Energieeffizientes Sanieren von Wohngebäuden – der Fahrplan

Heizung, Warmwasser, Kühlung – beim Wohnen wird viel Energie verbraucht, also lässt sich hier auch viel einsparen. Mit ihrer Renovierungsstrategie hat die Bundesregierung einen Fahrplan für die energieeffiziente Gebäudesanierung vorgelegt. Mit Anreizen für Wohnungseigentümer.

Um ihre Energiesparziele im Gebäudebereich zu erreichen, wo der CO2-Ausstoß besonders hoch ist, hat die Bundesregierung eine "langfristige Renovierungsstrategie" (Long Term Renovation Strategy – LTRS) entwickelt, die regelmäßig evaluiert und fortgeschrieben werden soll. Im Rahmen der LTRS sollen alle Mitglieder der Europäischen Union (EU) einen Fahrplan mit Maßnahmen und national festgelegten messbaren Fortschrittsindikatoren zur Erreichung der langfristigen Klimaziele erstellen. Dazu gehört es auch, Wege und Anreize zur energetischen Sanierung des Gebäudebestandes aufzuzeigen.

Deutschland will alleine im Gebäudesektor die Treibhausgas-Emissionen auf 70 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 2030 gesetzlich festlegen das wäre eine Reduzierung um 67 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 (210 Millionen Tonnen CO2). Nach Angaben der Bundesregierung lagen die direkten CO2-Emissionen im deutschen Gebäudesektor im Jahr 2019 bei 122 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten. Das sind 4,4 Prozent mehr als 2018 und 42 Prozent weniger als 1990.

Investitionen im Gebäudebereich mobilisieren was gibt es, was kommt

"CO2-Gebäudesanierungsprogramm" und Marktanreizprogramm (MAP)

Über das CO2-Gebäudesanierungsprogramm und das Marktanreizprogramm (MAP) mobilisieren zinsverbilligte Kredite in Verbindung mit Tilgungs- und Investitionszuschüssen privates Kapital für Investitionen in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien im Gebäudesektor. Im Rahmen des CO2-Programms wurden seit 2006 insgesamt rund 385 Milliarden Euro privater Investitionen generiert, im MAP seit dem Jahr 2000 mehr als 20 Milliarden Euro. Mit der geplanten Überführung der Programme in die neue "Bundesförderung für effiziente Gebäude" (BEG) sollen private Investoren künftig noch zielgerichteter für Maßnahmen zur Gebäudeeffizienz und des Einsatzes erneuerbarer Energien bei der Wärme- und Kälteversorgung animiert werden. Zur Refinanzierung der Darlehen im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms hat die staatliche Förderbank KfW für den Teilbereich "Energieeffizient Bauen" im Jahr 2019 außerdem nachhaltige Anleihen (Green Bonds) emittiert.

Sanierungskonfigurator: Online-Berechnung leicht gemacht

Mit dem Serviceangebot "Sanierungskonfigurator" können sich Eigentümer von Wohngebäuden und Mieter beim Bundeswirtschaftsministerium über Sanierungsmaßnahmen, deren Kosten- und Einsparpotenziale sowie staatliche Förderprogramme informieren. Einfach die Gebäudedaten in das Online-Formular eintippen und nutzerfreundlich aufbereitet eine Antwort bekommen. Das zu sanierende Gebäude ist hinsichtlich der Parameter wie Größe, Grundriss, Baujahr frei konfigurierbar. Seit 2012 hat der Konfigurator etwa 24.000 Berechnungen durchgeführt.

Serielle Sanierung: Wohnungsunternehmen im Fokus

Um den Markt für effiziente, innovative Komplettsanierungen zu bereiten, hat die Deutsche Energieagentur (dena) gemeinsam mit der Bauindustrie und der Immobilienwirtschaft das Projekt "Serielle Sanierung von Mehrfamilienhäusern" gestartet – gefördert vom Wirtschaftsministerium und in Kooperation mit der niederländischen Initiative "Energiesprong". Das Projekt lief zunächst von 2017 bis 2019. In den kommenden drei Jahren soll der Fokus auf den Bestand von Wohnungsunternehmen gerichtet sein. Ziel des Projekts ist es, Wohnungsunternehmen mit Bauunternehmen zu verbinden und Quartiere zu transformieren. Angestrebt ist die gemeinsame Entwicklung von Prototypen. Künftig sollen weitere Gebäudetypen einbezogen werden.

Förderwegweiser Energieeffizienz

Potenzielle Fördernehmer sind häufig nicht über alle Förderangebote informiert, viele Informationen und die Antragstellung werden auch als zu komplex und nutzerunfreundlich wahrgenommen. Als Konsequenz haben das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und die KfW im Januar 2020 das Onlinetool "Förderwegweiser Energieeffizienz" konzipiert. Das Tool führt Privatpersonen, Unternehmen, kommunale und gemeinnützige Einrichtungen durch ein komprimiertes Frage-Antwort-Schema zum passenden Förderprogramm. Geplant ist außerdem ein digitales "One-Stop-Shop"-Angebot, das Adressaten durch die komplette Antragstellung führt.

Initiative Energieeffizienz-Netzwerke

Im Dezember 2014 haben die Bundesregierung und 22 Wirtschaftsverbände die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke (IEEN) gegründet. Bis Ende 2020 sollen insgesamt 500 neue IEEN initiiert werden, die zusammen fünf Millionen Tonnen CO2 einsparen. Die Initiative unterstützt Unternehmen dabei, sich eigenverantwortlich Ziele zu setzen, um Energie effizienter zu nutzen. Das Netzwerk soll mindestens fünf Unternehmen umfassen, die dann einen Zeitraum festlegen, in dem sie ihr Energieeinsparziel erreichen. Auch der Austausch und die gegenseitige Motivation gehören dazu. Seit dem Start der Initiative wurden zirka 270 Netzwerke mit 2.400 Unternehmen registriert. Eine Fortführung der Initiative über 2020 hinaus wird angestrebt.

Kampagne "Deutschland macht’s effizient"

Im Mai 2016 hat das Bundeswirtschaftsministerium die Informationsoffensive "Deutschland macht’s effizient" gestartet. Die Kampagne informiert, sensibilisiert und motiviert zum Mitmachen. Es gibt Informationen über Beratungsangebote und Förderprogramme des Bundes und der Länder.

Beratungsprogramm "Energiespar-Contracting" für Nichtwohngebäude

Im Beratungsprogramm "Energieberatung für Nichtwohngebäude von Kommunen und gemeinnützigen Organisationen" wird ein "Contracting-Check" gefördert: Bis zu 80 Prozent des Nettoberatungshonorars (maximal 2.000 Euro) können geltend gemacht werden. Ein qualifizierter Energieberater prüft, ob und wie sich die in einem (geförderten) Energieaudit oder einer Energieberatung (Sanierungsfahrplan) vorgeschlagenen Maßnahmen durch ein geeignetes Contracting-Modell umsetzen lassen. Eine Weiterentwicklung der Contracting-Förderung wird derzeit geprüft.

  • Die Bundesstelle für Energieeffizienz bietet auf ihrer Internetseite Informationen zu kostenfrei verfügbaren Contracting-Musterverträgen und Leitfäden zum Energiespar-Contracting. Hierunter befinden sich auch Angebote speziell für öffentliche Liegenschaften oder Kommunen.
  • Im Rahmen des Projekts wird eine Plattform zum Thema Energiespar-Contracting zwischen Vertretern aus Bund und Ländern mit jährlichen Plenumstreffen, Workshops, einem Mentoring-Programm und dem Austausch von "Best-Practices" angeboten. Der Aufbau von regionalen Kompetenzzentren wird ebenfalls unterstützt.

Energieaudits für Nicht-KMU

In Deutschland besteht für Nicht-KMU (Kleine und mittelständische Unternehmen) die Pflicht zu einem Energieaudit nach DIN 16247-1. Alternativ können die Firmen ein Energie- oder Umwelt-Managementsystem einführen. Mit der im November 2019 in Kraft getretenen Novellierung wurde eine Online-Meldung Pflicht. Auch die Fortbildung für Energieauditoren und weitere Maßnahmen zur Anhebung der Energieauditqualität sind verpflichtend. Über die Online-Meldung erhalten Unternehmen in Zukunft Hinweise zu passenden Förderprogrammen, Kampagnen und Best-Practice-Beispielen.

ACE – Asset Class Energieeffizienz für Finanzierer

Seit September 2017 erarbeitet die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) gemeinsam mit dem Institut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) der Universität Stuttgart und der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) Standardisierungs- und Bündelungsansätze für Energieeffizienzmaßnahmen. Das Wirtschaftsministerium hat das Projekt über eine Laufzeit von 18 Monaten (September 2017 bis Februar 2019) gefördert. Die Lösungsansätze sind auf die Bedürfnisse von Finanzierern zugeschnitten.

Langfristige Renovierungsstrategie der Bundesregierung (pdf)


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Schlagworte zum Thema:  Energieeffizienz, Klimaschutz, Sanierung, Gebäude