EU-Taxonomie: So wird ein Investment "grün"

Die EU-Taxonomie legt Kriterien für klimaverträgliche Investments fest. Das geht auch Immobilienfinanzierer an. Seit Juli 2018 arbeitete eine Sachverständigengruppe der Europäischen Kommission an dem Plan – nun ist der Abschlussbericht da. Die Standards müssen nur noch in EU-Recht gegossen werden.

Der Abschlussbericht der technischen Sachverständigengruppe für nachhaltige Finanzen der EU-Kommission (TEG) zur EU-Taxonomie (Link siehe unten) enthält Orientierungshilfen für Unternehmen und Finanzierer – auch aus der Immobilienwirtschaft – zur Planung von Maßnahmen, um die CO2-Emissionen bis 2050 europaweit auf Netto-Null zu reduzieren. Erarbeitet wurden die Standards in den vergangenen Monaten in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten, auch aus der Immobilienbranche. Darunter Helena Viñes Fiestas, Global Head of Stewardship and Policy bei BNP Paribas Asset Management.

"Die Taxonomie stellt neue Spielregeln für die Branche auf. Sie gibt einen klaren Weg für den Übergang hin zu einem klimaverträglichen Wirtschaften in verschiedenen Sektoren vor", kommmentiert Viñes Fiestas das Maßnahmenpaket. Für Vermögensverwalter wie BNP Paribas sei die Taxonomie ein wertvolles Instrument bei der Ausgestaltung der nachhaltigen Portfolios und der Zusammenarbeit mit anderen Firmen. "Sie ermöglicht zudem eine konsistente Berichterstattung über den prozentualen Anteil jedes Fonds, der als nachhaltig klassifiziert ist. Das schafft Transparenz für Endanleger", so die Expertin.

Wie wird sich die EU-Taxonomie auf den Immobiliensektor auswirken?

Die Taxonomie soll Immobilieneigentümern und Projektentwicklern den Zugang zu nachhaltigen Finanzprodukten möglich machen. So würden Investitionen in die Steigerung der Energieeffizienz durch Gebäudesanierungen, Neubauaktivitäten und den energieoptimierten Betrieb von Bestandsgebäuden gefördert, erklärt Sabine Georgi, Country Managerin des Berufsverbands RICS Deutschland.

Als Mitglied der TEG und Koordinatorin des Bereichs "Bebaute Umwelt" erarbeitete die RICS in den vergangenen eineinhalb Jahren eine Nachhaltigkeitsdefinition für die Immobilienbranche. Zum Spektrum an emissionsarmen Aktivitäten gehören neben dem Bau energieeffizienter und ressourcenschonender Gebäude auch Übergangs- und Fördermaßnahmen wie Sanierungen, Installation neuer Wasserboiler und Fenster sowie die Bereitstellung von nachhaltigen Technologien und Dienstleistungen.  

"Marktteilnehmer, die sich nicht um eine Anpassung an die neuen Standards bemühen, verlieren ihre Wettbewerbsfähigkeit, dürfen ihre Geschäftsaktivitäten und Produkte nicht mehr als nachhaltig bezeichnen und müssen sich auf eine sinkende Investorennachfrage einstellen", so Georgi. Investoren seien interessiert daran, zu wissen, welche Unternehmen zu einer emissionsarmen Wirtschaft beitragen.

EU-Taxonomie: Was wird von Finanzierern erwartet?

Marktteilnehmer, die Finanzprodukte in der EU anbieten, darunter fallen insbesondere auch Fondsanbieter, sollen sich künftig an den neuen EU-Kriterien orientieren.

Der Zeitplan ist straff. Bis zum 31.12.2021 müssen Finanzierer erste Angaben zur Taxonomie machen, heißt es in dem Bericht: Was wird bereits getan, um den Klimawandel einzudämmen? Die technischen Überprüfungskriterien sollen dann im Rahmen von gesetzlichen Anforderungen der Europäischen Kommission bis Ende 2020 festgelegt werden. Bis Ende 2022 müssen aktualisierte Angaben die Umweltziele betreffend gemacht werden.

Fragen könnten sein: Wie und inwieweit wurde die Taxonomie zur Bestimmung der Nachhaltigkeit der zugrundeliegenden Investitionen herangezogen? Zu welchen Umweltzielen tragen die Investitionen bei? Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Investitionen, die auf die Taxonomie ausgerichtet sind, am gesamten Portfolio?

Fahrplan EU-Taxonomie: Wie geht es weiter?

Insgesamt definiert die TEG Nachhaltigkeitskriterien für etwa 70 Wirtschaftssektoren, die insgesamt 93 Prozent der europäischen Emissionen erzeugen, wie es im Abschlussbericht für eine EU-Taxonomie heißt. Auf Grundlage der nun festgelegten Taxonomie-Kriterien soll die Europäische Kommission diese Kriterien rechtlich wirksam werden lassen.

Neben dem EU-Aktionsplan Sustainable Finance, der für eine höhere Transparenz am Finanzierungsmarkt sorgen soll, sind die neuen europaweit einheitlichen Kriterien für klimaneutrale Investitionen (EU-Taxonomie) ein wichtiges Mittel für die Umsetzung des sogenannten "Green Deal" der EU-Kommission für mehr Nachhaltigkeit im Gebäudebereich und bei der Immobilienfinanzierung. Bisher gab es keine einheitliche Definition, welchen Kriterien eine nachhaltige Finanzierung erfüllen muss, um Europa bis 2050 klimaneutral zu machen.

Die EU-Taxonomie gilt nach ihrer Umsetzung im Rahmen einer EU-Verordnung für Finanzunternehmen und sonstige Anbieter von Finanzprodukten, Unternehmen, die bereits nichtfinanzielle Ausweise vorlegen müssen, sowie EU-Mitgliedsstaaten, die nachhaltige Finanzprodukte zertifizieren (zum Beispiel Green Bonds). "Die Taxonomie kann zudem eine Vorbildfunktion über die Grenzen der EU hinaus wahrnehmen", sagt Sabine Georgi abschließend. Die zugrunde gelegten Gebäudekriterien seien international relevant und könnten für andere Compliance-Rahmen angepasst werden.

Beirat der Bundesregierung legt Zwischenbericht für deutsche Sustainable-Finance-Strategie vor

Die verbindlichen Energiewerte in der EU-Taxonomie dürfen wegen der unterschiedlichen Vorschriften an die Situation in den jeweiligen Ländern angepasst werden. Einen Zwischenbericht zu einer Sustainable-Finance-Strategie für Deutschland hat der Nachhaltigkeitsbeirat der Bundesregierung gerade vorgelegt: Er enthält erste Handlungsansätze. Marktteilnehmer können bis zum 3. April Stellung nehmen.  

Dem Beirat gehören neben Asset Managern unter anderem auch Bankenvertreter an. Erarbeitet wurden 53 Handlungsempfehlungen für die öffentliche Hand, Unternehmen der Realwirtschaft und die Finanzmarktakteure.

EU-Taxonomy: Final report of the Technical Expert Group on Sustainable Finance (engl.)


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