 2026 könnten nur zirka 215.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Der Bund müsse neben dem Bauturbo weitere Maßnahmen beschließen, um die Kosten im Wohnungsbau zu senken, sagte IW-Experte Ralph Henger im Oktober 2025. Zudem sollten die Städte mehr für den Wohnungsbau tun, "insbesondere beim Flächenmanagement und der Digitalisierung von Baugenehmigungen".
Der Wohnungsbau steckt nach einem Zinsanstieg und wegen hoher Baukosten in der Krise. 2024 wurden so wenige Wohnungen in Deutschland fertiggestellt wie seit 2015 nicht mehr. Die Ampel-Regierung hatte ihr Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen nie erreicht. Die amtierende Bundesregierung will mit dem Bauturbo über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen. Zudem will der Bund Familien mit kleinen und mittleren Einkommen mit besseren Förderbedingungen stärker unterstützen, ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen.
Baukosten: So lässt sich bei neuen Wohnungen sparen
Mehr Wohnungsangebot würde den Markt entlasten – in einer Studie von 2024 hatte das IW Lösungen aufgezeigt, wie Politik und Bauherren die Preise senken oder Preissteigerungen abmildern können.
Dachgeschoss: Ausbau nicht zwingend kosteneffizient
Demnach kosten Wohnungen mit einfacher Ausstattung – etwa mit günstigerem Bodenbelag – laut der IW-Studie rund 7,5 Prozent weniger Miete und 15 Prozent weniger beim Kauf. Der Verzicht auf einen Keller oder ein Gäste-WC spart nochmal bis zu drei Prozent.
Auch Wohnungen in höheren Gebäuden sind in der Regel günstiger: Die Ergebnisse legen nahe, dass beim Mietwohnungsneubau mit acht bis zehn Etagen Preisabschläge von drei bis sieben Prozent gegenüber der Referenz von zwei bis vier Etagen drin sind. Ausgebaute Dachgeschosswohnungen sind wiederum demnach nicht unbedingt kosteneffizient.
Sparmöglichkeiten gibt es auch beim Parken: Wohnungen ohne Stellplatz sind beim Kauf etwa acht Prozent günstiger, zur Miete macht der Stellplatz knapp sechs Prozent Preisunterschied aus. Bei Tiefgaragenparkplätzen liegt der Aufpreis bei bis zu zehn Prozent.
Absolut preisgünstiger: Kleine Wohnungen und kluge Flächen
Generell bietet der Verzicht auf Wohnfläche den IW-Immobilienexperten zufolge den größten Hebel für geringere Kaufpreise und Mieten. Zwar sind kleine Wohnungen in der Regel mit höheren Quadratmeterpreisen verbunden, führen jedoch absolut zu deutlich geringeren Preisen pro Wohneinheit, heißt es.
Eine Option könnte auch darin bestehen, so zu bauen, dass es für Wohngemeinschaften attraktiv wird: insbesondere für junge Menschen im Studium, in der Ausbildung oder während des Berufseinstiegs sowie für Senioren.
Tipps für Bauherren im Überblick:
- Einfachere Ausstattung wählen: Die Studie zeigt, dass Wohnungen mit einfacherer Ausstattung, wie günstigerem Bodenbelag, deutlich preiswerter sind. Bei der Miete lassen sich so rund 7,5 Prozent und beim Kauf bis zu 15 Prozent einsparen.
- Auf Zusatzräume verzichten: Der Verzicht auf Zusatzräume wie Keller oder Gäste-WC kann die Kosten um bis zu drei Prozent senken, so ein Ergebnis der Studie.
- Parkplatzsituation überdenken: Eine Wohnung ohne Stellplatz kann beim Kauf mehr als acht Prozent günstiger sein. Mieter sparen ohne Parkplatz zirka sechs Prozent, das ist besonders in städtischen Gebieten relevant.
- Kleinere Wohnfläche und effiziente Raumplanung in Betracht ziehen: Obwohl kleinere Wohnungen oft höhere Quadratmeterpreise haben, bedeuten sie absolut betrachtet geringere Preise pro Wohneinheit.
Einen weiteren Hebel bietet den IW-Ökonomen zufolge der Preis für Bauland: Würden Kreise und Kommunen hier auf zehn Prozent verzichten, wären Wohnungen zwei Prozent günstiger, in Städten könnte der Preis um ein Prozent sinken. Der Effekt sei nicht zu unterschätzen, gerade in teuren städtischen Lagen bei Mehrfamilienhäusern.
IW-Studie "Optionen für bezahlbaren Neubau" (Download)
Rechtsgutachten: DIN-Normen teuerster Baustandard
Laut einer Studie des Bauforschungsinstituts Arge von 2024 sind die Baukosten in den vergangenen vier Jahren in den deutschen Großstädten um 42 Prozent gestiegen. Ein Grund, dass in Deutschland Hunderttausende Wohnungen fehlen – vor allem bezahlbare.
Auch Komfortstandards verteuern das Bauen. In der Kritik sind etwa DIN-Normen. Sie gelten beim Wohnungsbau fast automatisch als die anerkannten Regeln der Technik (aRdT). Doch die Abkehr von diesem Standard ist derzeit kaum rechtssicher zu vereinbaren.
Dass nicht alle Regelungen notwendig sind, zeigt ein Gutachten des ehemaligen BGH-Richters Stefan Leupertz, das die Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) in Auftrag gegeben hatte. Er kommt zu dem Ergebnis: Es kann im Bauvertragsrecht gelingen, günstiger mit einfacheren Standards zu bauen – und so zu mehr bezahlbaren Wohnungen zu kommen.
Die Reduzierung technischer Anforderungen wäre ohne nennenswerte Einschränkung der Wohnqualität möglich. Der Jurist schlägt gesetzliche Änderungen vor, die es in Bauverträgen möglich machen sollen, mit Verbrauchern einen unter den geltenden aRdT liegenden Ausführungsstandard rechtssicher zu vereinbaren.
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Bernd Michalski
Mon Oct 27 13:52:25 CET 2025 Mon Oct 27 13:52:25 CET 2025
Mehrgeschoss-Wohnungsbau als Lean Construction
Wenn die Ewiggestrigen und Besitzstandswahrer aus der Beton-Fraktion im Wohnungsbau mit der Immobilienverwertung allgemein eine EK-Rendite von weniger als 3% erwirtschaften bzw. erzielen können, ist das kein wirklich erstrebenswertes Resultat.
Eine Alternative im Wohnungsbau wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als
Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit in prozessorientierter Montage möglich.
Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.
Lean Construction im Bauwesen wird von den Protagonisten im Allgemeinen auf Prinzipien des schlanken Managements bei Bauprozessen begrenzt.
Dabei ist die „schlanke Konstruktion“ des Baukörpers ebenso bedeutsam, wenn nicht sogar bedeutsamer, weil es sich durch die Qualität der Materialressourcen-Produktivität unmittelbarer auf die Kosten und damit auf dem Gewinn auswirkt.
Und das ist der Sinn von Wirtschaft und damit auch von Immobilienwirtschaft.
Die provokante Frage von Buckminster Fuller: „Wie viel wiegt Ihr Gebäude, Mr. Foster?“ ist nach wie vor hoch aktuell. Insbesondere zu Zeiten, wo die Ressourcen-Produktivität im Bauwesen eine zunehmende Rolle spielt.
Bernd Michalski
Mon Oct 27 13:50:12 CET 2025 Mon Oct 27 13:50:12 CET 2025
Ende 2024 soll es einen Bauüberhang von 759.700 genehmigten, noch nicht fertiggestellten Wohnungen gegeben haben.
Es könnte gebaut werden aber es rechnet sich nicht.
Es ist keine Frage der Förderprogramme, sondern eine Frage nach der Ineffizienz der Bauwirtschaft. Was nützt das Geld, wenn man dafür nur überteuerte Leistungen bekommt.
Subventionen aus Steuergeldern
Subventionen sind die Belohnung für das Versagen
(Dr. Markus Krall)
Es kann keine zukunftsfähige Lösung sein, wenn beim Wohnungsneubau mit Subventionen, auch geförderter Wohnungsbau genannt, die sogenannte Sozialbindung nach 15 Jahren wegfällt und diese Wohnungen dann zu „Marktmieten“ angeboten werden können.
Vermutlich müssen dann sehr viele Mieter aus finanziellen Gründen ihre Wohnung, sowie ihre damit verbundenen und seit langem bestehenden sozialen Beziehungen, aufgeben.
Die „Immobilisten für das Wohnen“ sollten nicht weiterhin sektenartig auf die Erleuchtung aus der Bauwirtschaft, sowie aus der Politik warten, bis jemand ein weißes Kaninchen aus dem Hut zaubert, sondern vorausschauend und strategisch denkend Investments eigenständig in disruptive Innovationen der Bau- und Immobilienwirtschaft tätigen.