Europace: Preise für Häuser und Wohnungen stagnieren

Die Kaufpreise für Wohnimmobilien sind bis zum Ende des Corona-Lockdowns im Juni fast unbeeindruckt weiter durch die Decke gegangen. Seitdem stagnieren die Werte laut Europace. Die zwischenzeitliche Zurückhaltung von Anlegern hat sich gelegt. Auch Mietobjekte stehen wieder auf dem Einkaufszettel.

Im Juni hatte der Finanzierungsexperte Europace einen Blick auf die ersten drei Monate der Coronakrise geworfen und festgestellt, dass ausgerechnet im Lockdown-Zeitraum März bis Ende Mai die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen weiter gestiegen sind. Danach gab es zahlreiche Lockerungen der Corona-Regeln. Ihr Einfluss auf den Wohnimmobilienmarkt scheint antizyklisch zu sein: Für Einfamilienhäuser stieg der durchschnittliche Kaufpreis von Februar bis Ende April noch um etwa fünf Prozent, von Mai bis Ende Juli nur noch um zwei Prozent.

Laut Europace sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen im bundesweiten Durchschnitt seit Jahresbeginn 2020 um zirka drei Prozent gestiegen. Dass die Preise für Eigentumswohnungen unbeeindruckt von der Covid-19-Krise vor allem in den größten deutschen Städten im ersten Halbjahr 2020 weiter in die Höhe gestiegen sind, bestätigt JLL mit Blick auf die acht Top-Wohnungsmärkte Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig: Im Zeitraum Januar bis Ende Juli 2020 errechnete der Immobilienberater im Schnitt eine Zunahme von 9,3 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019.

Temporäre Kaufzurückhaltung bei Wohnungen legt sich allmählich

Der "anhaltende und flächendeckende Trend in der Kaufpreisentwicklung" ließ sich bislang insbesondere auf günstige Finanzierungskonditionen und steigende Renditespreads zu alternativen Investments zurückführen, erklärte Sebastian Grimm, Lead Director Residential Valuation JLL Frankfurt, im Juli. Das sei für Selbstnutzer und für Investoren interessant.

Bestätigt wird das von Europace in der jüngsten Studie zum Einfluss von Corona auf den deutschen Wohnungsmarkt nur bedingt. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibe hoch, es sei jedoch aktuell eine zunehmende Zurückhaltung bei der Kreditvergabe zu erkennen, die weniger mit der Krise direkt zu tun habe, sondern auf einer Verschärfung der Kreditrichtlinien beruhe. Ein Käufer muss letztlich derzeit mehr Eigenkapital aufbringen.

Nachdem während des Lockdowns Häuser gegenüber Wohnungen weitaus lieber gekauft wurden, beobachtet Europace jetzt wiederum, dass sich die Kaufzurückhaltung bei Wohnungen legt. Zwar seien Häuser weiterhin begehrter als Wohnungen, doch diese Entwicklung schwäche sich ab: Der Anteil der Hauskäufe ging zwischen der letzten Corona-Kurzstudie im Juni zum Ende August hin von 77,4 Prozent auf 76,7 Prozent zurück. Zu Beginn des Jahres lag der Wert bei 74,2 Prozent.

Käufer von Wohnimmobilien zur Vermietung trauen sich wieder mehr

Auch Objekte, die ausschließlich zur Vermietung gekauft werden, verzeichnen nach einem Rückgang während der Hochphase der Coronakrise seit den Corona-Lockerungen eine Erholung. Der Anteil gegenüber eigengenutzten Objekten auf der Europace-Plattform wuchs im Verlaufe des Jahres 2019 von 18 Prozent im ersten Quartal auf 22 Prozent im vierten Quartal. den Anstieg begründet Europace ebenfalls mit niedrigen Zinsen und fehlenden Alternativen am Kapitalmarkt.

Vor der Coronakrise hatte dieser Trend auch Anfang 2020 Bestand. Dann ging der Anteil der zur Vermietung erworbenen Wohnimmobilien sukzessive zurück, von 21,7 Prozent auf 20,4 Prozent. Bei den privaten Immobilienanlegern hat sich diese Kaufzurückhaltung Europace zufolge besonders deutlich gezeigt. Mit den Lockerungen beobachtete der Finanzierungs-Vermittler eine leichte Erholung auf 21 Prozent. "Es hat den Anschein, als würde sich die Zurückhaltung beim Erwerb von für Vermietung vorgesehene Objekte langsam auflösen", heißt es in der Kurzstudie.

Nachfrage nach Wohnungen im Umland hält an

Mit der anhaltenden Coronakrise stieg in den vergangenen Monaten merklich die Nachfrage nach Wohnraum im stadtnahen Umland. Home Office, die zunehmende Nachfrage nach einem eigenen Garten sowie die physische Abgrenzung zu den Nachbarn ließen den Anteil der Objekte deutlich steigen. Und laut Europace hält dieser Trend an: Bis in den August hinein blieb der Wert konstant bei etwa 74 Prozent.

In Folge der Coronakrise stieg zwischen Mitte Juni 2020 und Ende August 2020 auch die Wohnungsgröße kontinuierlich an. Europace erklärt das damit, dass Häuser immer noch begehrter seien als Wohnungen: Die ansteigende Wohnfläche ist demnach von Hauskäufen geprägt. Das sei estaunlich, da der verstärkte Trend zum Home Office eigentlich auch zusätzlichen Raum bei Wohnungen erforderlich mache, so Europace. Bei der jüngsten Untersuchung zeigt sich jedoch, dass der Wert im Mittel bis Ende August bei 90 Quadratmetern liegt. Negative Preiseffekte bei kleinen Wohnungen, die einer schwächeren Nachfrage entgegenwirken könnten, stellt Europace nicht fest.


Das könnte Sie auch interessieren:

Homeoffice: Wo der Trend die Wohnungsmärkte entlasten kann

Postbank Wohnatlas: Alt- oder Neubau? Wo sich der Kauf lohnt

Immobilienmarkt: Spielraum für Preissteigerungen wieder ab 2021

Schlagworte zum Thema:  Miete, Wohnungsmarkt, Immobilienpreis