Klimaschutzbericht: Gebäudesektor senkt Treibhausgasemissionen

Bis zum Jahr 2050 soll Deutschland klimaneutral sein - inklusive Gebäudebestand. Aktuell ist von diesem Ziel knapp die Hälfte geschafft. Das geht aus dem "Klimaschutzbericht 2019" hervor. Die Bundesregierung sieht den Beitrag des Immobiliensektors zum Erreichen des Langfristziels als essentiell an.

Deutschlands Klimaziele sind gestaffelt: Bis Ende dieses Jahres sollen die Treibhausgasemissionen - bezogen auf die Emissionen des Jahres 1990 - um mindestens 40 Prozent zurückgehen, bis 2030 um 55 Prozent. Für 2050 ist Klimaneutralität geplant. Weil die Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie schwächelt, könnte das erste Etappenziel bis Ende 2020 sogar erreicht werden, obwohl es lange Zeit anders aussah. Die Gesamtzahlen für 2019 zeigen ein Minus an Treibhausgasen von 35,7 Prozent gegenüber 1990, wie aus dem Klimaschutzbericht des Bundesumweltministeriums hervorgeht.

Gebäudesektor liegt bei den erreichten CO2-Einsparungen auf Platz 3

Im Gebäudesektor sind die ausgestoßenen Treibhausgase laut dem Bericht zwar von 2018 auf 2019 um 4,4 Prozent angestiegen. Dies hänge jedoch mit der Witterung zusammen, da in die Zahlen die Heizenergie einfließt. Insgesamt haben sich die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor seit 1990 deutlich reduziert: Ende dieses Jahres werden 85 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente weniger ausgestoßen werden als vor 30 Jahren, dies entspricht einer Reduktion von etwa 40 Prozent. Die Minderungsdynamik habe sich allerdings in den letzten Jahren abgeschwächt, heißt es in dem Bericht.

Dass die Emissionen im Gebäudebereich so stark zurückgegangen sind, liegt vor allem an energetischen Sanierungsmaßnahmen und am Austausch von alten Heizungsanlagen. Insbesondere der Heizölverbrauch geht zurück, während erneuerbare Energien und Fernwärme zunehmen. Als ein wichtiger Bestandteil wird die Kraft-Wärme-Kopplung gesehen. Die hierzu gesteckte Zielmarke für 2020 ist laut Bericht bereits vor vier Jahren erreicht worden. Eine noch größere Reduktion von Treibhausgasen als im Gebäudesektor gab es lediglich in den Bereichen Energiewirtschaft (minus 167 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente zwischen den Jahren 1990 und 2020, minus 36 Prozent ) und Industrie (minus 109 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, knapp 39 Prozent).

Heizung, Warmwasser, Strom, graue Energie

Der Sektor Gebäude umfasst alle Emissionen aus Verbrennungsprozessen in den Haushalten sowie in Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sowie im Militär. In die Zahlen fließen vor allem Treibhausgasemissionen ein, die durch Heizen, Kochen und Warmwasserversorgung entstehen. Die ebenfalls zur Gebäudeversorgung eingesetzte Fernwärme und der verwendete Strom werden indes nicht dem Gebäudesektor, sondern dem Sektor Energiewirtschaft zugeschlagen (so genannte indirekte Emissionen). Treibhausgasemissionen aus der Herstellung, Errichtung und Instandsetzung von Gebäuden („graue Emissionen“) sind dem Sektor Industrie zugeordnet.

Ein Viertel aller Emissionen stammen von Gebäuden

Der Gebäudesektor hatte 2018 einen Anteil an allen ausgestoßenen Treibhausgasen von 13,6 Prozent. Werden auch die indirekten und die grauen Emissionen mitgerechnet, verdoppelt sich dieser Wert - dann ist der Bereich Gebäude für mehr als ein Viertel aller CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. "Der Gesamtbeitrag des Gebäudebereichs zu den Energie- und Klimazielen ist damit essentiell", heißt es im Klimaschutzbericht.

Gesamten Lebenszyklus der Immobilie einbeziehen

Damit der Gebäudebestand wie geplant im Jahr 2050 tatsächlich klimaneutral ist, ist es laut Bericht wichtig, gerade bei Immobilien mit ihrer langen Lebensdauer "frühzeitig und konsequent am Ziel ausgerichtete Wege aufzuzeigen und damit Fehlinvestitionen zu vermeiden." Immer entscheidender werde zur Erreichung der Klimaziele im Immobilienbereich die CO2-Bilanz bei der Errichtung und dem Rückbau der Gebäude - denn im laufenden Betrieb gebe es durch den höheren Einsatz von erneuerbaren Energien im Bereich Heizung und Warmwasser bereits große Einsparungen. Die Bundesregierung will deshalb nachhaltige Bau- und Dämmstoffe stärken. Zudem sollen Instrumente zur besseren Einbeziehung des gesamten Lebenszyklus („Cradle to Grave“ oder „Cradle to Cradle“) von Baumaterialien überprüft und stärker in die Praxis der Bauplanung einbezogen werden. Hohe Energieeinsparpotenziale sieht die Regierung zudem bei Klima- und Lüftungsanlagen.

Forschungsprojekte und Förderprogramme

Um das Langfristziel bis 2050 zu erreichen, fehlten jedoch auch noch jede Menge Basisdaten, heißt es im Klimaschutzbericht. Insbesondere bei Nicht-Wohngebäuden sei das Wissen um die energetische und bautechnische Beschaffenheit des Gebäudebestands "nur in begrenztem Maße vorhanden". Die Bundesregierung hat hierzu deshalb ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Dieses sollte eigentlich im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein. Coronabedingt wurde es jedoch um ein Jahr verlängert.

Im Klimaschutzbericht sind zur Erreichung der Klimaziele zudem eine ganze Reihe Förder-, Beratungs- und Marktanreizprogramme genannt, die die Bundesregierung fortführen oder ausweiten will, um die energieeffiziente Sanierung von Bestandsgebäuden und das Planen von ökologischen Neubauten zu forcieren.


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