Grunderwerbsteuer-Reformpläne: Freibetrag könnte Regel werden

Die Grunderwerbsteuer ist eine lukrative Einnahmequelle für die Bundesländer, für Immobilienkäufer treibt sie den Preis. Finanzminister Christian Lindner (FDP) will die staatlichen Nebenkosten bis auf Null senken. Die Immobilienbranche regt eine Erstattung bei energetischer Sanierung an.

Die Grunderwerbsteuer wird beim Kauf von Immobilien fällig und wird durch die Bundesländer festgelegt. Die Sätze variieren zwischen dreieinhalb und sechs Prozent. Einige der 16 Länder haben in den vergangenen Jahren deutlich an der Steuerschraube gedreht und nehmen Rekordsummen ein.

Das Land Baden-Württemberg etwa hat im vergangenen Jahr knapp 2,5 Milliarden Euro kassiert. Wie das Statistische Landesamt am 11. Mai mitteilte, stiegen die Einnahmen 2021 um satte 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Immobilienbranche sieht die staatlichen Nebenkosten als Hemmnis für Investitionen.

Grunderwerbsteuer: Reformpläne aus dem Finanzministerium

Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) hat jetzt eine Reform der Grunderwerbsteuer angekündigt, um den steigenden Immobilienpreisen etwas entgegenzusetzen. Er favorisiert ein Modell, das den Ländern die Möglichkeit gibt, einen zweiten Steuersatz bei der Grunderwerbsteuer festzulegen, heißt es nach Angaben der "Rheinischer Post" in einem Eckpunktepapier aus dem Finanzministerium, das dem Blatt vorliegt.

Auch eine Absenkung auf null Prozent ist darin vorgesehen, das würde faktisch einem Freibetrag auf den Kaufpreis entsprechen. Die Länder sollen demnach möglichst flexibel sein, um auf regionale Unterschiede am Wohnungsmarkt reagieren zu können. Einzelheiten stehen noch nicht fest. Über die Gegenfinanzierung muss noch beraten werden.

Immobilienbranche: Weniger Grunderwerbsteuer, mehr Klimaschutz

Die Reduzierung der Grunderwerbsteuer wäre eine wichtige Entlastung für Käufer von selbstgenutztem Wohneigentum, sagte der Präsident des Immobilienverbandes Deutschland IVD I Die Immobilienunternehmer, Jürgen Michael Schick. 95 Prozent der 18- bis 29-Jährigen Deutschen träumten von einer Eigentumswohnung oder einem Haus. Diesem Wunsch könnte die Politik mit einer Reform der Grunderwerbsteuer den Weg ebnen.

Der IVD-Chef regt an, dass Käufer, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums energetische Modernisierungen an der neu erworbenen Immobilie vornehmen, die Grunderwerbsteuer ganz oder teilweise erstattet bekommen sollen. "Hierdurch könnten sich auch die Bundesländer am Gelingen der Energiewende beteiligen", so Schick. Eine Reduzierung der Grunderwerbsteuer könnte auch den Klimaschutz bei Bestandsimmobilien fördern.

Die meisten Wohngebäude in Deutschland sind dem IVD zufolge Ein- und Zweifamilienhäuser (15,7 Millionen von 18,9 Millionen Wohngebäuden). Rund 75 Prozent des Gebäudebestandes sei vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung am 1.11.1978 errichtet worden. Hier bestehe also besonderer Sanierungsbedarf, der beim Eigentümerwechsel und einer Erstattung bei der Grunderwerbsteuer, berücksichtigt werden könnte.


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Schlagworte zum Thema:  Grunderwerbsteuer, Eigentümer, Immobilienpreis