Immobilienfinanzierung: Liquidität hat in der Krise Priorität

Die Coronakrise stellt Unternehmen, aber auch Privatinvestoren und Einzeleigentümer vor die Aufgabe, Liquidität in schwierigen Zeiten abzusichern. Wie wirkt sich das auf die Finanzierung von Immobiliengeschäften aus? Vier Fragen an Mirjam Mohr, Vorstand Privatkundengeschäft bei der Interhyp AG.

Frau Mohr, wie wirkt sich Corona mittelfristig auf Fragen der Immobilienfinanzierung in Deutschland aus?

Mirjam Mohr: Die Pandemie hat Folgen für die Entwicklung von Angebot und Nachfrage. Beim Angebot sehen wir, dass einzelne Banken jetzt zum Beispiel auf etwas mehr Eigenkapital achten. Und die Nachfrage wird vor allem davon abhängen, wie lange die momentane Situation anhält und ob viele Menschen Probleme mit der Leistbarkeit einer Immobilie bekommen werden. Dann wären auch Preiskorrekturen auf dem Markt zu erwarten. Derzeit sehen wir aber weiterhin eine anhaltende Nachfrage nach Immobilien und Finanzierungen. Schon jetzt sichtbar ist: Corona hat zu einem Digitalisierungsschub in der Branche geführt. Mehr als zuvor ist online möglich, es gibt Videobesichtigungen oder -legitimationen, viele Banken nehmen digitale Unterlagen an.

Mit welchen Anliegen treten Kunden gerade an Sie heran?

Die meisten unserer Kunden wollen eine Immobilie zur Eigennutzung kaufen, das war auch schon vor der Coronakrise so. Die Menschen bewegt nach unserer Einschätzung derzeit aber häufiger die Frage, ob sie sich eine Finanzierung dauerhaft leisten können. Sie fragen zum Beispiel danach, was passieren würde, wenn sie in Kurzarbeit gehen müssten oder arbeitslos würden. Auch gibt es viele ganz praktische Fragen – etwa, ob und wie Besichtigungen stattfinden können oder wie ein Notartermin möglich ist. Daneben gibt es momentan auch viele Eigenheimbesitzer mit bestehenden Krediten, die sich die günstigen Zinsen für ihre Anschlussfinanzierung sichern wollen – vielleicht weil sie eher von steigenden Zinsen in Zukunft ausgehen.  

Welche Rolle spielen Liquiditätsprobleme?

Wer wegen der Coronakrise in Zahlungsschwierigkeiten gerät, wendet sich in erster Linie an den bestehenden Kreditgeber. Die Kunden, die sich an uns wenden, etwa weil wir sie an die Bank vermittelt hatten, informieren wir natürlich über ihre Möglichkeiten. Wir raten ihnen, auf jeden Fall ins Gespräch mit der Bank zu gehen. Wir sehen, dass viele Banken kulant und flexibel reagieren.

Wie genau reagieren Banken jetzt?

Bei Zahlungsschwierigkeiten von Privatleuten in der Coronakrise ist eine dreimonatige Stundung der Zins- und Tilgungsleistung seit kurzem gesetzlich geregelt. Wir raten, sich darüber gut zu informieren und auf das Kreditinstitut zuzugehen. Oft sind individuelle Lösungen möglich und sinnvoll. Tilgungsaussetzungen sind zum Teil länger als gesetzlich geregelt möglich. Bei Neufinanzierungen raten wir dazu, auf eine langfristig tragfähige Finanzierung zu setzen – zum Beispiel mit langen Zinsbindungen von mehr als zehn Jahren und hohen Anfangstilgungen von drei Prozent und mehr. Tilgungssatzwechsel oder Optionen zur Sondertilgung halten die Finanzierung dennoch flexibel. 


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienfinanzierung, Liquidität