Deutschlands Baukrise: Wann kommt die Wende?
Nach einem Rückgang der Bautätigkeit um 3,6 Prozent (2024) und 1,9 Prozent (2025) erwartet die Strategieberatung EY-Parthenon für 2026 ein leichtes Minus von 0,2 Prozent. Eine echte Trendwende ist frühestens ab 2027 zu erwarten – mit einem realen Wachstum von lediglich 0,8 Prozent. Das Vorkrisenniveau bleibt mittelfristig außer Reichweite.
Besonders hart trifft es demnach erneut den Wohnungsneubau: Eigenheime und der Geschosswohnungsbau haben 2025 jeweils 6,9 Prozent verloren. Hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und unsichere Förderbedingungen bremsen Bauherren und Investoren aus. Auch energetische Sanierungen, sonst ein Puffer in Krisenzeiten, gingen zurück.
Weniger Eigenheime, weniger Modernisierung
Der private Wohnungsbau ist laut Studie von der allgemeinen Hochbaukrise besonders stark betroffen. Deutlich gestiegene Baukosten, anhaltend hohe Immobilienpreise und verteuerte Kredite haben den Eigenheimbau und die Modernisierung nahezu zum Stillstand gebracht. Vor allem energetische Sanierungen im Bestand bleiben aus, da viele Eigentümer angesichts unsicherer Förderbedingungen und hoher Kosten zögerten.
Angesichts unsicherer Konjunktur- und Beschäftigungsperspektiven scheuen private Bauherren die hohen Finanzierungslasten und schieben Bauvorhaben auf. Gezielte Fördermaßnahmen – etwa zinsgünstige KfW-Kredite für energieeffizientes Bauen – könnten laut EY-Parthenon wieder finanzielle Spielräume schaffen und das Vertrauen stärken. Ab 2027 wird deshalb mit einer verhaltenen Belebung im privaten Wohnungsbau gerechnet,
gehemmt durch anhaltend hohes Niveau von Zinsen und Baukosten.
Die Zuwächse in Neubau und Sanierung erfolgen von einem stark geschrumpften Niveau aus und dürften laut Studie überschaubar bleiben.
Geschosswohnungsbau: politischer Handlungsdruck wächst
Auch der investorengetriebene mehrgeschossige Wohnungsbau steckt der neuen Studie von EY-Parthenon zufolge in einer Krise. Geplante Bauprojekte wurden auf Eis gelegt oder abgesagt. Große Bestandshalter wie Wohnungsgenossenschaften und Immobilienkonzerne drosseln die Neubautätigkeit.
Damit steige der politische Handlungsdruck, die Investitionsbedingungen zu verbessern: Die geplante Novelle des Baugesetzbuchs (große BauGB-Novelle), zusätzliche Fördermittel im Wohnungsbau und der Bürokratieabbau werden nach Angaben der Studienautoren die Rahmenbedingungen ab 2027 entlasten und Investitionen erleichtern. Auch der gewerbliche Wohnungsbau sei zinssensibel.
EY-Parthenon erwartet auch in diesem Segement ab 2027 wieder leicht steigende Investitionen, getrieben durch Nachholbedarf und Fördermechanismen für neuen Wohnraum. Die Erholung bleibe jedoch fragil, solange die Finanzierungsbedingungen angespannt seien und Unsicherheit über Mieten, Regulierung und Betriebskosten besteht. Ein starker Aufschwung sei nicht in Sicht – eher eine langsame Bodenbildung mit Lichtblicken.
Auswege aus der Krise im Hochbau: drei Hebel
Getrieben durch das 500-Milliarden-Sondervermögen des Bundes wächst laut EY-Parthenon der Infrastrukturbau real um rund vier Prozent pro Jahr – und gleicht die Schwäche im Hochbau zumindest teilweise aus. Ein Großteil der Mittel entfällt auf Programme in den Bereichen Verkehr, Energie und Digitalisierung, während hochbaubezogene Förderungen auf ausgewählte Segmente wie Bildung, Gesundheit oder Wohnungsbau begrenzt sind. Nach bisherigem Stand entfallen voraussichtlich 55 Prozent auf das Infrastruktur- und 18 Prozent auf das Hochbausegment.
Als Ausweg aus der Krise im Hochbau nennen die Experten drei Hebel: weniger Regulierung, effizientere Kostenstrukturen und eine maßvolle Preisstrategie. Positiv könnten sich zudem stabile Baukreditvergaben und politische Reformen wie Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungen auswirken. Seit 2025 fließen zudem jährlich 3,5 Milliarden Euro zusätzlich in den sozialen Wohnungsbau.
EY-Parthenon Hochbauprognose 2026 (kostenloser Download)
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Bernd Michalski
21.07.2026 12:36 Uhr
Eine Alternative im Wohnungsbau wäre die Entflechtung von der Beton-Fraktion hin zu effizienteren Bauweisen.
Ein Wohnungsbau mit Mieten für jedes Einkommen und ohne Subventionen ist nur als
Lean-Construction-Paket aus Konstruktion als das Was, Technologie als das Wie und Logistik als das Womit in prozessorientierter Montage möglich.
Weniger Material, weniger Prozesse, weniger Bauzeit, weniger Kosten.