Umfragen: Run auf energetische Sanierung bleibt aus

Die energetische Sanierung einer Immobilie kann sich lohnen. Trotzdem zögern die meisten Eigentümer, wie neue Umfragen zeigen – nicht angepackt oder verschoben werden die Projekte vor allem wegen der hohen Kosten. Eine konsequentere staatliche Förderung wäre unerlässlich, lautet ein Fazit.

Welche Gründe gibt es für energetische Sanierungen und was spricht dagegen? – Diese Frage hat das Maklerhaus Von Poll Immobilien 221 Immobilienexperten des Unternehmens gestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Gerade einmal 18 Prozent der Befragten registrieren derzeit einen Run auf energetische Sanierungen - und mehr als die Hälfte (51,6 Prozent) der Eigentümer setzt die Maßnahmen nur deshalb um, wo die neuen Verordnungen im Klimaschutzgesetz und die Nachrüstpflicht Sanierungen vorschreiben.

Energetische Sanierung als Investition

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist laut Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei Von Poll Immobilien, nicht nur eine lohnenswerte Investition, weil sie den Energieverbrauch deutlich reduzieren und damit die Kosten für Eigentümer senken kann – durch Sanierungsmaßnahmen kann auch der Wert einer Immobilie gesteigert werden. Die höheren Preise, die dadurch bei einem Verkauf erzielt werden können, gaben 45,2 Prozent der Immobilienexperten als Grund an, 35,5 Prozent lockt die Aufsicht auf attraktivere Renditen.

Umso überraschender sei das Ergebnis, dass 82 Prozent der befragten Immobilienexperten derzeit keinen Run auf energetische Sanierungen bei Bestandsimmobilien seitens der Eigentümer registrieren, so Ritter. Dass die Mehrheit aktuell Sanierungsvorhaben gegenüber abgeneigt ist, liegt der Umfrage zufolge insbesondere an den schwierigen Umständen: In fast allen (92,9 Prozent) der Fälle sind Lieferengpässe und die steigenden Kosten Gründe, nicht zu sanieren – bei 87,9 Prozent der Fälle liegt es am Handwerker- und Fachkräftemangel.

Staatliche Fördermittel: Anreiz für Eigentümer

In knapp der Hälfte (44,7 Prozent) der Fälle fehlt schlicht das Geld für eine energetische Sanierung. Immerhin 31,2 Prozent der Immobilienexperten gaben an, dass Eigentümer die Maßnahmen nur aufschieben. Mehr als jeder zehnte (13,5 Prozent) der Eigentümer hat kein Interesse an Umbauten für mehr Energieeffizienz.

"Hinzu kommen steigende Lebenshaltungs- und Energiekosten, weshalb zusätzlich einige Eigentümer Investitionen in Sanierungen zurückstellen", erklärt Ritter: "Sie sind verunsichert und warten eher ab, wie sich die Lage entwickelt." Wenig überraschend sind deshalb die steigenden Energiekosten durch aktuelle Krisen (67,7 Prozent) und die vom Staat zur Verfügung gestellten Fördermittel für knapp zwei Drittel (61,3 Prozent) der Fälle ein großer Anreiz. Die Umfrage fand im Juli 2022 statt.

Auch eine aktuelle Umfrage des Baufinanzierungsanbieters Interhyp zeigt, dass eine verlässliche staatliche Förderung für energetische Sanierungen unabdingbar ist.

Kostenvorteile punkten vor Klimaschutz

Die Motivation zu klimafreundlichen Modernisierungen sei derzeit vorwiegend kostengetrieben, erklärt Jörg Utecht, Vorstandschef (CEO) der Interhyp Gruppe. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der im Juli befragten 2.079 Eigentümer und Mieter sind der Meinung, dass Finanzdienstleister einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten müssen. Etwa mit besseren Kreditkonditionen für energieeffiziente Immobilien (25 Prozent).

Von den Eigentümern plant nur etwa ein Drittel (32 Prozent) aktuell eine Modernisierung. Als Gründe dafür wurde die Unabhängigkeit von hohen Energiepreisen beziehungsweise die Kostenersparnis, die mit einer Sanierung erreicht werden kann (jeweils 39 Prozent), angegeben. Knapp ein Drittel (32 Prozent) hofft, dass der Immobilienwert dadurch steigt. Nur jeder Fünfte (22 Prozent) stellt den Klimaschutz ins Zentrum.

Klimaneutralität? – Es kommt auf die Förderung an

Dass eine staatliche Förderung ein Anreiz für Sanierungen sei, sagten in der Interhyp-Umfrage 33 Prozent der Teilnehmer. Um langfristig Klimaneutralität im Gebäudesektor zu erreichen, finden mehr als drei Viertel (72 Prozent) der Befragten, dass die Art der Subvention "wichtig" oder "sehr wichtig" sei. Nur 14 Prozent halten die Unterstützung vom Bund für irrelevant, weitere 14 Prozent können es nicht beurteilen.

"Dies zeigt erneut, wie kontraproduktiv die einmal mehr sehr kurzfristig angekündigte Einstellung mehrerer Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei den Menschen in Deutschland ankommt", so  Interhyp-CEO Utecht. "Wer Klimaschutz und Wohlstand beim Wohnen fördern will, muss vor allem ein verlässlicher Partner für die Menschen in Deutschland sein."

Staatliche Eingriffe ins private Wohnumfeld unerwünscht

Nahezu die Hälfte (43 Prozent) der Umfrageteilnehmer würde staatliche Maßnahmen für mehr Klimaschutz in Immobilien nicht tolerieren. Knapp ein Viertel (24 Prozent) würde Vorgaben bei der Raumtemperatur hinnehmen, ein Fünftel (19 Prozent) könnte einen definierten Wasserverbrauch pro Person akzeptieren – bei Begrünungspflichten von Dächern und Gärten und Vorgaben zu technischen Einstellungen (jeweils zwölf Prozent), Sanierungspflichten oder zur Verwendung bestimmter Baumaterialien (jeweils elf Prozent) sieht es schon düsterer aus, fasst Utrecht die Ergebnisse zusammen.

"Klimaschutz und CO2-Neutralität stehen auf der medialen Agenda weit oben. Politik und Wirtschaft müssen die Menschen nun auf diese entscheidende Reise mitnehmen", sagt Utecht abschließend.


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