Weltfrauentag 2026

Wer Lebensräume gestaltet, braucht Vielfalt in Führung


Weltfrauentag: Gleichberechtigung in der Immobilienbranche

Am Weltfrauentag wird viel über Gleichberechtigung gesprochen – auch in der Immobilienwirtschaft. Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt jedoch: Von echter Gleichstellung ist die Branche noch ein gutes Stück entfernt.

Der F!F Female Board Report Real Estate 2025, der erstmals die Geschäftsführungen der 200 führenden Immobilienunternehmen in Deutschland untersucht, zeigt deutlich, wie stark Männer die Spitze der Branche noch immer dominieren. Nur 18 Prozent der Geschäftsführungs- und Vorstandspositionen sind mit Frauen besetzt. Gleichzeitig haben 53 Prozent der Unternehmen eine rein männlich besetzte Geschäftsführung.

Natürlich hat sich in den vergangenen Jahren etwas bewegt. Seit 2019 ist der Frauenanteil um knapp fünf Prozentpunkte gestiegen. Doch das Tempo der Veränderung bleibt langsam. Und ehrlich gesagt: Für eine Branche, die unsere Lebensräume gestaltet, ist das zu wenig.

Mehr als eine Branchenkennzahl

Die Bau- und Immobilienwirtschaft prägt unseren Alltag stärker, als vielen bewusst ist. Sie gestaltet Städte, Quartiere und Gebäude – also die Orte, an denen Menschen wohnen, arbeiten, Familien gründen und ihren Alltag organisieren. Damit trägt sie Verantwortung für Lebensräume, die von der gesamten Gesellschaft genutzt werden.

Die Hälfte der Menschen, die in diesen Lebensräumen wohnen, arbeiten oder sich bewegen, sind Frauen. Ihre Perspektiven und Lebensrealitäten sollten deshalb selbstverständlich auch an den Entscheidungstischen dieser Branche vertreten sein.

Es geht also nicht nur um Gleichberechtigung innerhalb von Unternehmen. Es geht auch darum, welche Perspektiven einfließen, wenn über die Gestaltung unserer Städte, Quartiere und Gebäude entschieden wird.

Vielfalt stärkt Unternehmen

Mehr Frauen in Führung ist aber nicht nur eine gesellschaftliche Frage – sie ist auch eine wirtschaftliche. Seit Jahren zeigen Studien, dass vielfältige Führungsteams bessere Entscheidungen treffen, innovativer sind und Unternehmen langfristig erfolgreicher machen.

Gerade in einer Branche, die sich aktuell mitten in großen Transformationsprozessen befindet – vom Klimaschutz über bezahlbaren Wohnraum bis hin zur Weiterentwicklung unserer Städte –, sind unterschiedliche Perspektiven ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Vielfalt in Führung stärkt Unternehmen. Sie erweitert den Blick auf komplexe Herausforderungen und hilft, Lösungen zu entwickeln, die unterschiedliche Lebensrealitäten mitdenken.

Fortschritt braucht klare Ziele

Der Female Board Report zeigt auch sehr deutlich, wo Fortschritte entstehen – nämlich dort, wo Unternehmen konkrete Ziele formulieren. 76 Prozent der Unternehmen, die Zielgrößen und Fristen für den Frauenanteil im Topmanagement definiert haben, verfügen bereits über mindestens eine Frau in der Geschäftsführung. Bei Unternehmen ohne solche Zielgrößen liegt dieser Anteil nur bei 36 Prozent.

Dennoch haben 81 Prozent der untersuchten Immobilienunternehmen bislang weder Zielgrößen noch Fristen für mehr Frauen in der obersten Führungsebene festgelegt. Das zeigt: Fortschritt passiert selten zufällig. Er braucht klare Ziele, Transparenz und die Bereitschaft, Strukturen bewusst zu verändern.

Veränderung gelingt nur gemeinsam

Gleichzeitig zeigt die Erfahrung aus der Branche: Die Verantwortung, Veränderung einzufordern und voranzutreiben, liegt noch immer viel zu oft bei den Frauen selbst.
Dabei kann echte Veränderung nur gelingen, wenn auch Männer sich klar positionieren. Wenn sie als Führungskräfte offen sagen, warum ihnen mehr Frauen und mehr Vielfalt in Führung wichtig sind – und bereit sind, dafür auch die eigene Komfortzone zu verlassen.

Das beginnt mit Haltung, endet aber nicht dort. Es bedeutet auch, Strukturen im Unternehmen zu verändern: Führungsrollen flexibler zu gestalten, neue Arbeitsmodelle zu ermöglichen oder Raum für Vereinbarkeit zu schaffen. Meetingfreie Zeiten am späten Nachmittag, Führung in Teilzeit oder Tandemmodelle sind nur einige Beispiele dafür, wie Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen können, die mehr Menschen den Weg in Führungsverantwortung öffnen.

Und es bedeutet, selbst vorzuleben, dass Karriere und Privatleben kein Widerspruch sind: indem Führungskräfte private Termine wahrnehmen, Elternzeit nehmen oder flexible Arbeitszeiten nutzen – und dies im Unternehmen sichtbar und selbstverständlich machen.

Eine Frage der Zukunftsfähigkeit

Der Weltfrauentag erinnert jedes Jahr daran, dass Gleichstellung kein Selbstläufer ist. In der Immobilienwirtschaft zeigt sich das besonders deutlich. Mehr Frauen in Führung ist nicht nur eine Frage der Fairness. Es ist auch eine Frage der Zukunftsfähigkeit einer Branche, die Verantwortung für unsere Städte, Quartiere und Gebäude trägt – und damit für die Lebensräume von uns allen.

Als Netzwerk setzen wir uns seit knapp sieben Jahren dafür ein, dass mehr Frauen an den Entscheidungstischen der Branche sitzen. Nicht nur, weil es fair ist. Sondern weil eine Branche, die Lebensräume für alle gestaltet, besser ist, wenn sie die Perspektiven aller nutzt.

Oder anders gesagt: Wenn unsere Städte und Gebäude die Bedürfnisse der ganzen Gesellschaft widerspiegeln sollen, müssen auch die Entscheidungen darüber von einer vielfältigeren Gruppe von Menschen getroffen werden.


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