Berlin Hyp Trendbarometer: Lage am deutschen Immobilienmarkt

Der deutsche Markt für gewerbliche Immobilien wird im europäischen Vergleich quasi keine Krisen-Schwäche zeigen. Nur ein Fünftel der von Berlin Hyp für das "Trendbarometer" befragten Experten rechnet mit Durststrecken. Die Mehrheit ist optimistisch. Sparen wollen viele bei der Nachhaltigkeit.

64 Prozent der Umfrageteilnehmer im aktuellen Berlin Hyp "Trendbarometer" halten den deutschen Gewerbeimmobilienmarkt für "etwas" (45 Prozent) beziehungsweise "viel attraktiver" (19 Prozent) im Vergleich zu anderen europäischen Märkten. Damit gibt es zwar fünf Prozent weniger Zustimmung als bei der vorigen Umfrage im zweiten Halbjahr 2019, aber die Zahl der Experten, die Deutschland für "gar nicht" (ein Prozent) oder "weniger attraktiv" (vier Prozent) halten, bleibt gering. Etwa ein Drittel (31 Prozent) der Befragten schätzt die Lage trotz Krise als unverändert ein.

Für die Studienautoren der Berlin Hyp liegen die Gründe für die Einschätzung der rund 200 befragten internationalen Marktexperten auf der Hand: Gute Krisenpolitik, schnelle Finanzhilfen und ein großes Konjunkturpaket bringen Deutschland gut durch die Coronakrise. Nur rund ein Fünftel (21 Prozent) rechnet mit einer längeren Durststrecke oder einer nur langsamen Erholung. 22 Prozent der Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass Deutschland innerhalb von Europa als sicherer (Immobilien)Hafen unangetastet bleiben und das kommende Immobilienjahr prägen wird.

Trend: Politik und Zinsniveau bestimmen das Immobilienjahr 2021

Was wird das kommende Immobilienjahr in Deutschland, das Jahr nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie, prägen? Fast die Hälfte der Experten (41 Prozent) ist überzeugt, dass es durch die wirtschaftliche Krisensituation keine starken Einbrüche am Immobilienmarkt geben wird. Eine dauerhafte Marktkorrektur ohne Aussicht auf Wiederaufschwung erwarten nur vier Prozent. Bestimmende Faktoren auf dem deutschen Immobilienmarkt werden demnach das Zinsniveau (21 Prozent) und politische Rahmenbedingungen (20 Prozent) sein. Der ehemalige Megatrend demografischer Wandel liegt mit zwei Prozent auf dem hintersten Platz.

Sorgen machen sich viele der Marktplayer um Mietausfälle und Insolvenzen. 43 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen darin das größte Risiko für den deutschen Immobilienmarkt. Dass die Nachfrage bei der gewerblichen Immobilienvermietung nachlässt, glaubt rund ein Viertel der Experten (26 Prozent). Dauerhafte Preiskorrekturen (acht Prozent) oder Schwierigkeiten bei laufenden Finanzierungen (13 Prozent) werden seltener befürchtet.

Trend zu Desksharing und mehr Flexibilität zwischen Büro- und Heimarbeit

Auf die Frage, welcher Sektor die Folgen der Coronakrise am schnellsten verdaut haben wird, nannten 31 Prozent der Umfrageteilnehmer die Assetklasse Wohnen. Wohnraum sei vor allem in den Ballungsgebieten knapp – sodass in kürzester Zeit Nachmieter zu besseren Konditionen gefunden werden könnten. Auch waren die Mietausfälle im Rahmen. Auch Logistik (25 Prozent) sowie Sozial- und Pflegeimmobilien (20 Prozent) wird viel Potenzial zugeschrieben.

Eine wesentlich längere Erholungsphase wird für die Assetklassen Büro (sieben Prozent), Einzelhandel (2,5 Prozent), Shopping-Center (1,5 Prozent) und Hotel (ein Prozent) erwartet. Hier wird den Experten zufolge ein Umdenken stattfinden müssen. Büroflächen werden durch zwei gegenläufige Effekte geprägt sein: Zum einen wird mehr Platz benötigt, um die Ansteckungsgefahr klein zu halten – zum anderen Seite wird der Trend zu Desksharing und mehr Flexibilität zwischen Büro- und Heimarbeit den Bedarf an Büroflächen drücken.

Trendthema Nachhaltigkeit rückt infolge der Coronakrise häufig in den Hintergrund

Die Krise kann als Beschleuniger der Transformation gesehen werden– diese Vorstellung teilen 42 Prozent der Teilnehmer am Trendbarometer. Sie erwarten, dass das Thema noch wichtiger werden wird. Immerhin ein Viertel (24 Prozent) glaubt, dass die Transformation durch die neu aufgelegten Förder- und Hilfsprogramme weiter vorangetrieben wird. Interessant ist jedoch, dass für ein Drittel der Experten (32 Prozent) das Thema in den Hintergrund tritt oder gar keinen Einfluss hat.

Die Berlin Hyp veröffentlicht die Expertenumfrage "Trendbarometer" seit 2013 zweimal jährlich. In der Online-Umfrage im Juni 2020 haben 210 Immobilienexperten ihre Erwartungen für das kommende Immobilienjahr preisgegeben. Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer (49 Prozent) sind Banken, der Rest teilt sich auf in Investoren, Gutachter / Wertermittler, Bestandshalter / Verwalter, Projektentwickler, Bauträger, Makler sowie Versicherer / Kapitalanlagegesellschaften. 93 Prozent davon haben den Unternehmenssitz in Deutschland.


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