50 Prozent der CRE-Flächen müssen bis 2030 ersetzt werden

Neue Arbeitswelten fordern Corporate Real Estate Manager heraus. Rund 50 Prozent der Flächen müssen bis zum Jahr 2030 ersetzt, 88 Milliarden Euro pro Jahr insgesamt investiert werden. Das ist ein Ergebnis der jüngsten Studie von Corenet Global und ZIA.

Die befragten Unternehmen gehen davon aus, dass 35 Prozent der Flächen einem Redevelopment unterzogen werden. In 41 Prozent der Unternehmen könne der Unternehmenserfolg maßgeblich beeinflusst werden, wenn die Wertentwicklung der Immobilienbestände optimiert wird, heißt es im Gutachten "Herausforderungen des Corporate Real Estate Managements im Strukturwandel", das Corenet Global im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss erstellt hat. 

Neben dem Redevelopment des Bestands planen die Unternehmen, 22 Prozent der von ihnen aktuell genutzten Flächen zu vermieten oder zu verkaufen. Größter Auslöser für den Strukturwandel ist die digitale Transformation.

Investitionsrisiken steigen

Der Flächenbedarf der Unternehmen wird in den kommenden zehn Jahren laut Studie insgesamt um 1,7 Prozent steigen. Es sei davon auszugehen, dass auch Vermieter ihre Flächen den neuen Nutzungskonzepten durch bauliche Maßnahmen anpassen müssen, was wiederum Einfluss auf Projektentwicklungen, Investitionen und Vertragslaufzeiten habe.

Rund 30 Prozent der Corporate Real Estate Manager gehen davon aus, dass der Anteil kurzfristiger Mietverträge zunehmen wird. 41 Prozent wollen künftig Co-Location-Flächen zur Verfügungen stellen. Laut Corenet und ZIA bedeuten diese mieterseitigen Veränderungen eine Zunahme der Investitionsrisiken.

Digitalisierung als Treiber des Strukturwandels

In rund zwei Drittel der Unternehmen treibt der Studie zufolge die Digitalisierung von Geschäftsmodellen, Produkten und Prozessen die Änderung der Nachfrage bei Nutzungskonzepten und Standorten von Immobilien. Dazu kommen demografische Veränderungen, ein steigendes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein sowie die Urbanisierung. In die Studie einbezogen wurden alle Immobilien und Assetklassen, die als Betriebsmittel im Leistungserstellungsprozess eingesetzt werden.

"Unternehmen nehmen die Herausforderung der immobilienwirtschaftlichen Transformation bislang kaum an." Prof. Dr. Andreas Pfnür, Leiter des Fachgebiets Immobilienwirtschaft und Baubetriebswirtschaftslehre an der TU Darmstadt und Studienautor

Erst in 31 Prozent der Unternehmen spürt der Bereich Corporate Real Estate (CRE) demnach aktuell den Einfluss des Strukturwandels. Aus Sicht des Corporate Real Estate Managements (CREM) ist in 66 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung der Geschäftsmodelle hin zur Bündelung von Produkten und Dienstleistungen der maßgebliche Treiber.

Hürden immobilienwirtschaftlicher Transformation
Einige Hürden halten Unternehmen bislang davon ab, sich dem Umbruch zu stellen.

Transformation überfordert Bau- und Immobilienwirtschaft

Neben der mangelnden Priorität in den Unternehmen sind den Studienautoren zufolge die geringe Kapazität der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft die wichtigste Hürde der Transformation.

CRE umfasst laut Studie zehn Prozent der deutschen Siedlungsfläche. Der Wert der erworbenen oder gemieteten Grundstücke und Gebäude beträgt insgesamt etwa 3,5 Billionen Euro. In den befragten Unternehmen müssten für den Strukturwandel jährlich für Bauleistungen 9,3 Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Hochgerechnet auf den Gesamtbestand des Immobilienvermögens ergibt sich so ein Baubedarf in Höhe von 88 Milliarden Euro pro Jahr.

Nachfrage nach Flächen in Stadtrandlagen 

Der Studie zufolge betrifft der Strukturwandel alle Assetklassen. Dabei bleiben die empirisch ermittelten Flächenbedarfe der Unternehmen je nach Nutzungsart in der Summe weitgehend konstant bis leicht steigend. Allerdings sei absehbar, dass die Nachfrage nach Flächen in Stadtrandlagen um fünf Prozent zunehmen wird, während die Nachfrage im ländlichen Raum um fünf Prozent abnehmen dürfte. "Diese Effekte sind erheblich und dürften zu deutlich spürbaren Veränderungen der Entwicklung von Städten und Gemeinden führen", meint Studienautor Pfnür

"CRE ... vereint nicht nur die reinen Immobilienaspekte, sondern ist auch direkt in die Kultur- und Strategieentwicklung eines Unternehmens involviert." Björn Christmann, Präsident von Corenet Global in Central Europe

Von der Effizienz des Corporate Real Estate Managements hängt den Studienergebnissen zufolge laut dem Großteil der befragten Unternehmen die Arbeitsproduktivität, die Wettbewerbsposition im War-for-Talents sowie die strategische Flexibilität und damit die nationale und internationale Wettbewerbsfähigkeit entscheidend ab.

Der Studie zufolge kann in 75 Prozent der Unternehmen alleine durch die Immobilien die Attraktivität für bestehende und zukünftige Mitarbeiter entscheidend beeinflusst werden. In 68 Prozent der Unternehmen kann die Identität des Unternehmens maßgeblich gestärkt werden. Und in ebenfalls 68 Prozent der Unternehmen kann durch eine entsprechende Immobilienstrategie die Flexibilität der Unternehmensentwicklung signifikant erhöht werden.

Ohne die öffentliche Hand geht es nicht

Um die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen abzusichern und Standortrisiken auszuschließen, bedürfe es der Unterstützung der öffentlichen Hand, meint Pfnür. In der Studie wurden konkrete Handlungsempfehlungen formuliert. So könnte beispielsweise eine Initiative "Immobiliare Infrastruktur" von der öffentlichen Hand aufgelegt werden, so Pfnür weiter.

"Dieser Transformationsprozess muss auf Seiten der Politik viel stärker als bislang verfolgt werden, damit die Bundesrepublik ihre Wettbewerbsfähigkeit erhält und auch weiterhin attraktiv für Neuansiedlungen bleibt." Dr. Andreas Mattner, Präsident des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss

Anpassung der CRE-Bestände mit Auswirkungen für Mitarbeiter und Investoren

Für die Mitarbeiter verändern sich der Studie zufolge durch Maßnahmen zur Anpassung der CRE-Bestände die Arbeitsorte. In modernen Bürokonzepten werden über die Anordnung von Arbeitsplätzen Wissensaustausch und -abschottung der Einheiten gezielt gesteuert. Schließlich gehören die Ausgestaltung und Zuordnung von Arbeitsplätzen zu den wichtigsten Incentives für Mitarbeiter.

Seitens der Investoren werden durch Veränderungen von Angebot und Nachfrage an den Immobilienmärkten die Vermögenswerte beeinflusst. Großflächige Nutzungsanpassungen verändern zudem die Basis der Stadt- und Regionalentwicklung vor Ort und Investitionsmaßnahmen die Beschäftigungssituation der Bau- und Immobilienwirtschaft. Die Bautätigkeit wiederum hat Einfluss auf den Umweltschutz.


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