EZB lässt Leitzins bei 4,5 Prozent: Baukredite bleiben teuer

Die Europäischen Zentralbank (EZB) lässt nach zehn Erhöhungen in Folge den Leitzins bei 4,5 Prozent. Immobilienkredite dürften sich weiter verteuern – Experten raten trotzdem zum Kauf.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf seiner jüngsten Sitzung am 26.10.2023 erstmals seit Juli 2022 nicht weiter angehoben. Er bleibt zunächst unverändert weiter bei 4,5 Prozent. Der Einlagenzins, den Banken für geparkte Gelder erhalten, verharrt bei vier Prozent. Dies ist das höchste Niveau seit Bestehen der Währungsunion 1999.

Baukredite: Fünf-Prozent-Marke rückt in Reichweite

Die Pause im Zinszyklus war nach den Äußerungen von EZB-Chefin Christine Lagarde im Vorfeld erwartet worden. Die Inflation hatte sich in der Eurozone zuletzt deutlich abgeschwächt, während die Turbulenzen an den Kapitalmärkten zunehmen – "Die immer höheren Renditen an den Bondmärkten finden ihre Übersetzung meist erst mit leichter Verzögerung bei den Bauzinsen, die im vergangenen Halbjahr weiter deutlich von weniger als vier Prozent auf nunmehr etwa 4,5 Prozent angezogen haben", schreibt Tomas Peeters, Vorstandsvorsitzender der Baufi24 Baufinanzierung AG und CEO der Bilthouse-Gruppe, im aktuellen Zinskommentar.

Die Fünf-Prozent-Marke bei den Kreditzinsen rückt laut Peeters gerade bei langlaufenden Finanzierungen mit hohem Beleihungswert in Reichweite. "Higher for longer" lautet die geldpolitische Entwicklung des Jahres, auf die er bereits in den vergangenen Kommentaren hingewiesen hat.

Immobilienkauf: Warten oder zuschlagen?

Für potenzielle Immobilienkäufer gilt dem Experten zufolge: Warten lohnt eher nicht, der Eigenheimerwerb werde eher noch teurer. Für den Kauf spreche derzeit, dass sich der Abwärtstrend der Immobilienpreise noch einmal rasant beschleunigen wird: Wie das Statistische Bundesamt vor einigen Wochen mitteilte, sind die Preise für Wohnimmobilien (Häuserpreisindex) in der Bundesrepublik im zweiten Quartal 2023 um durchschnittlich knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal 2022 gesunken – gerade in den Metropolen sind die Preise für Eigentumswohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser deutlich gefallen.

Zu andere stehen neue Fördermittel bereit: Das KfW-Programm "Wohneigentum für Familien" (WEF) ging am 16. Oktober mit mit verbesserten Konditionen an den Start: Die Einkommensgrenze und die Kredithöchstbeträge wurden erhöht. "Die Chancen auf Eigentum sind also auch in herausfordernden Zeiten weiter gegeben", so Peeters.

EZB-Geldpolitik: Pause nach zehn Zinserhöhungen in Folge

Am 21.7.2022 hatte der EZB-Rat erstmals nach elf Jahren die Zinsen im Euroraum wieder angehoben: von null auf 0,5 Prozent. Die zweite Erhöhung folgte am 8.9.2022 – erstmals in der Geschichte der Notenbank um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Am 27.10.2022 wurde die dritte Zinserhöhung von 1,25 auf zwei Prozent (erneut 0,75 Prozentpunkte) verkündet. Die vierte Zinsanhebung lag noch bei plus 0,5 Punkten und wirkte zum 21.12.2022: Es ging auf 2,5 Prozent nach oben. Am 8.2.2023 folgte mit der fünften Anhebung die zweite 0,5-Prozent-Punkte-Steigerung.

In der sechsten Runde am 16.3.2023 ging es noch um einen halben Prozentpunkt hoch. Die siebte EZB-Leitzinserhöhung gab es am 4.5.2023 um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 Prozent. Am 15.6.2023 beschloss der EZB-Rat die Anhebung des Leitzinses erneut um 0,25 Prozentpunkte auf dann vier Prozent. Bei der Sitzung am 27.7.2023 beschloss eine neunte Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent. Nach der zehnten Zinserhöhung in Folge auf der Sitzung am 14.9.2023, bleibt der Leitzins nach einer Entscheidung des Rates bei 4,5 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt am Main nach einer auswärtigen Sitzung in Athen (Griechenland) am 26.10.2023 mitteilte.


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Schlagworte zum Thema:  Zinsen, Immobilienkredit