Der Wachstumstrend im deutschen Hochbau wird in diesem Jahr an Dynamik einbüßen. Die Nettosteigerung wird 2018 bei zwei Prozent liegen, nach 2,6 Prozent im vergangenen Jahr, wie eine Prognose der Strategieberatung EY-Parthenon zeigt. Während 2017 der Wohnungsbau wesentlicher Treiber war, werden sinkende Mietrenditen in den Ballungsgebieten sowie rückläufige Wohnungsbaukredite und Baugenehmigungen das Wachstum bremsen.

2019 erwartet EY-Parthenon ein Wachstum von 1,3 Prozent, 2020 werde das Wachstum nur noch 0,7 Prozent betragen. Im Jahr 2017 hatte der Wohnungsbau gegenüber 2016 um 3,2 Prozent zugelegt, ergänzt durch ein leichtes Wachstum im Nichtwohnungsbau mit plus 1,3 Prozent. Das Volumen neuer Baugenehmigungen war mit Ausnahme von Ein- und Zweifamilienhäusern (minus 0,7 Prozent) höher als im Vorjahr. Destatis zufolge ging die Zahl der Baugenehmigungen von Neubauwohnungen 2017 gegenüber dem Vorjahr insgesamt um fünf Prozent zurück.

Aufgrund des hohen Auftragsbestands, der immer noch vorteilhaften Finanzierungsbedingungen und eines anhaltenden Wohnungsdefizits vor allem in Großstädten, rechnet EY-Parthenon auch weiterhin mit Wachstum im deutschen Hochbau.

Baupreise steigen auch künftig stärker als Inflation und Mietpreise

Zwischen 2011 und 2016 stiegen die Baupreise stärker als die Verbraucherpreise: Getrieben durch die geringe Inflationsrate und den zunehmenden Auftragsstau in der Baubranche. Dieser Trend setzte sich 2017 fort. Die Preise für Neubauten stiegen 2017 um drei bis 3,3 Prozent, während die Preise für Renovierungen um 3,3 Prozent stiegen.

Für die kommenden Jahre erwartet EY-Parthenon weitere Preissteigerungen oberhalb der Inflationsrate, da der Auftragsstau nur langsam abgebaut werde. Noch ermöglichten die niedrigen Zinsen noch gute Renditen, dies werde sich bei steigenden Zinsen jedoch ändern, so Volkmar Schott, Partner bei EY-Parthenon. "Dieser Effekt ist in großen Ballungsräumen ist deutlich stärker als in Mittelzentren, die dadurch für Investoren zunehmend interessant werden".

Wohneigentum wichtiges Sparmotiv   kaum Anzeichen für Immobilienblase

Die Sparquote blieb 2017 EY-Parthenon zufolge im Vergleich zu 2016 konstant bei 9,7 Prozent, während das verfügbare Einkommen um 3,9 Prozent stieg, wobei Wohneigentum wieder an Bedeutung gewonnen hat. 40,7 Prozent der Befragten nannten Wohneigentum als eines der wichtigsten Sparmotive. Das entspricht einer Steigerung von zwei Prozentpunkten gegenüber 2016.

Inwieweit sich in Deutschland eine Immobilienblase entwickelt, ist laut der Studie nicht eindeutig zu erkennen. Zwar seien erste Anzeichen für eine Blase sichtbar: Die Kaufpreise steigen insbesondere in Ballungszentren schneller als die Mietpreise, und niedrige Zinsen wie auch die anhaltend hohe Nachfrage treiben die Bautätigkeit an andererseits sind einige Kriterien, die in anderen Ländern vor dem Platzen einer Immobilienblase zutrafen, in Deutschland derzeit nicht erfüllt. Die Bundesbank geht davon aus, dass Preisübertreibungen in den deutschen Großstädten zunehmen werden.

>> Empirica: Höhere Grundsteuer könnte Blasengefahr senken

Digitalisierung schafft Wettbewerbsvorteil für die Zukunft

In einem nach Auffassung von EY-Parthenon insgesamt doch positiven Umfeld stellt eine Reihe von Marktentwicklungen die Unternehmen der Baubranche vor inhaltliche Herausforderungen. Trends wie die Industrialisierung und Modularisierung der Gebäudeerrichtung oder die Digitalisierung des Bauprozesses werden die Branche demnach beeinflussen und die Nachfrage verändern.

"Strategisch gut aufgestellte Bauunternehmen sind jetzt dabei, neue digitale Kompetenzen aktiv in ihre Geschäftsmodelle zu integrieren und für die Verbesserung Ihre Produkte und Dienstleistungen zu nutzen", sagt Axel Schäfer, ebenfalls Partner für den Bausektor bei EY-Parthenon in Deutschland. Dies stelle in Zeiten hoher Auslastung zwar eine besondere Herausforderung dar, schaffe aber für die künftige Entwicklung mit nachlassendem Wachstum Wettbewerbsvorteile – in Deutschland und international.

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Schlagworte zum Thema:  Hochbau, Wohnungsbau, Studie