Potenzial von sanierungsbedürftigen Immobilien
Energiepreise, Inflation und geopolitische Unsicherheiten sind zentrale Themen am Immobilienmarkt. Der Blick von potenziellen Immobilienkäufern geht verstärkt auf laufende Kosten, Energieverbrauch und Investitionen in Modernisierungen.
Wie stark die Energieeffizienz die Kaufentscheidung bereits im Kundengespräch beeinflusst und wie sich die Relevanz in den kommenden Jahren entwickeln könnte, hat die Von Poll Immobilien GmbH mit einer Experten-Umfrage untersucht. Wie eine Auswertung beim Immowelt-Portal zeigt, spielt die Nachhaltigkeit auch in den Preis.
Für Makler und Eigentümer wird Transparenz wichtiger
Energiepreise und Inflation spielen laut Umfrage im Kundengespräch eine relevante Rolle: Während 35,9 Prozent der Immobilienexperten dem Thema eine mittlere Rolle zuschreiben, sehen weitere 33 Prozent eine große und 13,4 Prozent sogar eine sehr große Bedeutung. Für 15,8 Prozent spielen diese Themen derzeit nur eine untergeordnete Rolle, während 1,9 Prozent dem Thema keine Relevanz beimessen.
"Vor allem Themen wie Heiz-, Energie- und Stromkosten, der energetische Zustand und potenzielle Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen fließen spürbar mehr in die Entscheidungsfindung ein", sagt Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei Von Poll Immobilien. Für Eigentümer und Makler bedeute das zugleich, dass Transparenz und eine nachvollziehbare Einordnung der energetischen Qualität der Immobilie wichtiger werden.
48,3 Prozent der 236 im Mai 2026 befragten selbständigen Immobilienexperten des Unternehmens berichten von einem starken Einfluss auf die Kaufentscheidung, weitere 20,6 Prozent von einem sehr starken Einfluss, während 25,8 Prozent zumindest einen mittleren Einfluss beobachten. Nur 5,3 Prozent bewerten die Bedeutung aktuell als gering, kein einziger der Befragten sieht keinen Einfluss.
Sanierungsbedürftige Immobilien bleiben grundsätzlich gefragt
Die Energieeffizienz einer Immobilie kann laut Ritter insbesondere bei vergleichbaren Immobilien ein ausschlaggebender Faktor sein: "Für Eigentümer bedeutet das zugleich, dass eine realistische Kaufpreisfindung sowie die transparente Darstellung energetischer Merkmale und möglicher Entwicklungspotenziale immer wichtiger werden." Gleichzeitig zeige sich, dass Immobilien mit nachvollziehbar dokumentiertem energetischem Zustand bei Kaufinteressenten häufig auf größeres Interesse stoßen.
Bei sanierungsbedürftigen Immobilien beobachten die Experten seit Jahresbeginn eher eine zurückhaltende Nachfrage: Während 28,2 Prozent keine Veränderung feststellen, berichten 62,6 Prozent von einer leicht oder deutlich rückläufigen Nachfrage. 8,6 Prozent registrieren ein leicht gestiegenes und 0,5 Prozent ein deutlich gestiegenes Interesse an sanierungsbedürftigen Objekten.
"Sanierungsbedürftige Immobilien bleiben grundsätzlich gefragt – vor allem in gefragten und sehr guten Wohnlagen – die Dynamik der Nachfrage hat sich jedoch spürbar verändert", so der Von-Poll-Experte weiter. Kaufinteressenten achteten deutlich stärker darauf, welche Investitionen nach dem Kauf notwendig werden könnten und wie sie sich kalkulieren lassen. Gleichzeitig sehen viele Käufer Potenzial in sanierungsbedürftigen Immobilien – vor allem, wenn Preis, Zustand und Entwicklungsmöglichkeiten zusammenpassen.
Energieeffizienz von Immobilien wird wichtiger
Für die kommenden zwei, drei Jahre erwarten die Umfrageteilnehmer einen weiteren Bedeutungszuwachs der Energieeffizienz: Mehr als die Hälfte (57,4 Prozent) geht davon aus, dass die Energieeffizienz von Immobilien wichtiger wird, 28,7 Prozent erwarten eine etwas höhere Relevanz. 8,6 Prozent rechnen wiederum mit keiner wesentlichen Veränderung, 3,8 Prozent der Befragten gehen von einer etwas geringeren und 1,4 Prozent von einer deutlich geringeren Bedeutung aus.
Es gehe längst nicht mehr ausschließlich um Nachhaltigkeitsaspekte, meint Ritter, sondern vor allem um Transparenz, laufende Kosten und die langfristige Attraktivität einer Immobilie – gerade in einem ausgeglichenen Marktumfeld, in dem Käufer wieder stärker vergleichen. Für Eigentümer komme es nun darauf an, energetische Merkmale und mögliche Entwicklungsperspektiven realistisch einzuordnen und professionell zu kommunizieren.
Energieeffizienz: Einfluss auf den Preis von Wohnimmobilien
Während eine schlechte Energiebilanz deutliche Preisabschläge nach sich zieht, erzielen besonders effiziente Gebäude deutlich höhere Preise – das sind Ergebnisse einer Auswertung von Angeboten auf der Maklerplattform Immowelt.
Untersucht wurden die Angebotspreise von Häusern und Wohnungen, die im Jahr 2025 auf dem Portal inseriert waren. Die Effizienzklasse D wurde als Vergleichsstandrad herangezogen, da er aktuell in Deutschland am weitesten verbreitet ist.
In der Berechnung wurde der Einfluss des Energiestandards auf den Angebotspreis bestimmt, während Faktoren wie Lage, Größe oder Ausstattung ausgeklammert worden sind, um den Energieeffekt sichtbarer zu machen.
Preisabschlag von bis zu 17 Prozent für ineffiziente Häuser
"Käufer achten stärker als früher auf laufende Energiekosten und mögliche Sanierungsaufwände", beobachtet Immowelt-Geschäftsführer Theo Mseka. Effiziente Gebäude erzielen demnach deutliche Preisaufschläge, während Immobilien mit schwacher Energiebilanz häufig nur über niedrigere Einstiegspreise Käufer finden.
Besonders deutlich wirkt sich laut der Analyse eine schlechte Energieeffizienzklasse auf die Angebotspreise von Häusern aus. Eigenheime mit der niedrigsten Energieeffizienzklasse H werden durchschnittlich rund 17 Prozent günstiger angeboten als vergleichbare Häuser mit dem mittleren Standard der Klasse D. Auch Häuser mit den Klassen G und F weisen massive Preisabschläge auf.
Je weiter ein Haus energetisch vom mittleren Standard abweicht, desto stärker schlägt sich das der Auswertung zufolge im Angebotspreis nieder. Am oberen Ende der Skala kommt es zu starken Aufschlägen: So kosten Häuser mit der Energieeffizienzklasse A+ im bundesweiten Durchschnitt rund 15 Prozent mehr als Eigenheime mit mittlerem Standard. Auch Häuser mit den Klassen A und B erzielen noch merkliche Preisaufschläge.
Wohnungen: Bis zu 20 Prozent Preisplus für beste Energiebilanz
Bei Eigentumswohnungen wirkt sich die Energieeffizienz ebenfalls spürbar auf den Angebotspreis aus, allerdings fallen die Abschläge bei ineffizienten Objekten etwas geringer aus als bei Häusern, teilt Immowelt mit. Wohnungen mit der schlechtesten Energieeffizienzklasse H werden im Mittel rund neun Prozent günstiger angeboten als vergleichbare Apartments mit der Klasse D.
Ein Grund dafür könnte den Maklern zufolge sein, dass Wohnungseigentümer energetische Sanierungskosten in der Regel innerhalb der Eigentümergemeinschaft tragen, wodurch die finanzielle Belastung für einzelne Käufer geringer ausfällt als bei Häusern.
Trotzdem kosten Apartments mit der Energieklasse A+ durchschnittlich rund 20 Prozent mehr als vergleichbare Objekte mit mittlerem Energiestandard. Auch Wohnungen der Klassen A und B werden auf der Plattform spürbar teurer angeboten.
Preise für effiziente Immobilien entwickeln sich stabiler
Die wachsende Bedeutung der Energieeffizienz zeigt sich auch bei der Preisentwicklung seit dem Zinsanstieg und der Energiekrise im Jahr 2022.
Wohnimmobilien mit hoher Energieeffizienz verzeichneten infolge der gestiegenen Zinsen zwar zunächst gemeinsam mit dem restlichen Markt sinkende Angebotspreise, so Immowelt, erholten sich anschließend aber deutlich schneller.
Ineffiziente Gebäude gerieten demnach während der Marktphase nach dem Zinsanstieg 2022 stärker unter Druck. Neben gestiegenen Finanzierungskosten spielten auch höhere Energiepreise sowie die Debatte um strengere energetische Vorgaben eine Rolle. Entsprechend mussten Verkäufer häufig größere Preisabschläge akzeptieren.
Gleichzeitig bleiben solche Immobilien für viele Käufer ein möglicher Einstieg in den Markt. Der niedrigere Kaufpreis kann es ermöglichen, eine Immobilie zu erwerben und notwendige energetische Sanierungen erst zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen.
Immowelt Price Map interaktiv: Angebotspreise in unterschiedlichen Regionen
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