Bauzinsen im Zwischentief mit Aufwärtstrend
Die geldpolitischen Entscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) haben indirekt auch Einfluss auf die Entwicklung der Hypothekenzinsen. Die nächste Sitzung des Rates findet am 19. März statt. Zuletzt wurde der Kredite und Sparer relevante Einlagenzins fünf Mal in Folge nicht angerührt.
Das EZB-Ratsmitglied Peter Kazimir sieht wegen der Folgen des Kriegs im Nahen Osten die Möglichkeit einer schnelleren Zinserhöhung als bisher gedacht. Konkret über den Zeitpunkt wollte der Präsident der Notenbank der Slowakei am 11. März in einem Interview mit der Nachrichtenagentur "Bloomberg" nicht spekulieren. "Aber wir werden bereit sein, bei Bedarf zu handeln", versicherte Kazimir.
Experten gehen von steigenden Bauzinsen aus
Momentan befinden sich zehnjährige Baufinanzierungen mit einem Zinssatz von durchschnittlich rund 3,6 Prozent auf einem attraktiven Niveau.
Laut Einschätzung der Interhyp Gruppe deutet allerdings vieles darauf hin, dass die Zinsen mittelfristig steigen könnten. Der Krieg im Mittleren Osten hat für starke Bewegung an den Kapitalmärkten gesorgt. "Nach einer kurzen Phase mit der Suche nach 'sicheren Häfen' und dem damit verbundenen Rückgang der Kapitalmarktzinsen, überwiegt jetzt gerade die Inflationsangst. Die Kapitalmarktzinsen steigen bereits wieder", sagt ein Mitglied des Interhyp-Bankenpanels zur aktuellen Dynamik.
Bauzinsen und Konflikt im Nahen Osten
Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von der Dauer des Konflikts ab: "Sollte der Konflikt zu einer längeren Phase von hohen oder noch höheren Energiepreisen führen, dürften auch die Kapitalmarktzinsen noch etwas weiter steigen", so die Einschätzung aus dem Expertenkreis. Die Mehrheit des Panels (rund 67 Prozent) geht vor diesem Hintergrund mittel- bis langfristig von steigenden Bauzinsen aus.
Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, stellt fest, dass sich die Bauzinsen auf einem Niveau zwischen 3,5 und vier Prozent eingependelt haben. Er erwartet, dass sich der Trend im weiteren Jahresverlauf fortsetzen wird, sollte die EZB den Einlagenzins unverändert bei zwei Prozent belassen und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe – dem maßgeblichen Indikator für die Bauzinsen – sich in einem stabilen Bereich bewegen.
"Gleichzeitig bleibt die Lage volatil", so Kohnen. Die geopolitische Gesamtlage und der starke Euro könnten die EZB zu geldpolitischen Kurskorrekturen zwingen, was auch Auswirkungen auf die Bauzinsen hätte.
Immobilienkauf im aktuellen Marktumfeld
Jörg Utecht, Vorstandsvorsitzender der Interhyp Gruppe, rät Kaufinteressierten, angesichts dieser Volatilität nicht zu lange zu warten: "Wir befinden uns momentan in einem Zinszwischentief, doch die durch den Konflikt im Iran ausgelösten Inflationssorgen und die drohenden Energiepreissteigerungen treiben die Renditen der Staatsanleihen.
Dadurch werden auch die Bauzinsen steigen."
Utecht empfiehlt potenziellen Immobilienkäufern dazu, das aktuelle Zwischentief zu sichern. In Zeiten geopolitischer Instabilität könnten lange Zinsbindungen vor weiteren Sprüngen bei den Kapitalmarktzinsen schützen.
Baufi24-Geschäftsführer Kohnen meint, der Preisdruck am Immobilienmarkt dürfte hoch bleiben, da die Neubautätigkeit die Nachfrage nicht deckt und die Preise insbesondere in den Metropolen weiter steigen. "Für Käufer bedeutet das, dass Zögern sowohl höhere Zinsen als auch steigende Kaufpreise nach sich ziehen kann."
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Iran-Krieg: EZB-Chefin will Anstieg der Inflation verhindern
"Wir werden alles Notwendige tun, um die Inflation unter Kontrolle zu halten", sagte Präsidentin Christine Lagarde am 10. März beim französischen Fernsehsender "France 2". Es solle sichergestellt werden, dass die Folgen des Kriegs im Nahen Osten keinen Inflationsschub auslösen werden wie zuletzt in den Jahren 2022 und 2023, als der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine die Preise nach oben trieb.
2022 war die Inflation in der Eurozone durch einen starken Anstieg der Energiepreise zeitweise über zehn Prozent gestiegen. Zuletzt lag die Teuerung im Februar 2026 bei 1,9 Prozent. Nach dem Beginn der Angriffe auf den Iran kam es zu einem deutlichen Anstieg der Preise für Erdöl und Erdgas. Die Lage auf den Energiemärkten hat Befürchtungen ausgelöst, dass die Inflation in der Eurozone wieder ansteigen könnte. Das wiederum könnte zu Zinserhöhungen durch die EZB führen.
Lagarde versicherte, dass die Eurozone im Vergleich zu 2022 besser in der Lage sei, einen starken Anstieg der Verbraucherpreise abzufedern. Sie räumte aber ein, dass es vor der nächsten Zinsentscheidung schwierig sei, die aktuelle Lage einzuschätzen. Allerdings machte Lagarde auch deutlich, dass die EZB "keine überstürzte Entscheidung treffen wird", da die Unsicherheit und die Volatilität zu groß seien.
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