E-Mobilität: Ladesäulen-Mangel in Städten und Ballungsräumen

Die Politik will mehr Elektromobilität, tut aber zu wenig für Ladestationen dort, wo sie dringend nötig werden in den kommenden zehn Jahren – in den dicht besiedelten Wohngegenden Deutschlands. Wichtig sei jetzt eine zielgenaue Förderung, heißt es in einer Studie zum Potenzial von E-Ladesäulen.

Achteinhalb Millionen Elektrofahrzeuge sollen bis zum Jahr 2030 in Deutschland unterwegs sein, will die Politik die Klimavorgaben der Europäischen Union erreichen. Die Autohersteller reagieren bereits darauf. Doch gerade in den dicht besiedelten Ballungsgebieten und Städten, wo viele Menschen in Häusern mit drei oder mehr Wohnungen leben, wird es dann an Stellplätzen mit Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge mangeln, lautet ein Fazit einer neuen Studie, in der die Deutsche Energie-Agentur (Dena) zusammen mit Prognos untersucht hat, wie sich die Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren entwickeln wird.

Das theoretische Potenzial deutschlandweit für Gebäude mit drei Wohnungen oder mehr liegt in den Studienszenarien bis zum Jahr 2030 bei nur 0,45 bis 1,8 Millionen privaten Ladepunkten. Eng werden dürfte es regional bereits Mitte 2020 – vor allem im Raum München, Stuttgart, aber auch Wolfsburg-Braunschweig ist die Nachfrage nach E-Autos groß. Fehlende Ladesäulen könnten zu einem Kaufhemmnis werden "und damit den Markthochlauf der Elektromobilität behindern", heißt es in der Studie. Bis zum Jahr 2030 müssten in dicht besiedelten Wohngebieten alleine 100.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte entstehen. Der Aufbau privater Ladepunkte sei in diesen Gegenden jedoch finanziell unattraktiv oder baulich und rechtlich nicht möglich.

Experten: Förderung auf Gebiete fokussieren, wo hohe Kaufkraft auf dichte Besiedlung trifft

Ein Potenzial von bis zu zwölf Millionen Ladestationen bis 2030 sehen die Studienautoren in den Carports oder Garagen der Ein- und Zweifamilienhäuser. Das würde für alle Elektrofahrzeuge bis 2030 reichen, nützt aber nichts, wenn die Autos dann woanders stehen.

"Ziel sollte es sein, zukünftig einen bedarfsgerechten, möglichst flächendeckenden, jedoch kosteneffizienten und sozial ausgeglichenen Aufbau der Ladeinfrastruktur zu ermöglichen", heißt es in der Studie. In Gebäuden mit drei oder mehr Wohnungen gebe es 22 Millionen Haushalte, in denen rund 37 Millionen Menschen leben – im Jahr 2025 würden rund 2.000 und im Jahr 2030 rund 100.000 Ladepunkte in diesen Gebieten benötigt.

"Wie die neue Studie zeigt, bedarf es gerade für Bewohner in verdichteten Gebieten, die in Mehr-Parteien-Gebäuden leben, eines zügigen Zubaus an öffentlicher Ladeinfrastruktur." Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung

Die Studienautoren sind der Meinung, dass die öffentliche Förderung auf Gebiete konzentriert werden sollte, in denen eine hohe Kaufkraft und damit ein großer Absatz von Elektroautos zu erwarten ist – und wo zugleich das Potenzial für private Steckdosen wegen der dichten Besiedlung gering sei. Bewohner von Wohngebieten ohne privaten Stellplatz seien tendenziell im Nachteil gegenüber Verbrauchern, die ihr Fahrzeug im Eigenheim laden können.

Rechtliche Hürden für den Ausbau von Ladesäulen

Außerdem fordern die Autoren, dass die rechtlichen Hürden für den Ausbau privater Ladesäulen abgebaut werden müssten – im März hatte die Bundesregierung in einem ersten Schritt einen Gesetzentwurf zum Wohnungseigentumsgesetz (WEG) beschlossen, wonach Mieter und Wohnungseigentümer einen Anspruch auf Ladestationen an einem Stellplatz haben sollen oder sich Ladepunkte selbst errichten lassen können.

Auf vermieteten Stellplätzen von Mehrfamilienhäusern sollten der Studie zufolge unbürokratische Möglichkeiten für Mieter geschaffen werden, einen Ladepunkt zu installieren. Eine Lösung sehen Dena und Prognos zudem darin, dass eine Mindestanzahl von Ladepunkten in privat und öffentlich zugänglichen Garagen und Parkhäusern sowie auf (halb-)öffentlichen Parkplätzen verpflichtend werden – für Bestand und Neubau. Auch das müsste gegebenenfalls mit öffentlichen Mitteln gefördert werden.

Dena-Studie "Privates Ladeinfrastrukturpotenzial in Deutschland"


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