Heiz-Studie: Nüchterne CO2-Bilanz in Wohngebäuden Infografik

Mieter in Deutschland haben vergangenes Jahr so wenig geheizt wie seit 2010 nicht mehr. Trotzdem ist die CO2-Bilanz in den Mehrfamilienhäusern ernüchternd, wie eine Studie zeigt. Es hapere bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden – aber auch an Anreizen für mehr Investitionen.

Im "Wärmemonitor 2019", den das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) jährlich auf Basis von Daten des Energiedienstleisters Ista erhebt, sind neben Energiebedarf und Heizkosten erstmals auch die CO2-Emissionen für etwa 300.000 Wohngebäude in der Stichprobe berechnet worden. Obwohl der Heizbedarf erstmals seit 2015 gesunken ist, fällt die Klimabilanz in den Wohngebäuden ernüchternd aus.

CO2-Emissionen: bei weitem nicht so stark gesunken, wie sie müssten

So seien die klimaschädlichen CO2-Emissionen zwar seit 2010 um mehr als ein Viertel (rund 21 Prozent) gesunken – von 29 auf 23 Kilogramm pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche – doch der Rückgang "ist kaum den Anstrengungen bei mehr Gebäudeeffizienz geschuldet", betonte DIW-Forscher Jan Stede. Der niedrigere CO2-Ausstoß ist demzufolge vor allem den wärmeren Wintern in den vergangenen Jahren zu verdanken. Temperatur- und witterungsbereinigt betrage das CO2-Minus in den vergangenen zehn Jahren lediglich 2,6 Prozent, so Stede.

"Schauen wir allein auf den absoluten Rückgang der CO2-Emissionen, trügt der Schein." Jan Stede, Co-Autor DIW-Wärmemonitor

Um die Klimaziele zu erreichen, müsse die CO2-Reduktion beim Wohnen deutlich zunehmen, heißt es in der Studie: Bis 2030 sollten die privaten Haushalte ihre Emissionen auf unter 50 Millionen Tonnen im Jahr senken – zum Vergleich: 2019 waren es 88 Millionen Tonnen. Wer in einem Haus wohne, in dem es ziehe, werde "nun einmal heizen müssen, um nicht im Kalten zu sitzen", so Stede. Insofern müsse vor allem technisch etwas passieren. Damit mehr in energiesparende Häuser investiert wird, könnte ein Anreiz laut DIW bereits die geplante CO2-Bepreisung sein.

Ista-Chef Zinnöcker: "Energetische Sanierung führt nicht automatisch zu weniger CO2"

Klimapolitische Maßnahmen müssten für alle Beteiligten Anreize schaffen, nicht nur für Vermieter, damit sie mehr investieren, sondern auch bei den Mietern, damit sie sparsam verbrauchen, kommentierte Thomas Zinnöcker, CEO von Ista, die Ergebnisse der Studie.

"Die nüchterne Bilanz von zehn Jahren Gebäudesanierung zeigt: Energetische Sanierung führt nicht automatisch zu weniger CO2." Ista-Chef Thomas Zinnöcker

Mehr Ergebnisorientierung, unbürokratische Umsetzung und begleitende Maßnahmen für Verbraucherinnen und Verbraucher könnten nach Auffassung von Zinnöcker den Klimaschutz im Gebäude effektiver machen.

Den DIW-Forschern zufolge war eine Steigerung der Sanierungsrate auf zwei Prozent jährlich geplant. Zuletzt sei es aber nur ein Prozent gewesen. So habe die energetische Sanierung im Jahr 2010 noch ein Drittel der Gesamtmaßnahmen im Gebäudebestand ausgemacht – 2019 war es demnach nur noch ein Viertel.

Grafik Wärmemonitor 2019_DIW

Im Westen wird kräftiger geheizt als in den ostdeutschen Bundesländern

Die Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 2,4 Prozent mehr für das Heizen ausgegeben als 2018. Der Grund: Die abgerechneten Preise für Heizöl- und Erdgas lagen laut DIW um 5,6 Prozent über denen des Vorjahres. Dabei machen die Wissenschaftler große regionale Unterschiede bei den Preisen und beim Heizenergiebedarf aus. Die mittleren Heizenergiepreise lagen im vergangenen Jahr bei sechs Cent pro Kilowattstunde. Am höchsten waren sie im Saarland mit 6,7 Cent, am wenigsten kostete Heizenergie in Hamburg mit 5,5 Cent.

Während von 2003 bis 2015 der Heizenergiebedarf pro Quadratmeter Wohnfläche – klima- und witterungsbereinigt – im Durchschnitt pro Jahr um knapp zwei Prozent gesunken war, stieg er zwischen 2015 und 2018 durchschnittlich wieder um 2,3 Prozent pro Jahr. Im Jahr 2019 ist der Bedarf im Vergleich zum Vorjahr laut DIW erstmals wieder gesunken – um 3,2 Prozent – und liegt demnach nun bei 130 Kilowattstunden pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche. In den westdeutschen Haushalten wurden pro Quadratmeter sieben Prozent mehr Heizenergie verbraucht als in den ostdeutschen. Am höchsten war der Heizenergiebedarf 2019 pro Quadratmeter in den Regionen Schleswig-Holstein Südwest und Ostfriesland, am niedrigsten im mittleren Mecklenburg und in Rostock sowie im Allgäu.

Erfasst sind im DIW-Wärmemonitor 2019 Zwei- und Mehrparteienhäuser – berücksichtigt wurden nur die Abrechnungskosten für Erdgas und Heizöl.


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Schlagworte zum Thema:  Heizkosten, Klimaschutz, Sanierung, Wohnimmobilien