Ladesäulen in Wohnanlagen: Es gibt noch Luft nach oben

Für ihre ambitionierten Klimaschutzpläne hat die Bundesregierung einen Masterplan: Auch E-Mobilität soll gefördert werden – öffentlich wie privat. Viele Wohnquartiere sind aber noch nicht unter Strom. Die Erstinvestitionsschwelle für den Einbau der Ladesäulen ist hoch. Verbände machen jetzt mobil.

In einem gemeinsamen Schreiben sprechen sich der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) für eine stärkere staatliche Förderung aus – also mehr Geld für die Installation und Errichtung privater Ladeinfrastruktur. Insbesondere in Wohnanlagen seien Impulse nötig, um die erhebliche Erstinvestitionsschwelle abzusenken, heißt es in dem Appell an die Bundesregierung. Mit einem Anteil von rund 85 Prozent der Ladevorgänge sei die private Ladeinfrastruktur ein zentraler Hebel für den Markthochlauf der Elektromobilität.

E-Mobilität: Das plant die Bundesregierung

Untätig ist die Bundesregierung nicht. In Deutschland sollen bis 2030 insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen. Das Bundeskabinett hat dafür erstmals im November 2019 den "Masterplan Ladeinfrastruktur" beschlossen. Zusätzlich zum forcierten Auf- und Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur soll es 2020 erstmals 50 Millionen Euro für private Lademöglichkeiten geben.

Im Konjunkturpaket, das am 3. Juni verabschiedet wurde, sind für den Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland sowie die Forschung und Entwicklung bei der Elektromobilität und der Batteriezellfertigung insgesamt zweieinhalb Milliarden Euro Fördermittel veranschlagt. Davon sollen 500 Millionen Euro in die Förderung von privaten und gewerblichen Ladeeinrichtungen fließen. Das reicht aus Sicht der Verbände allerdings nicht. Die Installation eines Ladepunkts an einem Mehrfamilienhaus koste bereits rund 5.000 Euro, rechnen sie vor.

In zwei neuen Gesetzen – dem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetzes (GEIG), das am 4. März vom Kabinett beschlossen wurde, und dem Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG), das der Bundestag im Mai zur weiteren Beratung an den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz überwiesen hat, – sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Einbau von Ladesäulen geregelt. Die Verbände fordern in ihrem gemeinsamen Schreiben, dass die Gesetzgebungsverfahren zügig abgeschlossen und umgesetzt werden, damit Rechtssicherheit herrscht. Dabei sollten unter anderem auch die Auswirkungen auf die Wohnkosten berücksichtigt werden.

GdW, BDEW und VDA: Das empfehlen die Verbände

Die Branchenverbände BDEW, VDA und GdW schlagen neben den politischen Maßnahmen vor, dass Versorger, Netzbetreiber, Immobilienunternehmen und Automobilhersteller an ausgewählten Standorten den bedarfsbezogenen Aufbau von Ladeinfrastruktur in einer gemeinsamen Initiative vorantreiben. Es sei zu erwarten, dass das private Laden in den kommenden Jahren gerade auch in dicht besiedelten urbanen Gebieten an Bedeutung gewinnen werde: Um dem gerecht zu werden, müssten organisatorische und prozessuale Schwierigkeiten beim Laden in Mehrfamilienhäusern gelöst werden. Drei wesentlichen Aktionspunkte haben die Verbände identifiziert. Ein Überblick:

  1. Aktuelle Gesetzgebungsverfahren: Investitionen in Infrastrukturen und Gebäude benötigen stabile und planbare Entwicklungsszenarien. Rahmenbedingungen für den Einbau von Ladesäulen sollen durch die zügige Umsetzung von GEIG und WEMoG geschaffen werden. Bei der Umsetzung sollte auf den erforderlichen Hochlauf, die Praktikabilität und die Belange aller Marktteilnehmer geachtet und die Auswirkungen auf die Wohnkosten berücksichtigt werden.
  2. Förderung privater Ladeinfrastruktur: Als Erweiterung der bestehenden und in Diskussion befindlichen Förderprogramme für die öffentliche Ladeinfrastruktur schlagen die Verbände die Aufnahme eines zusätzlichen Fördertatbestandes (Neubau und Bestand) für die Installation und Errichtung individueller sowie gemeinsam genutzter privater Ladeinfrastruktur in Wohngebäuden und Gewerbeimmobilien (Beschaffung, Installation, Ladesteuerung, Netzintegration) vor. Zum Beispiel in der geplanten Bundesförderung energieeffizienter Gebäude (BEG). Auch weitere Investitionsprogramme im Rahmen des Corona-Konjunkturpakets könnten den Ausbau der Ladeinfrastruktur unterstützen, gerade im Handwerksbereich. Bei Mehrfamilienhäusern ergeben sich wegen der komplexen Einbausituation der höheren Gesamtleistung bei stärker ausgenutzten Hausanschlüssen Kosten in Höhe von zirka 5.000 Euro pro Ladepunkt – hier fehlt Geld.
  3. Gemeinschaftliche Initiative zum Laden am Wohnort: Die Verbände GdW, BDEW und VDA regen ein gemeinschaftliches Umsetzungsprojekt als PPP-Modell an, in dem Versorger, Netzbetreiber, Immobilienfirmen und Automobilhersteller an ausgewählten Standorten den bedarfsbezogenen Aufbau von Ladeinfrastruktur vorantreiben. Ziel sei, Serienlösungen des privaten Ladens in urbanen Wohnsituationen zu entwickeln.

Entwurf "eines Gesetzes zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität" – kurz Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG)

Masterplan Ladeinfrastruktur der Bundesregierung, Ziele und Maßnahmen für den Ladeinfrastrukturaufbau bis 2030


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