Es fehlt vor allem an Wohnraum im mittleren und niedrigen Mietpreissegment Bild: Haufe Online Redaktion

Der Wettbewerb um knappes Bauland führt zu Preissteigerungen von Grundstücken und bremst den Bau bezahlbarer Wohnungen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesbauministeriums und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). „Die Bereitstellung von Bauland ist der Schlüssel für neue bezahlbare Wohnungen“, sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks. Die Verbändevereinigung BID sieht die Kommunen in der Pflicht.

Das Bonner Beratungsinstitut Quaestio Forschung & Beratung, das mit der BBSR-Studie beauftragt worden war, untersuchte die Neubautätigkeit in Aachen, Dresden, Düsseldorf, Freiburg und Nürnberg und befragte Experten aus Wohnungsunternehmen und kommunalen Verwaltungen.

Der starke Wettbewerb um Baugrundstücke behindert nach Einschätzung der Experten den bezahlbaren Wohnungsneubau erheblich. Daneben verhindern der Studie zufolge komplexe Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie knappe Personalressourcen in den Verwaltungen eine schnelle Reaktion auf die wachsende Nachfrage. Auch bürgerschaftliche und nachbarschaftliche Widerstände bei Neubauprojekten oder Kapazitätsengpässe in Planungsbüros und Bauunternehmen verzögern demnach die Planungs- und Bauzeiten.

„Die neue Baugebietskategorie Urbanes Gebiet schafft wichtige Voraussetzungen“, so Hendricks. Aber auch die Verwaltungen bräuchten mehr Ressourcen für ein aktives Flächenmanagement, das Eigentümer und Investoren systematisch einbeziehe.

Vor allem preisgünstiger Wohnraum wird der Studie zufolge im freifinanzierten Wohnungsbau wegen der hohen Grundstückspreise nur selten geschaffen. Nach Auffassung der Wissenschaftler müssen dort, wo es kaum noch Grundstücke für den Wohnungsbau gibt, auch Maßnahmen der Außenentwicklung geprüft werden. Voraussetzung dafür sei eine engere Stadt-Umland-Kooperation in der Siedlungs- und Verkehrsplanung.

BID sieht Kommunen in der Pflicht

„Die Ausweisung von ausreichend bezahlbarem Bauland ist der Flaschenhals für mehr Neubau“, sagt Andreas Ibel, Vorsitzender der BID Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland BID und Präsident des Bundesverbands der privaten Immobilienwirtschaft BFW. „Dafür sind in erster Linie die Kommunen verantwortlich. Die Grundstücksentwicklung und -vergabe muss vereinfacht und beschleunigt werden“.

Die Grundstücksvergabe dürfe nicht im Höchstpreisverfahren erfolgen, so Ibel. In Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern, in denen der Wohnraummangel überdurchschnittlich hoch ist, liege der Grundstückspreis fünf bis sechs Mal so hoch wie im Durchschnitt in Deutschland.

„Die hohen Grundstückspreise machen es unmöglich, darauf den dringend benötigten Wohnraum im mittleren und niedrigen Mietpreissegment zu errichten“, sagt Ibel.

Bezahlbares Wohnen und Bauen müsse als gesamtgesellschaftliches Thema begriffen werden. Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen habe hierzu einen konkreten Aufgabenkatalog erarbeitet, der dringend umgesetzt werden müsse. Dies gelte insbesondere für die schnelle, unbürokratische Ausweisung von ausreichend Bauland zu bezahlbaren Preisen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnung, Wohnungsbau, Grundstück

Aktuell
Meistgelesen