DIFI: Immobilienfinanzierung fast auf Vor-Corona-Niveau

Die Lage für Immobilienfinanzierer hat sich im Laufe der Pandemie ungebremst verschlechtert – bis zum Tiefpunkt im Sommer. Nach einer leichten Erholung im Herbst steigt der aktuelle Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) von JLL und ZEW weiter und notiert fast wieder auf Vor-Corona-Niveau.

Im zweiten Quartal 2020 waren die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Stimmung der Immobilienfinanzierer am deutlichsten sichtbar: Der Deutsche Immobilienfinanzierungsindex (DIFI) von JLL und dem ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung fiel auf minus 56,7 Punkte – das war der tiefste Wert seit 2011, dem Beginn der vierteljährlichen DIFI-Umfrage.

Nach dem Absturz erholte sich der Index sukzzesive und ist in der aktuellen Umfrage für das vierte Quartal 2020 zum zweiten Mal in Folge gestiegen. Mit einem Plus von 12,5 Punkten gegenüber dem Vorquartal notiert der Indexstand zwar noch mit 23,5 Punkten im Minus, liegt damit aber nur noch geringfügig unter dem Vor-Corona-Niveau der ersten drei Monate dieses Jahres (erstes Quartal: minus 18,5 Punkte).

Befragt werden die Experten für den DIFI jeweils nach ihrer Einschätzung der aktuellen Finanzierungssituation sowie der Erwartung für das kommende Halbjahr.

Finanzierungssituation: Logistik und Wohnen profitieren von der Krise

Die Finanzierungssituation hat sich der Umfrage zufolge im Vergleich zum Vorquartal in allen Assetklassen verbessert (plus 22 Punkte), bleibt aber insgesamt noch im negativen Bereich (minus 29,6 Punkte). Das gilt auch für die Nutzungsklassen Büro, Einzelhandel und Hotel. Die Einschätzung der Lage für Logistik hat sich am stärksten verbessert (plus 29,4 Punkte gegenüber dem dritten Quartal), für Hotels am wenigsten (plus 9,5 Punkte). Bei Wohnen (plus 12,2 Punkte) und Logistik wird die Situation sogar besser bewertet als vor Beginn der Pandemie.

Wohnen und vor allem Logistik wurden laut Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany, als "vermeintlich krisenfest und deswegen in der Krise als besonders relevant" wahrgenommen und punkten auch bei der Finanzierungserwartung deutlich.

Vorsichtiger Optimismus ist mit einem leichten Plus von drei Punkten gegenüber der Umfrage im dritten Quartal auch bei der Einschätzung der Finanzierungserwartungen für die kommenden sechs Monate auszumachen. Die Erwartungen bleiben aber mit minus 17,4 Punkten noch deutlich im negativen Bereich.

Kredite für Wohnen, Logistik und Einzelhandel (Lebensmittel) am einfachsten zu bedienen

Die Kapitaldienstfähigkeit der Kreditnehmer von gewerblichen Immobilienfinanzierungen ist nach Einschätzung der Experten in den Nutzungsarten "Wohnen", "Logistik" und im "lebensmittelgeankerten Einzelhandel" am wenigsten beeinträchtigt. Mehr als zwei Drittel der Befragten schätzt die bisherigen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Kapitaldienstfähigkeiten dieser Nutzungsarten als sehr gering oder gering ein. Bei der Nutzungsart "Hotel" wird die Lage am schlechtesten eingeschätzt.

Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate erwarten die Experten zwar eine höhere Beeinträchtigung, allerdings beurteilen sie den Ausblick nur unwesentlich schlechter. Am pessimistischen sind die Experten bei Hotel- und Non-Food-Einzelhandelsflächen.


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