Bild: Michael Bamberger

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 284.800 Wohnungen fertig gestellt, so viele wie seit 2002 (284.000) nicht mehr und 2,6 Prozent (7.100) mehr als 2016. Das teilt das Statistische Bundesamt (Destatis) mit. Während die Baugenehmigungen um 7,3 Prozent auf 347.900 gewachsen sind, stieg der Überhang an genehmigten, noch nicht fertig gestellten Wohnungen auf 653.300. Ein höherer Wert wurde zuletzt 1999 (679.200) registriert.

Unter den Fertigstellungen waren 245.300 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (plus 4,1 Prozent), der Rest entstand durch Baumaßnahmen im Bestand. Auf Mehrfamilienhäuser entfielen den Statistikern zufolge 122.800 Wohnungen (plus 6,7 Prozent). Um die starke Nachfrage nach Immobilien zu decken, sind nach Ansicht von Politik und Bauwirtschaft weit mehr nötig: Sie veranschlagen dafür jährlich 350.000 bis 400.000 neue Wohnungen.

Der Anstieg sei voraussichtlich nur noch von kurzer Dauer, kommentiert BFW-Präsident Andreas Ibel die Zahlen. Ibel verwies in seiner Analyse auf den zeitlichen Verzug von zwei bis drei Jahren, mit denen die Baufertigstellungszahlen der Entwicklung der Baugenehmigungen folgen. Diese zeitliche Differenz entspreche der Bauzeit der genehmigten Gebäude. "Da die Baugenehmigungen des Jahres 2017 um 7,3 Prozent gesunken sind, werden auch die Baufertigstellungszahlen zwangsläufig wieder zurückgehen", so Ibel weiter.

Die Dynamik im Wohnungsbau hat dem Statistischen Bundesamt zufolge auch in den ersten drei Monaten 2018 weiter nachgelassen: Im Vergleich zum ersten Quartal 2017 sind die Baugenehmigungszahlen um weitere 1,7 Prozent gesunken.

Ibel: Rückgang der Genehmigungen wird langfristige Folgen haben

Dieser Rückgang der Baugenehmigungen im Jahr 2017 wird sich Ibel zufolge voraussichtlich in wenigen Jahren abbilden, wenn der derzeitige Überhang an genehmigten, aber noch nicht gebauten Projekten abgearbeitet ist. Der Überhang sei auch durch Vorzieheffekte durch die Einführung der EnEV 2016 bedingt, meint Ibel: Diese habe zu einem starken Anstieg der Baugenehmigungszahlen beim Jahreswechsel 2015/16 geführt.

Prognose der BFW-Konjunkturumfrage

Ein weiterer Indikator für die künftige Entwicklung der Baufertigstellungszahlen sieht Ibel in der aktuellen Umfrage unter den BFW-Mitgliedsunternehmen, die für rund 50 Prozent des Wohnungsneubaus in Deutschland zuständig sind.

"60 Prozent der BFW-Unternehmen haben festgestellt, dass sich die Rahmenbedingungen für den Neubau im vergangenen Jahr verschlechtert haben", sagt Ibel. Das im Koalitionsvertrag festgeschriebene Ziel von jährlich 375.000 neuen Wohnungen werde so nicht annähernd erreicht. "Mittelfristig können die Fertigstellungszahlen sogar wieder in Richtung 250.000 Wohneinheiten zurückgehen, falls entscheidende Impulse aus der Politik ausbleiben", so Ibel abschließend.

In der neuesten Projektentwicklerstudie des Analystenhauses Bulwiengesa stagniert der Markt in Deutschland. Für die mangelnde Dynamik sei der Wohnungsbau verantwortlich.

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Schlagworte zum Thema:  Baugenehmigung, Wohnimmobilien, Statistisches Bundesamt

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