Studie: Rolle der öffentlichen Hand bei CREM-Transformation

Das Corporate Real Estate Management (CREM) steht vor großen Aufgaben: Die Arbeitswelten  ändern sich rasant – es muss mehr und anders gebaut werden. Um den immobilienwirtschaftlichen Wandel zu bewältigen, sind Unternehmen wie öffentliche Hand gemeinsam in der Pflicht. Wie, das zeigt eine Studie.

Megatrends wie der sozio-demografische Wandel, Urbanisierung und Digitalisierung, der Klimaschutz und jetzt auch noch Covid-19 verändern die Arbeitswelten in Deutschland rasant. Wenn Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen sie ihre auch Immobilien anpassen. Alleine und ohne Unterstützung durch die öffentliche Hand ist diese Transformation im Corporate Real Estate Management aber nicht mehr effektiv zu bewältigen.

Das ist ein Ergebnis einer Studie von Prof. Dr. Andreas Pfnür, Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der Technischen Universität (TU) Darmstadt, die der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) in Auftrag gegeben hat. Die immobilienwirtschaftliche Transformation – so heißt es in der Studie – habe noch nicht im ausreichenden Umfang stattgefunden. In der 120 Seiten umfassenden Abhandlung sind drei große Handlungsfelder identifiziert, in denen die öffentliche Hand aktiv werden könnte:

  • Zunächst bedürfe es einer Aktualisierung des Baurechts.
  • Dann müssten Mandatsträger in Politik und Verwaltungen die Lösung der immobilienwirtschaftlichen Probleme der Unternehmen besser verstehen lernen und in der Folge höher priorisieren.
  • Und schließlich sei eine grundlegende Verwaltungsreform in Bezug auf die bau- und immobilienwirtschaftlichen Prozesse nötig.

Ineffizienzen bei Planung und Genehmigung machen Projekte teuer

"Die Ausschöpfung der Potenziale in der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und der öffentlichen Hand zur immobilienwirtschaftlichen Transformation der Unternehmen könnten somit auf breiter Front zentrale ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeitsziele der deutschen Volkswirtschaft maßgeblich voranbringen", erklärt Pfnür.

Denn der Grund für die schleppende Umsetzung der immobilienwirtschaftlichen Transformation der betrieblichen Immobilienbestände liege nicht nur in den Unternehmen selbst. 80 Prozent der Unternehmen sehen in einer verbesserten Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand erhebliche Potenziale in ihrer Fähigkeit zum wirtschaftlichen Strukturwandel und damit der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit. Durch Ineffizienzen im Planungs- und Genehmigungsprozess verzögern sich demnach Projekte um durchschnittlich 20 bis 25 Prozent. Außerdem verteuern sie sich um 9,6 Prozent; neun Prozent der Bau- und Immobilienprojekte sogar ganz abgebrochen.

Hochgerechnet auf die immobilienwirtschaftliche Transformation in allen deutschen Unternehmen ergeben sich aus den Ineffizienzen in der Zusammenarbeit mit dem öffentlichen Sektor innerhalb der nächsten zehn Jahre Kosten in Höhe von 12,6 Milliarden Euro in jedem Jahr.

Planung, Umsetzung und Kontrolle von Bau- und Immobilienmaßnahmen seien ohne eine funktionierende Verwaltung nicht mehr denkbar, heißt es. Von allen Studienteilnehmern wurde angemahnt, die Digitalisierung der einschlägigen Verwaltungsprozesse voranzutreiben.

Klare und wenige Ansprechpartner nötig

Eine ganze Reihe an konkreten Vorschlägen gibt es in der Studie, wie die aktuellen Ineffizienzen beseitigt werden könnten. Dazu gehören insbesondere "Single Window"-Prozesse, in denen Ansprechpartner für die bau- und immobilienwirtschaftlichen Anliegen der Unternehmen und idealerweise auch die Verantwortlichkeiten in der öffentlichen Hand eindeutig geklärt sind.

Laut Studie sind für 88 Prozent der Unternehmen solche "Single Window"-Prozesse dazu geeignet, die Bearbeitung durch die öffentliche Hand zu koordinieren und zu verantworten. Nicht zuletzt verspreche eine umfassende Digitalisierung der bau- und immobilienwirtschaftlichen Prozesse nach Ansicht von 100 Prozent der Interviewten, also der gesamten Stichprobe aller 56 befragten Unternehmen, ein hohes Effizienzsteigerungspotenzial, heißt es.

Doch auch die Unternehmen selbst haben "ihre Hausaufgaben in der immobilienwirtschaftlichen Transformation noch nicht vollständig gemacht", wie die Studienergebnisse zeigen. Dies sei auch den Entscheidungsträgern bewusst. Einseitig die Verantwortung bei der Verwaltung zu suchen, greife eindeutig zu kurz, schreibt Pfnür.

Runde Tische für mehr Problemverständnis

Weitere Schritte zu einer Lösung der identifizierten Probleme sieht Studienautor Pfnür darin, dass überhaupt erst einmal ein Problemverständnis in der Politik und den Verwaltungen auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene geschaffen wird. Im Ergebnis stellt er sich interdisziplinäre Arbeitsgruppen aus Unternehmen, Politik, Verwaltungen und Wissenschaft vor, die ein Rahmenkonzept für eine immobilienwirtschaftliche Transformation der deutschen Unternehmen in Form einer "Agenda für Wirtschaftsimmobilien" erarbeiten sollten.

Verbesserungspotenzial habe auch der vermehrte Einsatz "runder Tische" zwischen allen Beteiligten, die sowohl projektbezogen als auch zum Zwecke langfristiger Planung mit anschließendem integrierten Flächenmanagement von Unternehmen und öffentlicher Hand eingesetzt werden können.

"Wenn wir Deutschland als attraktiven und wettbewerbsfähigen Wirtschafts- und Immobilienstandort beibehalten wollen, müssen wir den betrieblichen Immobilien von Unternehmen mehr Aufmerksamkeit schenken", sagt abschließend Dr. Zsolt Sluitner, Vorsitzender des ZIA-Ausschusses Corporate Real Estate.


ZIA-CREM-Studie 2020: "Die Rolle der öffentlichen Hand in der immobilienwirtschaftlichen Transformation deutscher Unternehmen"


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