Wärmewende beim Wohnen: Es wird zu viel und falsch geheizt

Alte Heizkessel, schlechte Wärmedämmung, zugige Fenster – mehr als zwei Drittel der gesamten Energie beim Wohnen verbrauchen die Deutschen, um Räume zu heizen. Warum ohne eine digitalisierte Wärmewende in Gebäuden die Energiewende in Deutschland utopisch ist, erklärt Techem in einem "Factbook".

Mit dem Handelsblatt Research Institute hat der Energiedienstleister Techem den Status quo zu den Themen Energie, Wohnen und Digitalisierung (wissenschaftliche Fakten) in dem sogenannten Factbook "Digitalisierung der Energiewende" gebündelt. Beispiele technischer und ökonomischer Potenziale (Lösungsvorschläge) für eine Wärmewende in Wohngebäuden ergänzen den Überblick. Eine zentrale Erkenntnis lautet: Private Haushalte verwenden etwa zwei Drittel (64 Prozent) des gesamten Endenergieverbrauchs, um Räume zu heizen. Mit großem Abstand folgen die Erzeugung von Warmwasser (16 Prozent) und sonstige Prozesswärme wie Kochen oder Waschen mit sechs Prozent.

Dass der Anteil der Wärmeenergie beim Wohnen seit 1990 kaum gesunken ist, führen die Autoren der Studie unter anderem darauf zurück, dass die Sanierungsrate bei Wohngebäuden in Deutschland mit weniger als einem Prozent pro Jahr nach wie vor deutlich zu niedrig ist. Dabei sind veraltete Heizungsanlagen ein Grund für den hohen Wärmeenergieverbrauch. Knapp ein Drittel (27 Prozent) der Heizungsanlagen sind 25 Jahre und älter. Das Durchschnittsalter liegt laut der Studie bei 17 Jahren.

Ohne Digitalisierung keine Energiewende

Die Bundesregierung hat erklärt, die Treibhausgas (CO2)-Emissionen in Deutschland bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 reduzieren zu wollen. Einen großen Anteil (35 Prozent) am CO2-Ausstoß hat der Gebäudesektor der ambitionierte Klimaschutzplan sieht deshalb auch vor, dass bis 2030 die CO2-Emissionen im Gebäudesektor um zirka 40 Prozent gesenkt werden müssen.

"Dieses Ziel wird nicht ohne umfassende Maßnahmen auf den Gebieten ganzheitlicher Gebäudesanierung, energieeffizienter Wärmeerzeugung sowie Wärmenutzung in den Gebäuden zu erreichen sein", sagt Matthias Hartmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Techem GmbH. Die notwendigen Maßnahmen seien jedoch ohne eine  beschleunigte Digitalisierung und innovativen Technologien nicht möglich so könne etwa durch Smart Metering das "intelligente Zählen" von Strom auch auf Wärme, Wasser und Gas erweitert werden.

Die Bereitschaft der Deutschen, beim Heizen zu sparen, ist da, heißt es in dem Papier. Bei einer Umfrage gab das jeder dritte Haushalt (30 Prozent) an. In der öffentlichen Debatte wiederum liegt der Fokus überwiegend auf dem Thema Strom, meinen die Autoren. Doch während der Strombereich laut Factbook bereits zu 55 Prozent "grün" ist, sieht die Lage beim Wärmesektor noch trist aus: Energie, die für Heizungen, Warmwasser oder Klimaanlagen benötigt wird, stammt demnach zu rund 85 Prozent aus Kohle, Öl und Gas.

Vernetzte Quartiere, ganzheitliche Energiekonzepte

In dem "Factbook" kommt auch dem Quartiersgedanken eine Rolle zu: "Durch die Vernetzung von Gebäuden mit funkbasierter Messtechnik und Sensorik von der Wohnung bis in den Heizungskeller sind ganzheitliche Energiekonzepte ableitbar", schreibt Hartmann. Moderne digitale Leitstände ermöglichten ein umfassendes Monitoring und eine Steuerung des Energie- und Wärmeverbrauchs, so Hartmann. Bereits heute könnte so der Energieverbrauch gesenkt und die Energieeffizienz verbessert werden und das mit im Vergleich zur Wärmedämmung vergleichsweise niedrigen Investitionen.

"Oberste Priorität im politischen Hausaufgabenheft muss die Ermöglichung der dezentralen Energieerzeugung haben", ergänzt im "Factbook" Axel Gedaschko, Präsident des GdW, Spitzenverband der Wohnungswirtschaft. Nur grün und vor Ort erzeugte sowie anschließend auch dort genutzte Energie mache ein Quartier schließlich klimaschonend. Mehr Klimaschutz beim Wohnen funktioniere jedoch nur mit zukunftsfähigeren Gebäuden – und diese nur mit einem zukunftsfähigeren Rechts- und Fördersystem, lautet die Forderung des GdW.

Factbook "Energiewende in Gebäuden – Bedeutung der Digitalisierung"


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Schlagworte zum Thema:  Heizkosten, Klimaschutz, Sanierung, Wohnimmobilien