Markt für flexible Büros: Reines Coworking läuft weniger gut

Noch ist der Anteil an flexiblen Arbeitsflächen unter den deutschen Büroimmobilien gering, doch der Markt wächst schnell. Seit 2015 ist das Angebot laut einer Studie von JLL in den Metropolen um 70 Prozent gestiegen. Hybrid-Modelle liegen im Trend, während reines Coworking nicht ganz so gut läuft.

In den Big 7 Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart sind der JLL-Studie "Disruption or Distraction: Ist Flex Space die Zukunft oder nur der neueste Immobilien-Hype" zufolge derzeit mehr als eine Million Quadratmeter flexible Büros angemietet. Allein im ersten Quartal 2019 kamen 17 neue Standorte mit einer Gesamtfläche von 52.000 Quadratmetern hinzu. Das sind rund sechs Prozent des gesamten Umsatzvolumens auf dem Bürovermietungsmarkt der Big 7.

Doch noch machen die flexiblen Flächen nur einen kleinen Teil des gesamten Bürobestandes aus: rund ein Prozent über alle Big-7-Märkte hinweg und rund drei  Prozent in den Toplagen der Big 7. Europaweit wird der Anteil flexibler Flächen in den kommenden fünf Jahren laut JLL um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent jährlich wachsen, begleitet von einem starken Anstieg der Nutzung durch Unternehmen.

Trend geht zu passgenauen Lösungen

In Berlin sind flexible Arbeitsflächen am gefragtesten: 305.000 Quadratmeter Flex Office Space sind dort angemietet. Bis Ende dieses Jahres werden laut JLL nach aktuellem Stand rund 50 weitere Standorte mit knapp 150.000 Quadratmetern hinzukommen. München (213.000 Quadratmeter), Frankfurt (146.000 Quadratmeter) und Hamburg (137.000 Quadratmeter) folgen in weitem Abstand.

Auch bei internationalen Anbietern, die in den deutschen Markt eintreten, stehen JLL zufolge Berlin, Frankfurt und München ganz oben auf der Wunschliste. Auch neue Konzepte strömen demnach auf den deutschen Markt: Mit Knotel (USA) und The Instant Group (Großbritannien) sind gerade zwei neue Akteure gestartet, die Bürolösungen mit flexiblen Mietzeiträumen anbieten und das Design, den Ausbau der Flächen sowie die Services deutlich stärker an den Kunden anpassen als andere Konzepte. Dieser Trend ist laut JLL in den USA, London und Paris bereits weit vorangeschritten und hat auch in Deutschland großes Potenzial.

Hybrid-Modelle treiben Flex-Office-Space-Markt

Wachstumstreiber im Flex-Office-Space-Markt sind der Studie zufolge vor allem sogenannte Hybrid-Modelle: Sie bieten sowohl Arbeitsplätze im Open Space als auch in geschlossenen Büroräumen an. Die größten Hybrid-Betreiber sind derzeit Design Offices, WeWork, Spaces und Rent24. Rund 500.000 Quadratmeter werden bis Ende 2019 als Hybrid-Center eröffnet sein, prognostiziert JLL. Business Center folgen demnach mit einer eröffneten Fläche von 300.000 Quadratmetern zum Jahresende. Auf reine Coworking-Flächen entfallen nur 70.000 Quadratmeter.

"Es sind längst nicht mehr nur Startups oder die Bedürfnisse von Millennials, die das Wachstum von Flex Space antreiben. Gerade mittlere und große Unternehmen adaptieren mehr und mehr flexiblere Arbeitsumgebungen." Andreas Bussas, Head of Corporate Solutions bei JLL Germany

Die Unternehmen reagieren laut Bussas auf eine Vielzahl struktureller Veränderungen, indem sie ihre Portfolios optimieren, Büroflächen konsolidieren und ihre Produktivität vorantreiben. Eine effiziente Flächennutzung und Flexibilität des Portfolios sowie mögliche kurzfristige finanzielle Vorteile seien zusätzliche Impulse.

Marktpotenzial: Hybride Angebote als solide Einnahmequellen

Im hybriden Angebot liegt nach Auffassung von JLL für Betreiber von Flex Spaces ein enormes Marktpotenzial mit der Chance auf solide Einnahmequellen. Dieser Ansatz werde den Büromarkt spürbar verändern, meint Bussas. Viele Unternehmen testen demnach aktuell die neuen Flex-Angebote.

"Der Vorteil einer einfachen Anmietung ohne Ausbau, Möbelbeschaffung und Betreiben der Fläche macht Flex Office attraktiv. Und gerade in Städten wie Berlin ist die Auswahl konventioneller Flächen manchmal zu klein, so dass man sich am Ende für Flex Office entscheidet." Stephan Leimbach, Head of Office Leasing, JLL Germany

Zwar benötigten nicht alle Unternehmen flexible Arbeitsplätze, aber die überwiegende Mehrheit werde ihre Nutzung in den kommenden fünf Jahren deutlich erhöhen, sagt Leimbach. Auch wenn nicht alle Flex-Office-Betreiber eine Krise überleben könnten, werde dieses Büroformat langfristig am Markt bestehen.


Das könnte Sie auch interessieren:

Top Thema: Großanbieter dominieren den Coworking-Markt

Modetrend oder nachhaltig: Wie zukunftsfähig sind Coworking-Spaces?

Schlagworte zum Thema:  Investment, Büroimmobilie