Immobilienfinanzierer trotz Krise vorsichtig optimistischer

News 25.02.2021 BF.Quartalsbarometer
BF.Quartalsbarometer: Immobilienfinanzierung in Corona-Zeiten

Die Stimmung unter den Immobilienfinanzierern hellt sich auf, wenn auch nur verhalten. Der Wert des BF.Quartalsbarometers liegt noch im Minus. Was das Neugeschäft angeht, sind die Banken wieder zuversichtlich. Ansonsten haben sich die Finanzierer der Pandemie-Situation angepasst.

Die Bedingungen für Immobilienfinanzierungen werden von den Banken wieder besser eingeschätzt. Das und die Erwartungen für das Neugeschäft haben dazu geführt, dass der Wert für das aktuelle BF.Quartalsbarometer, das Bulwiengesa im Auftrag der BF.direkt AG vierteljährlich erstellt, einen kleinen Sprung nach oben macht. Bei minus 8,08 Punkten lag der Barometerwert im vierten Quartal 2020, im ersten Quartal 2021 sind es noch minus 4,86 Zähler (plus 3,22 Punkte). Das spricht dafür, dass sich die verhaltene Stimmung der Finanzierer trotz andauerndem Corona-Lockdown leicht aufgehellt hat.

Neugeschäft von vielen Finanzierern positiv bewertet

"Meiner Meinung nach haben die Institute ihre Erwartungen an die Pandemie-Situation angepasst und herabgeschraubt", sagt Manuel Köppel, Chief Financial Officer (CFO) der BF.direkt. Diese niedrigen Erwartungen müssten bei der Interpretation der Ergebnisse bedacht werden.

Die Finanzierungsbedingungen werden von mehr als jedem zehnten Finanzierer (13 Prozent) derzeit wieder progressiver eingeschätzt als zum Jahresende 2020, das ist ein Plus von 5,5 Prozentpunkten. Deutlich verbessert hat sich die Einschätzung des Neugeschäfts. Hier sehen knapp die Hälfte (46,7 Prozent) der Befragten einen Anstieg. Das ist eine deutliche Zunahme von 19,7 Prozentpunkten gegenüber dem vierten Quartal 2020.

Die Stimmung unter den Immobilienfinanzierern im ersten Quartal 2021

Grafik BF-Quartalsbarometer Q1_2021

Starke Risikoaversion der Banken lässt nach

Bei neuen Deals hat der starke Einfluss der Risikoabteilung der Banken nachgelassen. Er beträgt im ersten Quartal 2021 nur noch rund 13 Prozent, nach rund 29 Prozent im Vorquartal. Die Institute zeigen sich aber weiterhin vorsichtig, vor allem bei den Assetklassen Hotel sowie stationärer Einzelhandel und Shopping-Center. Nur noch jedes zehnte Institut (10,7 Prozent) würde Developments von Hotels und jedes fünfte (21,4 Prozent) Developments von Einzelhandelsimmobilien und Shopping-Centern finanzieren.

Die durchschnittlichen Margen sind im Laufe der Corona-Krise deutlich gestiegen, jetzt bewegen sie sich seitwärts. Bei Bestandsimmobilien liegen die Margen im Durchschnitt bei 146 Basispunkten, nach 150 Basispunkten im vierten Quartal 2020; bei den Projektentwicklungen stagnieren sie im aktuellen BF.Quartalsbarometer bei 231 Basispunkten (Vorquartal: 234 Basispunkte). Die Loan-to-Values (LTV) bei Bestandsfinanzierungen bleiben niedrig. Sie sind im Schnitt auf 66 Prozent gefallen (minus 0,7 Prozentpunkte).

Finanzierer: Homeoffice hat Einfluss auf Lageanforderungen von Büros

In der aktuellen Untersuchung hat Bulwiengesa die Institute auch gefragt, wie sie die Auswirkungen der anhaltenden Homeoffice-Nutzung auf die Nachfrage nach Büroflächen einschätzen. Hier ist die Mehrheit der Immobilienfinanzierer der Meinung, dass sich das Homeoffice bei zwei Tagen pro Woche einpendelt und dass die Unternehmen auch weiterhin Büroflächen auf Vorkrisenniveau nachfragen werden – allerdings mit einer stärkeren Differenzierung zwischen zentralen und peripheren Lagen.

"Zwar wird die zunehmende Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice einen gewissen Effekt auf die Büroflächennachfrage haben, aber die Auswirkungen des zu erwartenden Konjunkturrückgangs werden deutlich stärker sein", erwartet Professor Steffen Sebastian, Inhaber des Lehrstuhls für Immobilienfinanzierung an der IREBS, Universität Regensburg und wissenschaftlicher Berater des BF.Quartalsbarometers. "Aktuell werden noch viele Auswirkungen der Krise von den Maßnahmen der Regierung weggedrückt."

Wann und wie stark die Konjunktur einbricht, sei aufgrund der hohen Unsicherheit kaum prognostizierbar, so der Experte. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2021 auf rund drei Prozent gesenkt. Ende Oktober 2020 waren noch 4,4 Prozent prognostiziert.

Corona-Schock ist Vergangenheit

Auf dem bisherigen Höhepunkt der Corona-Pandemie zwischen März und April 2020 war die Unsicherheit unter den Immobilienfinanzierern deutlich größer als jetzt. Erst im August des vergangenen Jahres lösten sich die Finanzierer allmählich aus ihrer Schockstarre. Schon im dritten Quartal 2020 (minus 7,97 Punkte) fiel die allgemeine Einschätzung der Lage wieder deutlich positiver aus als noch im zweiten Quartal (minus 15,24 Punkte) – im vierten Quartal blieb der Barometerwert mit minus 8,08 Punkten weitgehend stabil. Daran änderte auch der zweite Lockdown im November 2020 aufgrund der zweiten Corona-Welle nicht viel.

63 Prozent (drittes Quartal: 60 Prozent; zweites Quartal: 80 Prozent) der Experten schätzten im vierten Quartal 2020 die Lage als restriktiver ein. Nur sieben Prozent der Finanzierer gingen von progressiveren Bedingungen aus. Der positive Trend beim Neugeschäft zeichnete sich Ende 2020 bereits ab. Knapp 27 Prozent der Experten erwarteten, dass das Neugeschäft zulegen würde. Die Risikominimierung erhielt im vorigen Quartalsbarometer noch mit den größten Zuspruch (19,3 Prozent).

Zum BF.Quartalsbarometer Q1/2021

  

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