05.04.2016 | Savills/Dr. Lübke & Kelber

Wohninvestments: Angebotsmangel im Bestand rückt Projekte in den Fokus

Wohnungsmangel: Größere Zukäufe nur noch im Projektentwicklungssegment möglich
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Transaktionsvolumen am deutschen Wohninvestmentmarkt ging im ersten Quartal 2016 gegenüber dem Vorjahresquartal um 85 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro zurück. Ein Grund ist das knappe Angebot, was Projektentwicklungen attraktiver macht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Savills. Einer Analyse von Dr. Lübke & Kelber zufolge wurden in den ersten drei Monaten 2016 rund 1,8 Milliarden Euro umgesetzt.

Allerdings sorgte laut Savills die Übernahme der Gagfah durch die Deutsche Annington 2015 auch für den höchsten je in einem Quartal registrierten Umsatz. Lässt man diese Transaktion unberücksichtigt, so ergäbe sich im Vorjahresvergleich ein Umsatzplus von 27 Prozent.

Dennoch deute sich für 2016, auch wegen der gescheiterten Übernahme der Deutsche Wohnen durch Vonovia, ein deutlicher Umsatzrückgang an. Ein weiterer wesentlicher Grund hierfür ist Savills zufolge die extrem geringe Verkaufsneigung der Eigentümer. Verkäufe größerer Wohnungspakete werden deshalb in diesem Jahr die Ausnahme bleiben.

Steigende Zahl von Kaufgelegenheiten nur im Projektentwicklungssegment

Im ersten Quartal wechselten lediglich vier Portfolios mit jeweils mindestens 1.000 Einheiten den Eigentümer. Im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre waren es mehr als doppelt so viele. Zudem beobachtet Savills "eine drastische Angebotsverknappung, die sich auch im Preisniveau widerspiegelt. In den letzten drei Monaten stiegen die Preise nochmals deutlich auf nun knapp 76.000 Euro je Einheit an“, sagt Karsten Nemecek, Managing Director Corporate Finance – Valuation bei Savills Germany.

„Der Aufbau größerer homogener Portfolios ist in dem aktuellen Marktumfeld kaum noch möglich und lässt sich am ehesten mit einer Beteiligung an bestehenden Plattformen realisieren“, so Matthias Pink, Director und Head of Research bei Savills Germany.

Eine steigende Zahl von Kaufgelegenheiten lasse sich einzig im Projektentwicklungssegment beobachten. Das mit Projektentwicklungen erzielte Transaktionsvolumen war mit zirka 540 Millionen Euro höher als in jedem Quartal des Vorjahres. Aufgrund der deutlich steigenden Neubauaktivität ist laut Savills im weiteren Jahresverlauf mit einer Fortsetzung dieses Aufwärtstrends zu rechnen.

Dr. Lübke & Kelber: Weitestgehend kleinteilige Transaktionen

Im ersten Quartal 2016 wurden Dr. Lübke & Kelber zufolge insgesamt rund 1,8 Milliarden Euro auf dem deutschen Wohnimmobilienmarkt investiert. Das Transaktionsvolumen liegt auch damit weit unter dem des ersten Quartals 2015 mit 10,6 Milliarden Euro.

"Aber auch ohne die Gagfah-Übernahme entsprach das Transaktionsvolumen des ersten Quartals 2016 nur zirka zwei Dritteln des letztjährigen Ergebnisses", sagt Ulrich Jacke, Geschäftsführer der Dr. Lübke & Kelber GmbH.

Gute Marktverfassung trotz ausgebliebener Großdeals

Laut Dr. Lübke & Kelber wurden zwischen Januar und März 2016 je verkaufter Wohneinheit durchschnittlich rund 86.400 Euro erzielt. Das entspricht einem Anstieg von rund 33 Prozent gegenüber dem Gesamtjahresergebnis 2015 und ist insbesondere auf einen deutlich gestiegenen Anteil von gehandelten Projektentwicklungen zurückzuführen.

Bei insgesamt 95 Transaktionen wurden rund 20.900 Wohnungen verkauft (Q1 2015: etwa 39.500 Wohneinheiten in 128 Transaktionen, ohne Berücksichtigung der Gagfah-Übernahme). Insgesamt gab es im betrachteten Zeitraum nur fünf Transaktionen mit mehr als 1.000 Wohneinheiten. Auch das durchschnittliche Transaktionsvolumen mit rund 19 Millionen Euro je Deal lag laut Dr. Lübke & Kelber je verkaufter Wohneinheit deutlich unter dem Wert der vorherigen Gesamtjahre.

Deutsche Investoren dominieren

Der Anteil am Transaktionsvolumen der internationalen Käufergruppe ist im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum Gesamtjahr 2015 Lübke & Kelber zufolge von zehn auf 22 Prozent gestiegen. Investoren aus Deutschland dominierten dennoch das Marktgeschehen. Mit einem Marktanteil von rund 78 Prozent erreichte das Transaktionsvolumen rund 1,4 Milliarden Euro.

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Schlagworte zum Thema:  Investment, Wohnimmobilien, Studie, Projektentwicklung

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