Grunderwerbsteuer: Länder nehmen Rekordsummen ein

Einen neuen Rekordwert von 13,14 Milliarden Euro sollen die Länder im vergangenen Jahr durch die Grunderwerbsteuer eingenommen haben – das wäre ein Anstieg von sechs Prozent gegenüber 2016 und ein Plus von 50 Prozent verglichen mit 2011. Bei diesen Zahlen beruft sich der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen auf Angaben des Bundesfinanzministeriums. "Die Schmerzgrenze für die Mittelschicht ist mehr als erreicht", warnt BFW-Chef Andreas Ibel.

Das in Sondierungspapier festgehaltene Vorhaben von Union und SPD, den Erwerb von Wohneigentum zu fördern, sei durch diesen Erhöhungswettlauf von vornherein ad absurdum geführt, so Ibel weiter. Die konstante Erhöhung der Grunderwerbsteuer durch die Bundesländer sind auch laut ZIA ein fundamentales Problem.

Die Grunderwerbsteuer wird seit der Föderalismusreform 2006 durch die Bundesländer festgelegt und wurde seitdem insgesamt 27 mal erhöht. 2016 waren nach Angaben des IVD die Zusatzeinnahmen aus der Grunderwerbsteuer gegenüber 2015 bereits um 10,2 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro gewachsen.

"Die Grunderwerbsteuer muss bundesweit endlich wieder auf ein investitionsfreundliches Niveau gesenkt werden", fordert Ibel.

Vertretbar ist dem BFW zufolge ein Satz von maximal zwei bis drei Prozent. Neben der Grunderwerbsteuer fallen außerdem Notarkosten von zwei Prozent und Maklergebühren von bis zu 7,14 Prozent an. Bei einem Höchstsatz von 6,5 Prozent (Saarland, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Thüringen) sind das unter dem Strich rund 15,6 Prozent der Kaufkosten, die zusätzlich an Erwerbsnebenkosten aufgewendet werden müssen. Bei einem 400.000-Euro-Objekt entspricht das einer Summe von 62.560 Euro.

Der herkömmliche Satz von 3,5 Prozent gilt nur noch in Bayern und Sachsen. Bei 4,0 Prozent liegt die Grunderwerbsteuer aktuell in Hamburg. Baden-Württemberg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz (das eine Senkung der Steuer ablehnt) und Sachsen-Anhalt erheben 5,0 Prozent. In Berlin und Hessen sind es derzeit 6,0 Prozent.

Entwicklung der Grunderwerbsteuer nach Ländern

Nordrhein-Westfalen hatte im vergangenen Jahr angekündigt, privaten Eigenheimerwerbern Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer ermöglichen zu wollen. Und die Landesregierung von Schleswig-Holstein will für mehr Gerechtigkeit bei der Grunderwerbsteuer sorgen, indem sie gegen Share Deals vorgeht. Nach einer Umfrage von ImmobilienScout24 werden Wohnnebenkosten zu einer immer größeren Belastung für die Privathaushalte. Wohnkostentreiber Nummer eins ist laut BdSt-Präsident Reiner Holznagel der Staat.

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