E-Mobilität: Eigene Förderung für Mehrfamilienhäuser?

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur an Mehrfamilienhäusern kostet viel Geld. Ein Verbändebündnis, darunter der GdW für die Wohnungswirtschaft, fordern von den zuständigen Ministern ein eigenes Förderprogramm, um Immobilieneigentümer und Mieter zu entlasten.

Für ihre ambitionierten Klimaschutzpläne hat die Bundesregierung einen Masterplan: Auch E-Mobilität soll gefördert werden – öffentlich wie privat. Viele Wohnquartiere sind aber noch nicht unter Strom. Die Erstinvestitionsschwelle für den Einbau der Ladesäulen ist hoch.

In einem gemeinsamen Schreiben an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) fordert ein Bündnis aus Wirtschaftsverbänden mehr staatliche Hilfen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in und an Mehrfamilienhäusern mit vermieteten Wohnungen – also mehr Geld für die Installation und Errichtung privater Ladeinfrastruktur.

GdW, VDA und BDEW für mehr private Ladesäulen: "Eigenes Förderprogramm nötig"

Weil die enormen Investitionen nicht von Immobilienbesitzern und Mietern allein getragen werden könnten, sei ein eigenes Förderprogramm nötig, heißt es in einer Mitteilung des Verbands der Automobilindustrie (VDA), des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und des Spitzenverbands der Wohnungswirtschaft GdW. Diese Förderung müsse deutlich über die Anschaffung einer Ladeinrichtung hinausgehen.

VDA, BDEW und GdW haben einen konzeptionellen Vorschlag für ein eigenständiges Förderprogramm erarbeitet und den Bundesministern vorgelegt. Hingewiesen werden die Minister in dem Schreiben – neben rechtlichen und steuerlichen Hemmnissen beim Betrieb von Ladeinfrastrukturen und -einrichtungen durch Wohnungsunternehmen – auch auf technische Probleme beim Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur.

Ladesäulen in der Wohnungswirtschaft: Die drei wesentlichen Problemfelder im Überblick

VDA, BDEW und GdW nennen den Ministern in dem Schreiben drei große Herausforderungen, denen sich die Wohnungswirtschaft beim Ausbau der Ladeinfrastruktur stellen muss:

  1. Bestandsgebäude haben eine elektrische Infrastruktur, die für Anforderungen gebaut wurde, die denen der 1980er-Jahre entspricht. Bei zukünftigen Anforderungen, etwa dem Laden von Elektroautos, dem Betrieb von Photovoltaik-Anlagen oder der Wärmeversorgung mit Wärmepumpen, werden laut VDA, BDEW und GdW diese Anlagen "regelmäßig an ihre Grenzen kommen".
  2. Anders als im Ein- und Zweifamilienhaus-Bereich findet im Mehrfamilienhaus eine gleichzeitige Versorgung von verschiedenen Haushalten statt. Bisher würden die Hausanschlüsse effizient genutzt, "es gibt aber wenig Reserven, wenn sehr viel Strom gleichzeitig benötigt wird". Wenn immer mehr Pkw-Stellflächen mit einer Ladeinfrastruktur ausgestattet werden, führt das zu einem hohen Strombedarf. Die Verbände gehen von einer typischen Ladeleistung von elf Kilowatt (kW) eines E-Autos aus. Zum Vergleich: Ein Elektroherd (eine Herdplatte) benötigt zwischen ein und drei kW, je nachdem, welche Energieeffizienz das jeweilige Gerät hat. Für die zu erwartende hohe Konzentration von Lasten beziehungsweise elektrischen Leistungen wird eine moderne Elektroinstallation notwendig, die Anschluss, Absicherung, Zählerkästen und Kommunikationsinfrastruktur umfasst.
  3. Es sind erhebliche Investitionen in die elektrische Gebäudeinfrastruktur notwendig, um die Energiewende insgesamt umzusetzen, die Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern ist nur ein Teil davon. Dazu kommen hohe Investitionen in die Effizienzsteigerung der Gebäude, in die "Wärmewende", den altersgerechten Umbau und in die Digitalisierung.

Diese enormen Investitionen könnten weder von den Immobilieneigentümern noch von den Mietern vollständig geleistet werden, so die drei Verbände, die bereits im Sommer 2020 einen Appell an die Bundesregierung gerichtet hatten, die private Ladeinfrastruktur als zentralen Hebel für den Markthochlauf der Elektromobilität stärker zu fördern.

E-Mobilität: Was die Bundesregierung bisher tat

In Deutschland sollen bis 2030 insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das Bundeskabinett hat dafür erstmals im November 2019 den "Masterplan Ladeinfrastruktur" beschlossen. Im Konjunkturpaket, das am 3.6.2020 verabschiedet wurde, waren für den Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie die Forschung und Entwicklung bei der Elektromobilität und der Batteriezellfertigung insgesamt zweieinhalb Milliarden Euro Fördermittel veranschlagt. Davon sollten 500 Millionen Euro in die Förderung von privaten und gewerblichen Ladeeinrichtungen fließen. Das war aus Sicht der Verbände zu kurz gegriffen. Die Installation eines Ladepunkts an einem Mehrfamilienhaus koste bereits rund 5.000 Euro, rechneten sie damals vor.

In zwei neuen Gesetzen – dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) und dem Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) – sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einbau von Ladesäulen geregelt.

Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung, Ziele und Maßnahmen für den Ladeinfrastrukturaufbau bis 2030


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Schlagworte zum Thema:  Klimaschutz, Wohnimmobilien, Wohnungswirtschaft