Stimmung in der Immobilienbranche weiter im Sinkflug

Zum fünften Mal in Folge bewerten die Immobilienexperten in der Juli-Umfrage zum Deutschen-Hypo-Index die Stimmung am Markt negativ. Wie passt das mit der eigentlich positiven Entwicklung zusammen? Macht sich die "German Angst" breit? Laut Berlin Hyp ist eine leichte Eintrübung in Sicht.

Das Deutsche Hypo Immobilienklima notiert im Juli bei 114,9 Punkten, das ist gegenüber Juni noch einmal ein Minus von 1,9 Prozent.

Dabei sind vor allem die Ergebnisse auf dem deutschen Büroimmobilienmarkt zum ersten Halbjahr 2018 laut Deutsche-Hypo-Vorstand Sabine Barthauer "phänomenal" mit Rekordresulaten auf dem Vermietungs- und dem Investmentmarkt. Dennoch sei das Immobilienklima im Index weiter gefallen. "Natürlich sind wir als Nation für unsere 'German Angst' bekannt", sagt Barthauer, doch nach ihrer Auffassung spiegelt sich hier ein anderes Phänomen wider.

Markt-Hoch trifft auf fragile äußere Faktoren

In den Gesprächen mit Investoren und Immobilienentwicklern hat Barthauer festgestellt, dass nicht alle glücklich über das Markt-Hoch sind. Man sei sich bewusst, dass diese Entwicklung sich nicht mehr lange wird halten können, auch wegen fragiler äußerer Faktoren, etwa weltweite Handelsspannungen und politische Unsicherheiten, die das Wachstum für das Gesamtjahr 2019 hemmen könnten. Vorausschauendes Handeln sei wichtig, frei von Angst.

So setzt also das Immobilienklima im Juli 2019 vorerst seine Talfahrt fort mit 114,9 Punkten - einen niedrigeren Stand wies der Deutsche-Hypo-Index zuletzt nur im November 2012 auf. Die kumulierte Entwicklung stellt sich laut Deutsche Hypo dabei mit einem Minus von zehn Prozent noch relativ moderat dar. Nichtsdestotrotz ist inzwischen eine Annäherung an die 100-Punkte-Marke erkennbar.

Investmentklima leidet am deutlichsten - Wohnklima übernimmt wieder Spitzenposition

Im Wesentlichen trägt in der aktuellen Umfrage das Investmentklima mit einem Rückgang um 3,7 Prozent zur negativen Entwicklung bei, während das Ertragsklima stabil bleibt. In der allgemein negativen Dynamik hebt sich nur das Wohnklima vom Trend ab und legt sogar wieder zu: um 3,6 Prozent. Nach dem starken Rückgang zwischen Mai und Juni 2019 um 7,1 Prozent, durch den das Wohnklima den niedrigsten Wert seit April 2010 erreichte, übernimmt die Assetklasse nun wieder die Spitzenposition.

Das Büroklima präsentiert sich laut Deutsche Hypo vergleichsweise stabil mit einem moderaten Rückgang um nur 0,7 Prozent, während das Logistikklima mit einem satten Minus von 5,9 Prozent in der Rangfolge wieder auf den dritten Platz rutscht. Mit 130,4 Punkten erreicht diese Assetklasse ein Niveau, das zuletzt nur im November 2014 niedriger ausfiel. Einen deutlicheren Verlust hatte nur das Hotelklima verzeichnet: Gegenüber dem Vormonat sackte die Einschätzung der Immobilienexperten um 6,8 Prozent ab und stellt mit einem Stand von 111,8 Punkten einen neuen Negativrekord auf. Ebenfalls rückläufig entwickelte sich das Handelsklima: hier ging es deutlich zurück mit einem Minus von 5,1 Prozent.

Vorjahresvergleich: Rückblick auf Juli 2018

Bei 125,7 Zählerpunkten positionierte sich das Immobilienklima im Juli 2018 bei der Befragung für den Deutschen Hypo-Index. Am deutlichsten fiel das Ertragsklima um 3,3 Prozent auf 123,8 Punkte im Vergleich zu Juli 2017, das Investmentklima sank nur um 0,9 Prozent. Der Stimmungsrückgang betraf alle Segmente, am stärksten die Handelsimmobilien (minus 6,1 Prozent auf 79,2 Punkte).

Am geringsten fiel vor einem Jahr der Rückgang mit minus 0,6 Prozent bei Wohnimmobilien aus. Auch bei Büro- (minus 1,3 Prozent) und Logistikimmobilien (minus 1,5 Prozent) fiel der Rückgang vergleichsweise moderat aus. Das Hotelklima trübte sich um drei Prozent ein.

Berlin Hyp: Enteignungsdebatte Ursache für eingetrübte Attraktivität des deutschen Immobilienmarkts

Bei der Expertenumfrage "Trendbarometer" der Berlin Hyp haben 67 Prozent der Immobilienexperten aus dem In- und Ausland angegeben, dass der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt im europäischen Vergleich noch immer attraktiver sei. Das ist ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber der Umfrage 2018.

Eine mögliche Ursache für die Eintrübung könnte in der aktuell in Deutschland geführten Enteignungsdiskussion liegen, die auch auf ausländische Investoren abschreckend wirkt. War Deutschland immer ein Garant für freie Marktwirtschaft, so könnte man der Berlin Hyp zufolge zwischenzeitlich den Eindruck gewinnen, eine Verstaatlichung großer Wohnungsbestände sei nicht nur theoretisch möglich, sondern von politischen Gruppen auch gewollt. Da sei es nicht verwunderlich, wenn Deutschland im europäischen Vergleich nicht mehr mit großem Abstand vorne liege.

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