Bebauungsplan in Kraft

München bekommt seine umstrittene Skyline


Visualisierung Zwllingstürme München Areal Paketposthalle

Jetzt ist es offiziell: Zwei neue Hochhäuser werden Münchens Skyline verändern – es sollen mit 155 Metern die höchsten der Stadt werden. Am 30. Juni wurde der Bebauungsplan für das umstrittene Projekt im Amtsblatt veröffentlicht.

Knapp 1.200 Wohnungen sollen nach Angaben der Stadt München in zwei 155 Meter hohen Hochhäusern im Stadtteil Neuhausen entstehen. Am 30.6.2026 wurde der Bebauungsplan für das umstrittene Projekt im Amtsblatt veröffentlicht und trat damit in Kraft, wie das Referat für Stadtplanung und Bauordnung mitteilte.

Der Stadtrat hatte im November 2025 grünes Licht für das Projekt gegeben. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (VGH Bayern) hatte am 19.1.2026 bestätigt, dass das Bürgerbegehren "Hochhausstop", das die Türme verhindert, nicht zulässig ist. Die Entscheidung war endgültig.

Bürgerbegehren: Was der VGH Bayern bemängelt

Vertreter des Bündnisses hatten bei der Stadt Unterschriftenlisten vorgelegt, um die die Bürger über folgende Frage entscheiden zu lassen: "Sind Sie dafür, dass die Stadt München alle rechtlich zulässigen Maßnahmen ergreift, damit in Neuhausen im Umfeld der Paketposthalle kein Hochhaus gebaut wird, das über 60 Meter hoch ist?"

Die Stadt hatte ein Bürgerbegehren zu dieser Frage als unzulässig zurückgewiesen. Ein Eilantrag der Hochhausgegner gegen diese Entscheidung scheiterte im Oktober 2025 am Verwaltungsgericht in München.

Der VGH Bayern hielt die Fragestellung für nicht bestimmt genug, diese dürfe "deshalb nicht Gegenstand eines Bürgerentscheids sein", so die Begründung. Mit einem Bürgerbegehren könnten zwar auch Grundsatzentscheidungen über ein Bauvorhaben abgefragt werden, für die abstimmenden Bürger müsse sich aber bereits aus der Frage ergeben, zu welchen Maßnahmen die Stadt im Falle des Erfolgs eines Bürgerentscheids verpflichtet wäre. Das sei hier nicht der Fall gewesen.  Zudem hätten die Initiatoren in der Frage bewusst nicht erwähnt, dass es für das Vorhaben ein Bebauungsplanverfahren gebe.

Der Stadtrat hatte am 26.11.2025 mit großer Mehrheit den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan des Areals gebilligt.

Hochhausprojekt: Hintergrund des Rechtsstreits

Der Münchner Stadtrat hatte sich im Februar 2025 für das Neubauprojekt ausgesprochen und am 30.4.2025 einen Bürgerentscheid dagegen abgelehnt, mit der Begründung, dieser verstoße gegen die kommunale Planungshoheit. Gegen diese Ablehnung haben die Initiatoren dann zunächst Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht.

Erster Vorsitzender des Vereins ist der CSU-Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper, der auch gegen ein Wohngroßprojekt im Nordosten der Landeshauptstadt kämpft. Das Bündnis wollte die geplanten Doppeltürme auf höchstens 60 Meter eindampfen.

Die geplanten bis zu 155 Meter hohe Zwillingstürmen mit 1.180 Wohnungen und nach Angaben der Stadt 3.000 neuen Arbeitsplätzen sollen in einem komplett neuen Quartier auf einem 8,7 Hektar großen Areal rund um die denkmalgeschützte Paketposthalle am Hirschgarten entstehen. Investor ist die Büschl-Unternehmensgruppe. Ein Entwurf liegt vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron vor.

Hochhausgegner: "Anziehungskraft auf Spekulanten"

München ist traditionell zurückhaltend beim Bau von Hochhäusern. Bislang galt die Maxime, dass Gebäude maximal 100 Meter und damit in etwa so hoch wie die Türme der Frauenkirche, dem Wahrzeichen Münchens, sein dürfen. Dieses Limit geht auf einen hauchdünn gewonnenen Bürgerentscheid aus dem Jahr 2004 zurück, der allerdings nur ein Jahr lang rechtliche Bindung hatte.

Der damalige Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der Hochhäuser einst nicht generell ablehnte, unterstützt die Hochhausgegner. Er kritisiert insbesondere, dass der Stadtrat ohne erneute Anhörung der Bürger die damalige 100-Meter-Grenze ad acta legen will.

"Wir meinen, was die Bürger entschieden haben, dürfen auch nur die Bürger wieder zurücknehmen", betonen die Hochhaus-Gegner. Die geplanten Hochhäsuer wären ein "Dammbruch zur gesichtslosen Hochhausstadt". Die Türme seien weder im Bau noch im Betrieb ökologisch nachhaltig und heizten wegen der Anziehungskraft auf Spekulanten die Preise auf dem umkämpften Wohnungsmarkt weiter an.

München: Alte Diskussion um neue Hochhäuser

Zwei Studien von 1977 und 1995 empfahlen einen zurückhaltenden Umgang, eine neuere Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, wo und wie neue Hochhäuser im Münchner Stadtgebiet denkbar wären.

Im Zuge der jüngsten Hochhausstudie (2023) entschied der Stadtrat, Hochhäuser auf einige Gebiete zu begrenzen und dabei bestimmte Kriterien einzuhalten sowie im Einzelfall zu prüfen. Das nun geplante Neubauprojekt brachte wieder Bewegung in die Debatte. 

Schon jetzt gibt es in München Gebäude, die höher sind als die magischen 100 Meter: Das Hypo-Hochhaus in Bogenhausen von 1981 ist nach Angaben der Stadt 114 Meter hoch, 101 Meter misst das BMW-Hochhaus in Milbertshofen von 1972. Keinen Anstoß erregte der 291 Meter hohe Olympiaturm, der allerdings kein Hochhaus ist. Aus dem Jahr des Bürgerbegehrens 2004 stammen außerdem die 126 und 113 Meter hohen "Highlight Towers" in Schwabing-Freimann.

Ex-OB Ude sagte, die Bürger hätten sich 2004 gegen den Bau solcher Hochhäuser entschieden. Dass der Stadtrat sich davon verabschiedet und nun auch noch eine erneute Entscheidung der Bürger abgelehnt habe sei eine "dreiste Bevormundung der Münchner Bürger - Gerichtsurteile hin oder her".

 

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dpa

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