Dena-LCA-Studie

Serielles Sanieren: 81 Prozent weniger CO2 im Lebenszyklus

Serielle Sanierung mit biobasierten Materialien reduziert Treibhausgasemissionen um bis zu 81 Prozent und amortisiert sich klimatisch in zwei bis drei Jahren. Das belegt eine neue Studie zur Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment – LCA) der Deutschen Energie-Agentur (Dena).

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Bis zu 81 Prozent weniger CO2-Emissionen über den gesamten Lebenszyklus: Das ist das Ergebnis einer Pilotstudie zur Lebenszyklusanalyse (LCA) der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Die vergleicht erstmals Treibhausgasemissionen und Kohlenstoffspeicherfähigkeit bei serieller und konventioneller Sanierung.

Grundlage ist ein Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren in Salzgitter, das mit vorgefertigten Holzständerelementen auf den KfW-Effizienzhaus-55-Standard gebracht wird. 

LCA-Studie als Entscheidungsgrundlage

Rund 40 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entfallen direkt oder indirekt auf den Gebäudesektor. Um das gesetzliche Klimaneutralitätsziel 2045 zu erreichen, braucht es skalierbare Sanierungslösungen für den Bestand. Die Dena-Studie liefert auf Basis einer Lebenszyklusanalyse (LCA) eine Entscheidungsgrundlage – insbesondere für Wohnungsunternehmen, die den Bestand klimagerecht modernisieren wollen.

Als Modellprojekt dient ein unsaniertes, viergeschossiges Mehrfamilienhaus aus den 1960er-Jahren, das repräsentativ ist für einen Großteil des sanierungsbedürftigen Wohnungsbestands in Deutschland. Verglichen werden serielle Sanierung mit biobasierten Materialien und konventionelle Sanierung mit Wärmedämmverbundsystem (WDVS) sowie der unsanierte Bestand unter verschiedenen Energieversorgungsoptionen.

Serielle Sanierung schlägt Wärmedämmverbundsystem 

Ein zentrales Ergebnis des Vergleichs lautet: Die serielle Sanierung mit biobasierten Baustoffen ist der konventionellen WDVS-Sanierung in nahezu jeder relevanten Dimension überlegen – ökologisch, wirtschaftlich und zeitlich.

Während die konventionelle WDVS-Sanierung die Treibhausgasemissionen gegenüber dem Bestand um 74 Prozent senkt, erzielt die serielle Sanierung mit biobasierten Materialien 79 Prozent und die optimierte Variante mit Re-Use-Bauteilen 81 Prozent.

Für Portfolioentscheidungen ist laut Studie entscheidend: Der Mehrwert der seriellen Variante entsteht nicht erst im Betrieb, sondern beginnt in der Konstruktionsphase, in der biobasierte Baustoffe als Kohlenstoffsenke wirken und damit einen Zeitvorteil gegenüber energieintensiven Dämmmaterialien wie Mineralwolle oder Styropor bieten.

Fazit für Wohnungsunternehmen

Die Studie widerlegt das Argument, dass der Herstellungsaufwand für Dämmmaterialien die Klimabilanz einer Sanierung belastet. Die graue Energie für Bau und Einbau amortisiert sich durch eingesparte Betriebsenergie in weniger als vier Jahren – im optimierten seriellen Szenario sogar unmittelbar nach Fertigstellung. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet fallen die Konstruktionsemissionen kaum ins Gewicht.

Gegenüber WDVS-Lösungen bietet die serielle Sanierung mit biobasierten Materialien zwei entscheidende Vorteile:

  • Kohlenstoffspeicherung statt Emissionen in der Bauphase: Biobasierte Dämmstoffe (zum Beispiel Holzfaser, Hanf, Stroh) binden während der Wachstumsphase CO2 und wirken damit in der Konstruktionsphase als Kohlenstoffsenke, während WDVS-Materialien wie Mineralwolle oder Styropor bereits bei Herstellung erhebliche Emissionen verursachen.
  • Zeitlicher Klimavorteil: Frühzeitig freigesetzte Treibhausgase entfalten sofort eine Erwärmungswirkung. Die Vermeidung von Emissionen zu Beginn des Lebenszyklus hat damit eine höhere ökologische Priorität als Einsparungen am Lebenszyklusende.

Außerdem ermöglicht die industrielle Vorfertigung im seriellen Verfahren eine Optimierung von Wärmebrücken und senkt die Transmissionswärmeverluste, was den Betriebsenergiebedarf weiter reduziert.

Eine emissionsarme Energiequelle, wie industrielle Abwärme, kann das Klimawirkungspotenzial eines unsanierten Gebäudes zwar um bis zu 89 Prozent senken, die Option ist aber standortgebunden, nicht skalierbar und lässt Energiebedarf und Betriebskosten unverändert hoch. Die Reduktion des Energiebedarfs durch Hüllsanierung bleibt in der Schlussfolgerung der Studienautoren die robustere und wirtschaftlich nachhaltigere Strategie.

Re-Use als Ressourcenstrategie

Die Studie zeigt auch, dass das Optimierungspotenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Schnell nachwachsende Dämmstoffe könnten das Kohlenstoffspeicherpotenzial weiter steigern und die Lebenszyklusemissionen zusätzlich senken. Eine frühe Festlegung auf biobasierte Materialien zahlt sich demnach klimatisch langfristig aus.

Die hochwertige Wiederverwendung von Bauteilen (Re-Use) hält den in Materialien gebundenen Kohlenstoff langfristig im Stoffkreislauf. In Kombination mit biobasierten Baustoffen lässt sich so ein zirkuläres Sanierungsmodell realisieren, das die graue Energie minimiert und Ressourcen schont. Das eröffnet Einsparpotenziale bei Materialkosten und CO2-Bilanz.

Die Studienergebnisse sollen laut Autoren ausdrücklich als Entscheidungsgrundlage für Planungsprozesse, Investitionsentscheidungen und Förderstrategien dienen.

Dena-Studie zur Lebenszyklusanalyse im seriellen Sanieren (Download)

 

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Schlagworte zum Thema:  Energieeffizienz , Gebäudesanierung
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