Deutsche Hypo Index Immobilienklima

Das Immobilienklima in Deutschland hat sich im Mai weiter eingetrübt – aber nur noch leicht, wie der monatlich erhobene Deutsche Hypo Index zeigt. Nach dem Corona-Schock im April mit einem massiven Einbruch bei fast allen Assetklassen, hat sich vor allem das Wohnsegment erholt.

Das Immobilienklima folgt seit Monaten einem Negativtrend, wie der Index der Deutschen Hypo zeigt. Dramatisch aber war der Einbruch im April mit einem Minus von 37,3 Prozent gegenüber März auf 72 Zählerpunkte. Dies wertete der Immobilienfinanzierer als eine Folge der Corona-Pandemie. Befragt worden waren rund 1.200 Immobilienexperten. Im Mai sank der Index nur noch moderat weiter – um rund 2,5 Prozent auf aktuell 70,2 Punkte. Das Investmentklima ging dabei etwas stärker zurück (minus 3,2 Prozent) als das Ertragsklima mit einem Minus von 1,8 Prozent.

Den historischen Tiefstwert von Dezember 2008 (42,2 Punkte) als Folge der globalen Finanzkrise hat das Immobilienklima trotz der Corona-Pandemie bislang nicht unterschritten. Doch Sabine Barthauer, Vorstand der Deutschen Hypo, meint, dass sich im Verlauf des Jahres weitere Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Transaktionsvolumina und Vermietungsleistungen zeigen werden.       

Anstiege nur beim Wohnklima und beim Logistikklima

Nicht jede Assetklasse leidet gleichermaßen unter der Coronakrise. Erstaunlich ist, wie gut sich das Wohnklima erholt hat: Nach einem deutlichen Rückgang um mehr als ein Viertel von März auf April, ist es im Mai wieder gestiegen: Um immerhin 10,7 Prozent auf 105,6 Punkte. Das ohnehin schon starke Logistiksegment, das zu den Krisengewinnern gehört, verzeichnet auch noch einmal einen Anstieg (plus 10,4 Prozent auf 133 Punkte).

Auf Bestandswohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, Baujahr 2016 oder älter) jedenfalls wirkt sich die Coronakrise laut einer Studie der Maklerplattform Immowelt kaum aus. In 45 von 60 untersuchten Großstädten haben sich demnach die Kaufpreise von Ende 2019 auf Anfang 2020 erhöht – etwa um vier Prozent in Berlin. In anderen Hotspots wie München, Frankfurt am Main (jeweils plus zwei Prozent) und Hamburg (minus ein Prozent) blieben die Preise relativ konstant. Prof. Dr. Cai-Nicolas Ziegler, CEO der Immowelt AG, ist überzeugt, dass der Wohnimmobilienmarkt keine großen Schäden davontragen wird und wieder schnell Fahrt aufnehmen wird. Besonders in den engen Märkten wie München oder Berlin werden die Preise laut Ziegler weiter steigen.

Deutsche Hypo: Der Bürosektor wird sich auf strukturelle Themen einstellen müssen

Das Büroklima im Deutschen Hypo Index für Mai, das wegen der Veränderungen der Arbeitswelten aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen in den vergangenen zwei Monaten sehr leiden musste, sank zwar weiter, aber nur noch mäßig um 5,1 Prozent auf 78,1 Punkte. Damit hat sich der Abwärtstrend deutlich abgeschwächt. Der Bürosektor wird sich laut Barthauer konzeptionell auch für die Zukunft auf strukturelle Themen – etwa die stärkere Nutzung von Homeoffice und mehr Digitalisierung – einstellen müssen.

Auch Immobilienberater Catella sieht in seinem Market Tracker "Covid-19" die Lage am Büroimmobilienmarkt als stabil an. Kurz- und mittelfristig – und ähnlich wie im Segment Wohnen – erwarten die Experten hier keine großen Veränderungen mehr. Im Vergleich zum Teilsegment Coworking, das derzeit zwar eher schlecht da steht, mittelfristig aber wieder einen Schub nach oben erhalten dürfte. Sollten die Lockdowns bis Ende Mai, Anfang Juni aufgehoben werden, meint Catella, dass sich selbst die schwer gebeutelten Hotelimmobilien kurzfristig erholen werden, mit steigender Tendenz auf mittelfristige Sicht.

Handelsklima rutscht auf einen neuen Tiefstwert

Das Handelsklima im Deutsche Hypo Index konnte sich im Zuge der schrittweise Lockerungen nach dem Corona-Shutdown noch nicht wieder erholen: Das Teilsegment sank auch im Mai deutlich – um 22,3 Prozent auf 24,5 Punkte. Das ist ein neuer Negativrekord. Ähnlich verhält es sich beim Hotelklima, das um 23,6 Prozent auf 36,5 Punkte sank.

"Handelsunternehmen, Gastronomie und Hotels werden sich weit über das Jahr 2020 mit den Folgen der Pandemie auseinandersetzen müssen", prophezeit Barthauer.

  

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