KfW-Programm "Jung kauft Alt": Breitere Förderung

Knapp zwei Millionen alte Wohnhäuser stehen leer in Deutschland. Auch weil es bisher oft günstiger war, neu zu bauen, statt aufwändig zu sanieren. Seit September 2024 gibt es das Förderprogramm "Jung kauft Alt", das Familien mit minderjährigen Kindern und kleineren bis mittleren Einkommen beim Wohneigentumserwerb von sanierungsbedürftigen Bestandsgebäuden mit zinsverbilligten Krediten der staatlichen KfW-Bank unterstützt.
Zum 1.1.2025 wurde die Förderrichtlinie angepasst. Ab sofort ist auch der Kauf von sanierungsbedürftigen denkmalgeschützten Häusern möglich. In Deutschland sind rund zehn Prozent des Gebäudebestandes denkmalgeschützt.
KfW-Programm "Jung kauft Alt" (Wohneigentum für Familien – Bestandserwerb)
KfW-Förderung: Wer kann einen Antrag stellen?
Das KfW-Förderprogramm "Jung kauft Alt" richtet sich an Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind, die eine Bestandsimmobilie mit niedrigem Energiestandard erwerben und sich verpflichten, diese energetisch zu sanieren.
Das maximale Haushaltseinkommen darf 90.000 Euro bei einem Kind, zuzüglich 10.000 Euro für jedes weitere Kind, nicht überschreiten.
Die Familie muss ein Haus oder eine Wohnung kaufen und dann auch selbst bewohnen. Es gibt keine Förderung, wenn man ein altes Haus zu einer Ferienwohnung umbaut oder vermietet. Die Zweckbindung gilt für fünf Jahre.
Nicht förderberechtigt sind Personen mit Voreigentum oder die bereits Baukindergeld beziehen oder bezogen haben.
"Jung kauft Alt": Wie viel Geld gibt es?
Für den Kauf einer Bestandsimmobilie können günstige Förderkredite in Anspruch genommen werden, für die das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) Mittel zur Zinsverbilligung bereitgestellt hat.
Bei einem Kind können bis zu 100.000 Euro bei der Hausbank beantragt werden, bei zwei Kindern bis zu 125.000 Euro und ab drei Kindern bis zu 150.000 Euro. Es sind Kreditlaufzeiten ab sieben und bis 35 Jahre möglich. Die Zinsen können je nach Laufzeitvariante für maximal 20 Jahre festgeschrieben werden.
Das Programm "Jung kauft Alt" ist kombinierbar mit dem KfW-Wohneigentumsprogramm (124). Auch eine Kombination mit anderen (Landes-)Förderprogrammen ist grundsätzlich möglich.
Energieeffizienzklasse: Die Voraussetzungen
Die zu erwerbende Wohnimmobilie muss bei Antragstellung gemäß Energiebedarfs- oder verbrauchsausweis in die Energieeffizienzklasse F, G oder H eingestuft sein.
Die Antragsteller verpflichten sich, die erworbene Bestandsimmobilie innerhalb von 54 Monaten ab der Förderzusage energetisch mindestens auf das Niveau eines "Effizienzhauses 70 EE" zu sanieren. Für die Sanierung können zusätzlich zinsgünstige Kredite und Zuschüsse der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) genutzt werden – wie etwa die KfW-Heizungsförderung für den Einbau einer neuen, klimafreundlichen Heizung.
Denkmalgeschützte Gebäude müssen auf das energetische Niveau "Effizienzhaus Denkmal EE" saniert werden. Dabei darf der Primärenergiebedarf pro Jahr maximal 160 Prozent des Wertes betragen, der für ein vergleichbares Referenzgebäude nach dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) gilt.
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Immobilienverband warnt vor überzogenen Erwartungen
Der Immobilienverband Deutschland (IVD) begrüßte nach dem Start des Förderprogramms am 3.9.2024, dass die Bundesregierung mit "Jung kauft Alt" eine Ankündigung beim Wohngipfel 2023 in die Tat umsetzen wollte, äußerte aber auch Kritik.
Es würde der gleiche Fehler wie bei der WEF-Neubauförderung gemacht: Die Einkommensgrenzen und zinsverbilligten Förderdarlehen seien zu niedrig, um die hohen Anforderungen an die Energieeffizienz erfüllen zu können, sagte IVD-Präsident Dirk Wohltorf. Von dem zinsverbilligten Darlehen werde ein Großteil für die vorgeschriebene energetische Sanierung gebraucht – für den Hauskauf selbst bleibe dann nicht mehr viel übrig. Wohltorf schlug vor: "Die Einkommensgrenzen müssen weg. Hauptsache, alte Häuser werden energetisch ertüchtigt und Eigentum gebildet."
Gerade Einfamilienhäuser, die in Deutschland 83 Prozent des Wohngebäudebestandes darstellen, weisen dem Verbandschef zufolge oft eine geringe Energieeffizienz auf. Mit den hoch geschraubten energetischen Anforderungen im Programm "Jung kauft alt" werde der Dreiklang aus Eigentumsförderung, städtebaulicher Steuerung und Klimaschutzeffekten nicht funktionieren. "Am Ende wird man alle drei Ziele verfehlen, weil die Förderung nicht abgerufen wird."
Wohneigentum im Bestand: Hintergrund zur Förderung
Die "Wohneigentumsförderung für Familien" (WEF) gibt es seit dem 1.6.2023 – das Programm wurde zum 1.3.2024 noch einmal verbessert. Unterstützt wird der Kauf von energetisch anspruchsvollem Neubau.
Laut Bundesregierung war die Nachfrage nach dem WEF-Programm seit der Einführung kontinuierlich gestiegen. Es habe sich aber gezeigt, dass auch großer Bedarf an der Förderung von Wohneigentumserwerb im Bestand bestehe. Der Haushaltsausschuss im Bundestag gab die Mittel für "Jung kauft Alt" am 7.8.2024 frei.
"Das Förderprogramm zum Kauf sanierungsbedürftiger Bestandsimmobilien ist gut gestartet", sagte Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) Ende Dezember 2024. Der Kreis förderfähiger Gebäude wurde ab Januar 2025 auf den Erwerb denkmalgeschützte Häuser erweitert, "da viele dieser Gebäude energetisch nicht so saniert werden können, wie es die Vorgaben für nicht denkmalgeschützte Wohngebäude vorsehen", so Geywitz. Insbesondere in ländlichen und dünn besiedelten Regionen könne das dafür sorgen, dass historische Bausubstanz in den Dorfkernen nicht leer stehe.
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