Lohnlücken und Karriereperspektiven
Eine Studie der Personalberatung Cobalt zum Equal Pay Day am 27. Februar kommt zu dem Schluss, dass geschlechtsspezifische Unterschiede in Vergütung, Arbeitszufriedenheit und wahrgenommenen Entwicklungschancen in der Immobilienwirtschaft und dem Bauwesen stark branchen- und funktionsabhängig sind.
Die Auswertung macht außerdem deutlich: Equal Pay ist kein pauschales Gehaltsthema. "Vergütung entsteht aus Rollenlogiken, Führungsstrukturen und Karrierewegen. Wer nur Durchschnittswerte betrachtet, übersieht die eigentlichen Ursachen von Ungleichheit", sagt Cobalt-Geschäftsführerin Nicole Schwan.
Immobilienwirtschaft: Gender Pay Gap hängt von Funktion ab
In der Immobilienwirtschaft verdienen Frauen im Durchschnitt 76.000 Euro pro Jahr, Männer 87.000 Euro. Der Gehaltsunterschied von rund 11.000 Euro ist signifikant, fällt aber Cobalt zufolge je nach Funktionsbereich unterschiedlich aus.
Schwache Führung und interne Barrieren: Was bremst Frauen?
Besonders ausgeprägt ist der Gender Pay Gap in Bereichen mit hoher Budget-, Ergebnis- und Personalverantwortung wie im Asset und Property Management. In stärker spezialisierten oder projektorientierten Funktionen, etwa in ESG oder der Projektentwicklung, sind die Unterschiede deutlich geringer.
Auffällig ist, dass Unzufriedenheit im Immobilienwesen selten primär mit der Bezahlung begründet wird. Deutlich häufiger nennen die Umfrageteilnehmer schwache Führung, mangelnde Kommunikation, fehlende Anerkennung oder eine geringe Transparenz von Entwicklungsmöglichkeiten.
Zudem bewerten Frauen ihre Karriereperspektiven spürbar zurückhaltender als Männer – das deutet der Personalberatung zufolge auf wahrgenommene interne Barrieren hin, etwa intransparente Beförderungskriterien, fehlende Vorbilder oder eingeschränkten Zugang zu entscheidungsrelevanten Netzwerken.
"Gerade in der Immobilienwirtschaft wirken informelle Strukturen stark", meint Doreen von Bodecker, Geschäftsführerin von Cobalt. "Wenn Unternehmen den Gender Pay Gap nachhaltig reduzieren wollen, müssen sie Rollenprofile, Funktionsbewertungen und Karrierewege systematisch überprüfen."
Hohe Nachfrage nach qualifizierten Frauen in technischen Rollen
Im Bauwesen zeigt sich auf den ersten Blick ein positives Bild: Frauen und Männer verdienen laut Cobalt-Studie im Durchschnitt jeweils rund 80.000 Euro pro Jahr. Auf aggregierter Ebene besteht damit keine Gehaltsdifferenz.
Ein differenzierter Blick auf die Berufsgruppen offenbart jedoch ein anderes Bild. Je nach Tätigkeitsfeld bestehen teils deutliche Gehaltsunterschiede – sowohl zugunsten der Männer als auch zugunsten der Frauen. Während Männer im Bereich Architektur oder Design sowie in projektsteuernden und technischen Funktionen höhere Durchschnittsgehälter erzielen, verdienen Frauen insbesondere in stark technischen Segmenten wie TGA / TGM deutlich mehr. Diese Unterschiede spiegeln aktuelle Marktdynamiken wider, etwa die hohe Nachfrage nach qualifizierten Frauen in technisch geprägten Rollen.
Trotz der aggregierten Gehaltsparität bewerten Frauen ihre Karriereperspektiven im Bauwesen deutlich kritischer als Männer. Als Hauptgründe nennen sie fehlende Anerkennung sowie Defizite in Führung und Kommunikation. Ungerechte Bezahlung spielt hingegen nur eine untergeordnete Rolle. "Das Bauwesen zeigt sehr deutlich: Gleichheit im Durchschnitt ersetzt keine strukturelle Analyse", so Schwan. "Gefühlte Chancengleichheit entsteht erst, wenn Entwicklungspfade transparent und realistisch erreichbar sind."
Über alle Branchen hinweg zeigt sich: Ungerechte Bezahlung ist selten der alleinige Treiber von Unzufriedenheit. Entscheidender sind Führung, Anerkennung, Kommunikation sowie transparente Karrierearchitekturen. "Equal Pay ist kein isoliertes Vergütungsthema, sondern ein strategischer Hebel für Arbeitgeberattraktivität, Bindung und Glaubwürdigkeit", fasst von Bodecker zusammen.
Frauen im Topmanagement: Ziele und Fristen fehlen
Weibliche Führungskräfte sind im Topmanagement der Immobilienbranche immer noch stark unterrepräsentiert – weil Ziele fehlen, wie ein Bericht des Vereins Frauen in Führung (F!F) zum Internationalen Frauentag 2025 gezeigt hat.
Die Ambitionen der Unternehmen, Key Performance Indicators (KPIs) – also die Schlüsselkennzahlen – für mehr Vielfalt im Management zu nutzen, sind dem F!F-Report zufolge gering. 81 Prozent der Unternehmen haben demnach keine Zielgrößen und Fristen zur Erhöhung des Frauenanteils im Topmanagement definiert.
Nach Auffassung der Autoren könnten Diversitätsziele signifikant häufiger dazu führen, dass Frauen in die Geschäftsführung berufen werden: So ist bei 76 Prozent der befragten Unternehmen mit Ziel und Frist bereits mindestens eine Managementposition weiblich besetzt – im Vergleich zu nur 36 Prozent bei Unternehmen ohne konkrete Zielsetzungen.
Wohnungsunternehmen beim Frauenanteil an der Spitze
Während kommunale Wohnungsunternehmen mit einem Anteil von 35 Prozent laut Studie führend sind, bildet das Segment Vermittlung mit neun Prozent das Schlusslicht. Im Segment Asset und Investment Management stieg der Frauenanteil seit 2019 von acht Prozent auf 19 Prozent (plus elf Prozentpunkte) im Jahr 2025.
Im Durchschnitt stieg der Frauenanteil an der Spitze der 200 untersuchten Unternehmen zwischen 2019 und 2025 von durchschnittlich 12,2 Prozent auf 17 Prozent, also um knapp fünf Prozentpunkte. Rückläufig entwickelten sich die Segmente Vermittlung (minus zwei Prozentpunkte) und Projektentwicklung (minus ein Prozentpunkt).
Der Bericht zeigt auch, dass die Transparenz in der Immobilienbranche und die Bereitschaft, konkrete Ziele und Fristen offenzulegen, weiter verbessert werden müssen. Insbesondere in Konzernstrukturen werde oft auf konzernübergreifende Diversitätsvorgaben verwiesen, auch fehlende oder unklare Angaben zu Zielgrößen und Fristen erschwerten eine klare Bewertung der Unternehmen.
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