Wohnungsbau ist nicht mehr Baukonjunktur-Motor

Die Baukonjunktur wird neuerdings vom Wirtschaftsbau dominiert, während die Aufträge für Wohnungen nach jüngsten Daten regelrecht eingebrochen sind. Die Bauindustrie befürchtet, dass sich der Trend mit dem Ende der BEG-Förderung im Neubau noch verschärfen wird.

"Der Wirtschaftsbau scheint den Wohnungsbau als Lokomotive für die Baukonjunktur abgelöst zu haben", sagt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. Während die Nachfrage nach Wohnraum nach jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts im November 2021 stark zurückgegangen sei, habe sich die Auftragslage beim Wirtschaftsbau deutlich verbessert.

"Hier scheinen insbesondere steigende Investitionen der Bahn eine Rolle zu spielen", so Müller. Hinzu komme, dass der Wirtschaftshoch- und tiefbau von der Pandemie doch nicht so stark betroffen war, wie man beim Verband ursprünglich erwartet hatte.

Bauhauptgewerbe: Gutes "Auftragspolster"

Insgesamt verbuchte das Bauhauptgewerbe (Hoch- und Tiefbau) im November 2021 laut den Daten der Statistiker preis- und kalenderbereinigt 7,1 Prozent weniger Aufträge im Vergleich zum Vorjahresmonat. Weil die Baupreise stark gestiegen sind, lag der Auftragseingang  mit rund 7,2 Milliarden Euro nominal aber um 4,7 Prozent über dem Wert von November 2020 – die Baustoffe haben sich zuletzt teilweise erheblich verteuert.

Nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde fällt die Bilanz für die Baubranche aufs Jahr gesehen dennoch positiv aus: Von Januar bis einschließlich November des vergangenen Jahres stiegen die realen Auftragseingänge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent.

"Für das laufende Jahr ist dies ein gutes Auftragspolster", befindet Verbandschef Müller. "Da wir davon ausgehen, dass sich die Lieferengpässe bei Vorprodukten im Laufe des ersten Halbjahres beruhigen werden, sind wir für die Produktion 2022 nach wie vor optimistisch. Wir gehen weiter von einem nominalen Umsatzplus von 5,5 Prozent, real von 1,5 Prozent aus."

Dämpfer beim Wohnungsbau: Woran liegt's?

Nach Angaben der Bauindustrie war der Wirtschaftsbau zuletzt der Treiber für die Baukonjunktur, nicht mehr der Wohnungsbau. Die Baubetriebe hätten für November 2021 ein Orderplus von nominal 11,7 Prozent gemeldet, für den gewerblichen Tiefbau – der von der Bahn dominiert werde – lag das Plus sogar bei 24,8 Prozent. Demgegenüber sei der Auftragseingang im Wohnungsbau um nominal 4,5 Prozent, real sogar um 15,4 Prozent, eingebrochen. Das sei der zweite Rückgang in Folge gewesen.

"Wir führen das zum einen darauf zurück, dass sich insbesondere private Hausbauer aufgrund des deutlichen Anstiegs der Neubaupreise – hervorgerufen durch starke Baumaterialpreissteigerungen – vorerst mit Aufträgen zurückhalten, in der Hoffnung, dass es sich um ein vorübergehendes Phänomen handelt", erklärt Müller. Zum anderen seien die Baugenehmigungen wegen des Auslaufens der Baukindergeld-Förderung Ende März 2021 seit April deutlich schlechter gelaufen.

Angesichts des sofortigen Auslaufens der BEG-Förderung für den energieeffizienten Neubau könnte sich der Rückgang beim Wohnungsbau sogar noch dramatisch verstärken, befürchtet Müller: "Schon in Planung befindliche Projekte werden sich nicht mehr rechnen und somit nicht mehr umgesetzt."


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dpa
Schlagworte zum Thema:  Baugewerbe, Immobilien, Zinsen