Projektentwickler-Studie

Hebel für den Aufschwung beim Wohnungsbau ab 2027


Hebel für den Aufschwung beim Wohnungsbau ab 2027

Die Baustarts sind weiterhin kritisch im Segment Wohnen, doch die Stimmung am Markt dreht sich. Laut einer Studie von Bulwiengesa könnte 2027 der Aufschwung kommen – wenn sich bezahlbare Standards etablieren. Nadelöhr bleibt die Finanzierung.

Die Zahlen aus dem aktuellen Development Monitor von Bulwiengesa spiegeln die Schwere der Krise wider: Für 2026 wird mit zirka 150.000 fertiggestellten Wohnungen im Geschosswohnungsbau der quantitative Tiefpunkt erwartet, doch die Projektentwickler bereiten sich auf einen neuen Zyklus vor.

Gemeinsam mit dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) als Kooperationspartner und Experten der Kreditbanken BayernLB sowie DKB wurde in einem Webinar analysiert, warum trotz niedriger Fertigstellungszahlen wieder vorsichtiger Optimismus einkehrt.

Projektentwicklung: Neuer Zyklus beim Wohnungsbau

Während die Statistik noch die niedrigen Fertigstellungen der Krisenjahre verarbeitet, sind die Studienautoren der Auffassung: Transparenz in neuen Segmenten wie dem Seniorenwohnen und eine Entschlackung regulatorischer Hürden sind nun die Hebel für den Aufschwung ab 2027.

Zwar ist das Volumen der Wohnflächen im Vergleich zum Vorjahr leicht um 1,8 Prozent auf 66,5 Millionen Quadratmeter gesunken, doch die Stimmung dreht sich. "Wir haben den Tiefpunkt nun endgültig erreicht", so André Adami, Head of Residential bei Bulwiengesa, die Marktaktivität ziehe spürbar an.

"Aktuell erblühen die Knospen im Wohnungsbau wieder – wir befinden uns im Frühjahr eines neuen Zyklus", so Adami. "Projektentwickler kaufen wieder Grundstücke und wollen loslegen." Ab 2027 sei dann wieder mit einer nachhaltigen Steigerung der Fertigstellungen zu rechnen.

Die Realisierung hängt jedoch Bulwiengesa zufolge weiterhin an den Finanzierungsbedingungen. Geopolitische Instabilitäten und das Zinsniveau haben die Risikobewertung der Banken grundlegend verändert.

Finanzierung: Hohe Eigenkapitalquoten

Trotz der neuen Zuversicht bleibt der Gordische Knoten bei der Finanzierung bestehen. Banken fordern – differenziert nach Assetklassen und Sicherheitenstruktur – weiterhin hohe Eigenkapitalquoten von rund 25 Prozent und hohe Vorvermarktungsquoten.

Experten der BayernLB und DKB betonten im Webinar jedoch, dass bei hoher Professionalität und Objektqualität zunehmend wieder attraktive Finanzierungsanfragen für neue Projekte realisiert werden können, auch wenn angepasste Finanzierungsbedingungen zu Grunde gelegt werden.

"Die Zahlen zeigen es: 2026 wird ein verlorenes Jahr werden, wenn nicht entschlossen gehandelt wird", so BFW-Bundesgeschäftsführer Andreas Beulich. Er mahnte die Politik, Gas zu geben. Der Verband fordere bezahlbare Standards und sehe im Gebäudetyp E eine zentrale Chance, um genehmigte, aber noch nicht begonnene Projekte endlich in die Umsetzung zu bringen.

Seniorenwohnen: Neu erfasst für Investoren

Ein Novum der aktuellen Auswertung des Development Monitors ist die detaillierte Erfassung des Segments Seniorenwohnen. Mit einem Volumen von rund 7,5 Millionen Quadratmeter zeigt sich hier ein wachsender Markt. "Angesichts des demografischen Wandels ist das Seniorenwohnen längst keine Nische mehr", sagte Felix Embacher, Business Owner Riwis bei Bulwiengesa. Durch die separate Erfassung werde erstmals die notwendige Transparenz geschaffen, um Investitionsentscheidungen in diesem Segment auf eine valide Datenbasis zu stellen.

Abseits des Wohnungsbaus zeigt der Development Monitor eine differenzierte Entwicklung: Die stärkste Korrektur mit Blick auf das zweite Halbjahr 2025
zeigte sich bei den neu entwickelten Büroflächen mit einem Minus von 11,7 Prozent auf 27,4 Millionen Quadratmeter. Hier dominiert am Markt die Flucht in ESG-konforme Spitzenqualitäten sowie Konversionen von Bestandsflächen. Bei den Logistikflächen ist der Rückgang um 2,7 Prozent auf 54,1 Millionen Quadratmeter moderater. Getrieben wird die stabile Entwicklung durch Nearshoring und moderne Automatisierung.

Über den Development Monitor

Der Development Monitor erfasst kontinuierlich die Projektentwicklertätigkeit in Deutschland und umfasst 22.908 Projekte mit insgesamt 178,3 Millionen Quadratmetern Projektfläche. Stichtag war der 31.12.2025. Der Fokus liegt auf den Nutzungen Wohnen, Büro, Handel, Logistik und Hotel bei Projekten ab zirka 1.500 Quadratmetern mit Fertigstellung zwischen 2022 und 2029.

Das Webinar mit Auswertung der Studie auf Basis von Daten von Bulwiengesa und Fachdiskussion fand am 29.1.2026 statt.

Webinar zum Development Monitor: Was baut Deutschland? Aktuelle Zahlen (Aufzeichnung bei YouTube)


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Schlagworte zum Thema:  Studie , Projektentwicklung
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