Immobilienstimmungsindex: Branche mit Bauchschmerzen

Die Stimmung der Immobilienbranche im ZIA-IW-Sommer-Index hat sich zwar aufgehellt, wettgemacht ist der Corona-bedingte Einbruch aus dem Frühjahr aber damit nicht. Sorgenkind bleibt vor allem der Einzelhandel – und die Stundung von Mietschulden wurde für Immobilieneigentümer zum Problem.

In der Umfrage zum ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI), den der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) und das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) seit 2014 vierteljährlich veröffentlichen, wurde im Sommer zusätzlich explizit nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Immobilienmarkt gefragt. Dabei wurde deutlich, dass die Stundung von Mietschulden – vor allem im Einzelhandel – zu einem Problem für viele Eigentümer wurde. Mehr als jeder zehnte Vermieter (rund 14,9 Prozent) sagte, er sei "stark betroffen", rund 67,5 Prozent gaben an "gering betroffen" zu sein. Bezogen nur auf den Einzelhandel lag diese Quote bei fifty-fifty. Mietausfälle traten eher selten auf. Befragt wurden die Immobilienunternehmen zwischen dem 14. August und dem 7. September.

Im Vergleich zur vorigen Umfrage im zweiten Quartal 2020 stieg der ZIA-IW-Index unter dem Strich um 6,1 Punkte auf 22,9 Punkte – und das nach einem massiven Einbruch im Frühjahr, als der Index gegenüber dem ersten Quartal 2020 um 22,1 Punkte fiel. Damit scheint zumindest der erste Corona-Schock überwunden. Als stabil wurde der Wohnungsmarkt bewertet.

ZIA-IW-Imobilienstimmungsindex Q3 2020 (in Klammern Q2 2020)

ZIA-IW-Index Grafik Schnelle Erholung nach dem ersten Schock

Wohnungsunternehmen fürchten Corona-Krise weniger als Mietendeckel & Co.

Das Immobilienklima setzt sich aus der Geschäftslage und den Erwartungen der Unternehmen zusammen. Insbesondere die Geschäftslage wird im aktuellen Stimmungsindex wieder besser als im Vorquartal eingestuft mit einem Plus von 12,5 Punkten auf 42,7 Punkte. Das führen die Experten darauf zurück, dass sich der Transaktions- und Mietmarkt nach dem "harten Lockdown" im Zeitraum vom 23. März bis 19. April wieder belebt haben.

Die Geschäftserwartungen stiegen nur um marginale 0,4 Punkte auf nun 0,7 Punkte. Ein Fünftel (20 Prozent) der 126 befragten Immobilienunternehmen geht davon aus, dass sich die Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten weiter verbessern wird. Die Mehrheit (65 Prozent) meint, dass sich nichts ändert, und 15 Prozent befürchten Verschlechterungen der Geschäfte.

Unbeeindruckt von der Krise zeigt sich der Wohnungsmarkt. Die Nachfrage ist den Unternehmen zufolge bislang robust. Sorgen machen sich die Wohnungsunternehmen vielmehr darüber, dass die Wohnungsmärkte zukünftig immer stärker reguliert werden, etwa durch Gesetze wie dem Berliner Mietendeckel oder der Ausweitung des Umwandlungsverbots von Miet- in Eigentumswohnungen.

Einzelhandel: Lage im Immobilienstimmungsindex fast dramatisch

Groß ist die Unsicherheit dagegen bei Büro- und Einzelhandelsimmobilien. Die Erwartungen bezüglich der Miet- und Preisentwicklungen drehen in diesen Segmenten wegen Corona stark ins Negative. Der Markt für Büroimmobilien reagiert üblicherweise schnell auf konjunkturelle Schwankungen, heißt es im ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex – hinzu komme der aktuelle Trend zu mehr Homeoffice, der die Nachfrage zusätzlich schwächen könne. Nur eine kleine Minderheit von 13 Prozent rechnet noch damit, dass die Kaufpreise steigen werden, und nur vier Prozent der Umfrageteilnehmer erwartet das bei den Mieten.

Besonders im Einzelhandel ist die Lage in der Sommerumfrage fast dramatisch, sagt Dr. Ralph Henger, Senior Economist für Wohnungspolitik und Immobilienökonomik beim IW Köln. Mit Miet- oder Preissteigerungen werde hier kaum gerechnet. Die Folgen des Corona-Lockdowns spüren Vermieter von Einzelhandelsflächen besonders. Bei den Projektentwicklern zeigt sich insgesamt eine wieder etwas positivere Stimmung, auch wenn die Vorvermietungen rückläufig sind, was wiederum auf die Unsicherheit am Gesamtmarkt hindeutet, so Henger.


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