Förderung von Wohneigentum: Kommt ein Baukindergeld 2.0?

Das Baukindergeld ist viel in der Kritik – zu teuer und das falsche Instrument, um Wohneigentum zu fördern. Die Subvention läuft sowieso bald aus. Eine vom Bund beauftragte Evaluation weckt aber neue Begehrlichkeiten nach einer Version 2.0: Die soll helfen, die größte Hürde, das Eigenkapital, zu überwinden.

Der Antrag auf Baukindergeld kann erst nach dem Einzug gestellt werden. Das ist noch bis zum 31.12.2023 möglich, allerdings nur für Häuser oder Wohnungen, deren Baugenehmigung zwischen Anfang Januar 2018 und Ende März 2021 erteilt wurde oder deren Kaufvertrag in diesem Zeitraum unterzeichnet wurde. Darauf weist Axel Gutmann, der Ver­bands­di­rek­tor der Bun­des­ge­schäfts­stel­le Lan­des­bau­spar­kas­sen (LBS) hin.

Welchen Einfluss das Baukindergeld auf die Wohneigentumsquote hatte, wurde vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) evaluiert. Außerdem sind die Effekte der Förderung auf die Wohnungsmärkte untersucht worden.

Schon vor Einführung des Baukindergeldes im Jahr 2018 befürchtete laut einer Umfrage im Auftrag des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) etwa die Hälfte der Deutschen, dass nur Haushalte profitieren würden, die sich den Bau oder Kauf einer eigenen Immobilie sowieso leisten könnten. Mit einem Zuschuss von höchstens 12.000 Euro pro Kind wären die teuren Immobilienpreise nicht zu stemmen, hieß es.

Hat das Baukindergeld sein Soll erfüllt?

Die Wohneigentumsförderung kam in erster Linie Familien mit kleinen und mittleren Einkommen zugute, heißt es in dem BBSR-Bericht: Mehr als die Hälfte der geförderten Haushalte verfüge über ein zu versteuerndes Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 60.000 Euro, rund ein Viertel sogar von weniger als 30.000 Euro. Im untersten Einkommensviertel der Geförderten gaben mehr als die Hälfte der für die Evaluation Befragten an, dass die Förderung maßgeblich für ihre Entscheidung war, Wohneigentum zu erwerben.

Auschlaggebend für das Baukindergeld ist das "steuerpflichtige Einkommen": Wenn das zu versteuernde Einkommen im zweiten und dritten Jahr vor Antragsstellung im Schnitt maximal 75.000 Euro beträgt, besteht Anspruch auf Zahlung von Baukindergeld. Mit einem Kind liegt die Grenze bei 90.000 Euro. Entscheidend ist die Anzahl der Kinder bei Antragstellung. Für jedes weitere Kind kommen 15.000 Euro hinzu. Eine Familie mit einem Kind erhält maximal 12.000 Euro Baukindergeld, eine Familie mit drei Kindern 36.000 Euro. Bayern beteiligt sich mit einem Zuschuss von 300 Euro extra pro Jahr und Kind: Um an das "Baukindergeld Plus" zu kommen, muss die Familie zehn Jahre selbst in der Immobilie wohnen.

"Die IWU-Untersuchung räumt nicht nur endgültig mit Vorurteilen und Falschbehauptungen zur Wirkung des Baukindergelds auf, sie bietet auch wertvolle Ansätze für eine Neuausrichtung der Wohneigentumsförderung", sagte LBS-Verbandsdirektor Guthmann. Bereits das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) unter der Leitung von Horst Seehofer (CSU) zog 2019 eine erste positive Zwischenbilanz.

Wohneigentum: Die größte Hürde ist das Eigenkapital

Die Evaluation zeigt, dass der Zuschuss regional sehr unterschiedlich eingesetzt wurde. In ländlicheren und schrumpfenden Regionen waren es zumeist Bestandsimmobilien, die mit Hilfe des Baukindergelds gekauft wurden. Im Umland der Städte war der Neubauanteil am geförderten Wohneigentum mit 31 Prozent im regionalen Vergleich am höchsten.

Laut Evaluation kommen darüber hinaus 21 Prozent der Baukindergeld-Haushalte dank der Förderung auf eine Wohnkostenbelastung von unter 30 Prozent. "Zwar müssen dennoch 32 Prozent der geförderten Familien selbst einschließlich des Baukindergelds mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Zins und Tilgung aufwenden. Ohne die Förderung wäre es aber mehr als die Hälfte", erklärte Guthmann.

Die Studienautoren sehen aber auch Ansätze, wie eine künftige Wohneigentumsförderung die aktuellen Schwierigkeiten beim Immobilienkauf besser adressieren würde. Die größte Hürde ist das Eigenkapital. "Wir könnten uns zum Beispiel vorstellen, dass ein 'Baukindergeld 2.0' direkt als Tilgungszuschuss ausgestaltet wird. Bausparkassen hätten dann die Möglichkeit, die Förderung vorzufinanzieren, was sie praktisch zu Eigenkapital werden lässt", schlug der LBS-Verbandschef vor.

LBS-Verbandschef: "Bundebauministerium am Zug"

Das Baukindergeld wurde rückwirkend zum 1.1.2018 eingeführt und galt zunächst befristet bis Ende 2020. Das BMI gab im September 2020 bekannt, dass die Förderung bis zum 31.3.2021 verlängert wird. Hintergrund war, dass wegen der Corona-Pandemie vielfach die alte Frist für eine Baugenehmigung oder die Unterzeichnung des Kaufvertrages nicht eingehalten werden konnte.

Seit dem 18.9.2018 können Familien oder Alleinerziehende, die ein Haus bauen oder eine Eigentumswohnung kaufen, einen jährlichen Zuschuss in Höhe von 1.200 Euro pro Kind bei der staatlichen Förderbank KfW beantragen. Das Baukindergeld wird zehn Jahre lang bezahlt. Bezuschusst wird nur der Ersterwerb von selbst genutztem Wohneigentum. Außerdem darf die Immobilie nicht von direkten Verwandten gekauft werden, und der Zuschuss kann nur einmal beantragt werden.

Welche konkreten Einkommensgrenzen künftig gezogen werden, ob ein Ballungsraumbonus sinnvoll ist und wie sich eine allgemeine Wohneigentumsförderung mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) verzahnen lässt "Über all das sollten wir nachdenken", so Guthmann. Jetzt sei aber zunächst das Bundesbauministerium am Zug, die im Koalitionsvertrag angekündigten Hilfen zur Steigerung der Wohneigentumsquote einzulösen.

BBSR-Studie "Evaluierung des Baukindergeldes"


Das könnte Sie auch interessieren:

Koalitionsvertrag 2021 aus Immobiliensicht

IW-Studie: Zu wenig Eigentum, zu viel Miete?

Eigentum oder Mietobjekt – was lohnt sich wo?

Der Mythos Wien: Vorbildliche Wohnungspolitik mit Haken

dpa
Schlagworte zum Thema:  Wohnungseigentum, Sonderabschreibung, Kindergeld