EZB hält den für Kredite wichtigen Einlagenzins stabil
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht derzeit keinen Anlass, die Leitzinsen im Euroraum zu verändern. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins bleibt bei zwei Prozent, wie der Rat nach der jüngsten Sitzung am 5.2.2026 mitteilte.
Mit diesem Schritt will die EZB sicherstellen, dass sich die Inflation auf mittlere Sicht beim Zielwert von zwei Prozent stabilisieren wird, hieß es aus Frankfurt am Main. Noch sei der Ausblick von Unsicherheit geprägt, was die Notenbank auf globale handelspolitische Unsicherheiten und geopolitische Spannungen zurückführt.
"Ich gehe davon aus, dass der nächste Zinsschritt noch in diesem Jahr eine weitere Senkung des Leitzinses sein wird", kommentierte Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).
Bereits bei den Sitzungen im Juli, September, Oktober und Dezember 2025 wurden die Leitzinsen nicht angetastet. Zuvor hatte es eine ganze Serie von Senkungen gegeben. Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins doppelt so hoch: bei vier Prozent.
Immobilienkredite: Experten zur EZB-Entscheidung
Der Immobilienwirtschaft tun niedrigere Leitzinsen gut. Die Zinsentwicklung wird zum einen von den Erwartungen an die Geldpolitik, zum anderen durch und die Renditen der Bundesanleihen beeinflusst. In einem Interhyp-Bankenpanel kurz vor der EZB-Ratssitzung prognostizieren alle befragten Institute für die kommenden vier Wochen eine Seitwärtsbewegung der Zinsen.
Francesco Fedele, CEO der BF.direkt AG, hält das bestehende Zinsniveau zwar für anspruchsvoll, aber planbar. Und: "Diese Planbarkeit ist aktuell wichtiger als schnelle Zinssenkungen, die angesichts der wieder anziehenden Inflation falsche Erwartungen wecken würden." Der Immobilienmarkt funktioniere, allerdings selektiv. Finanzierungen kommen ausschließlich auf Basis tragfähiger Geschäftsmodelle und realistischer Bewertungen zustande. "Vor diesem Hintergrund ist geldpolitische Stabilität derzeit der wichtigste Beitrag der EZB zur Beruhigung der Märkte", so Fedele.
"Für die Immobilien- und Kreditmärkte bedeutet die Zinspause zwar keine Entlastung, aber Stabilität", ergänzt Prof. Dr. Steffen Sebastian, Lehrstuhl für Immobilienfinanzierung, IREBS Institut für Immobilienwirtschaft (Universität Regensburg). In der aktuellen Phase sei Zurückhaltung das kleinere Übel. Erst wenn sich der Inflationsrückgang als nachhaltig erweise, entstehe Spielraum für eine geldpolitische Lockerung. Für langfristige Finanzierungen sei diese Disziplin von zentraler Bedeutung.
Dass ein stabiler Zins Finanzierungsbedingungen stabilisiert, meint Michael Morgenroth, Gründer und CEO der Caerus Debt Investments AG. Der Zinsentscheid der EZB sei von den Akteuren an den Immobilienmärkten erwartet worden, so Prof. Dr. Felix Schindler, Head of Research & Strategy bei HIH Invest. Die EZB befinde sich mit ihrem Kurs aktuell in einer komfortablen Position, um bei Bedarf entsprechend reagieren zu können.
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Trumps Politik: Handlungsdruck für EZB-Zinspolitik?
Für Handlungsdruck bei der EZB könnte das Erstarken des Euro sorgen, der jüngst zeitweise die Marke von 1,20 Dollar übersprang – erstmals seit 2021. Mit der Politik von US-Präsident Donald Trump hat das Vertrauen in den Dollar an den Finanzmärkten gelitten, was den Euro aufwerten lässt.
Die Aufwertung des Euro belastet nicht zuletzt deutsche Firmen, da ihre Waren auf den Weltmärkten teurer werden. Zugleich verbilligt der starke Euro Importe, die in Dollar gehandelt werden. Das dämpft die Inflation, die 2026 das mittelfristige EZB-Ziel von zwei Prozent leicht unterschreiten könnte.
Manche Notenbanker wie das österreichische EZB-Ratsmitglied Martin Kocher sehen bei einem weiteren Aufwerten des Euro Handlungsdruck für eine Zinssenkung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte einen Euro-Kurs von 1,20 zum Dollar als kritische Marke dargestellt.
Zuletzt sah sich die EZB in einer "komfortablen" Situation, wie Präsidentin Christine Lagarde wiederholt betonte. Dies gilt als Hinweis, dass die Leitzinsen vorerst stabil bleiben. Die Europäische Zentralbank will zu stark steigende Preise vermeiden, aber auch dauerhaft sinkende Preise: Rechnen Verbraucher und Unternehmen mit Nachlässen, könnten sie Anschaffungen verschieben, was die Wirtschaft bremst.
Lagarde-Nachfolge könnte aus Deutschland kommen
Noch ein anderes Thema rückt immer mehr in den Vordergrund: die Nachfolge von EZB-Präsidentin Lagarde. Die Amtszeit der Französin endet zwar erst im Oktober 2027, doch der Poker um den Spitzenposten hat bereits begonnen. Zwei deutsche Notenbanker haben Interesse bekundet.
"Grundsätzlich dürfte jeder Notenbanker im EZB-Rat die Kompetenz zur Nachfolge für das Spitzenamt im Eurosystem haben", sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel dem "Spiegel". Das SPD-Mitglied kann auf Unterstützung der Bundesregierung bauen.
Deutlicher wurde EZB-Direktorin Isabel Schnabel im Gespräch mit dem Finanzdienst Bloomberg: "Wenn ich gefragt würde, stünde ich bereit." Sie gilt als ausgezeichnete Ökonomin, doch es gibt eine rechtliche Hürde: Ihr 2027 endendes Mandat darf formal nicht verlängert werden. Gegen eine deutsche Besetzung der EZB-Präsidentschaft spricht womöglich, dass bereits der Chefposten der EZB-Bankenaufsicht von der Deutschen Claudia Buch bekleidet wird.
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