Studie: Ende des Booms im Wohnungsbau in Sicht

Auftragsstau, zu wenige Fachkräfte und ein Mangel an Flächen sorgen dafür, dass das Wachstum im Wohnungsbau nachlässt, heißt es in einer Studie von EY Parthenon. An der Preisdynamik ändert sich jedoch vorerst nichts. Hier sieht das Beratungsunternehmen Möglichkeiten in der Modulbauweise.

Die Baupreise dürften laut der Studie "Hochbauprognose 2019" von EY Parthenon weiterhin schneller steigen als die Inflation, was folglich die Immobilienpreise und Wohnungsmieten bei Neubauten in die Höhe treibe.

"Angesichts des wachsenden Auftragsbestands ist auch in den kommenden Jahren mit weiteren Preissteigerungen zu rechnen." Björn Reineke, Partner bei EY Parthenon.

Dazu trage auch das Baukindergeld der Bundesregierung bei, das die Nachfrage weiter stimuliere.

Bauland bleibt knapp

2018 hatte der starke Wohnungsbau dem Hochbau ein preisbereinigtes Wachstum von 2,9 Prozent beschert, so die Studie. Vor allem gewerbliche Bauherren investierten viel Geld in Geschosswohnungen: Der Wohnungsneubau legte mit plus sechs Prozent deutlich zu. Das Renovierungsgeschäft im privaten Wohnungsbau, das mit 43 Prozent den größten Teil des Hochbauvolumens ausmacht, trug wesentlich zum Wachstum bei, obwohl die Wachstumsrate mit 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (plus 5,5 Prozent) gesunken ist. 

2019 dürfte den Beratern zufolge das Bauvolumen inklusive Umbauten und Renovierungen noch einmal um 2,3 Prozent steigen. Aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen und großen Nachfrage nach Immobilien sei 2020 eventuell noch mit einem Plus von 1,6 Prozent zu rechnen; 2021 mit einer Rate von nur 0,9 Prozent.

"Der Hochbau kann den aktuellen Auftragsüberhang auch aufgrund von Kapazitätsengpässen nicht schneller abarbeiten." Axel Schäfer, Partner bei EY Parthenon

Die Unternehmen seien höher ausgelastet als im Boom nach der Wiedervereinigung. Auch bleibe Bauland gerade in Ballungszentren knapp.

Fachkräftemangel treibt Baupreise

Ein weiteres Problem ist der Studie zufolge, dass die Unternehmen nur schwer Fachkräfte finden. Auch das treibe die Baupreise. Diese seien 2018 für Neubauten um bis zu 4,5 Prozent gestiegen. Renovierungen verteuerten sich laut EY Parthenon im Durchschnitt um vier Prozent.

Bisher hat die Bauwirtschaft laut EY Parthenon immens vom Immobilienboom profitiert: 2018 stieg der Umsatz um rund elf Prozent auf einen Rekordwert von 127 Milliarden Euro. 2019 erwartet der Branchenverband HDB ein Plus von sechs Prozent. Das Ziel der Bundesregierung, pro Jahr 375.000 neue Wohnungen zu bauen, wurde bisher verfehlt.

Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) waren die Umsätze im Bauhauptgewerbe im Januar 2019 um 6,2 Prozent höher als im Januar 2018. Wie die Statistiker nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilen, waren im Januar 2019 im Bauhauptgewerbe 2,8 Prozent mehr Beschäftige tätig als im Vorjahresmonat.

Modulare Bauweise und Digitalisierung mit Aufholpotenzial

Mit modularer Bauweise, meint EY Parthenon, könnte Zeit und Geld gespart werden. Die zentral geplanten und vorgefertigten Bauteile müssten auf den Baustellen nur noch zusammen gesetzt werden. So könnten sich Bauprojekte um zwei bis fünf Monate verkürzen und die Kosten um fünf bis zehn Prozent sinken.

Auch die Digitalisierung berge Spielraum für mehr Effizienz. "Das Baugewerbe hat hier im Vergleich zu anderen Branchen viel Aufholpotenzial", kritisieren die Berater.


Das könnte Sie auch interessieren:

Interview: "Die einzige Platte beim Modulbau ist die Bodenplatte"

KfW-Studie: Fachkräftemangel bremst Bau neuer Wohnungen