Hitze-Ranking: Wo Gebäude unter Druck geraten
Die Hitzewelle hat Deutschland erfasst. Die Entwicklung ist Teil eines größeren Trends: Europa gilt als der Kontinent, der sich weltweit durch den Klimawandel am schnellsten erwärmt – mit spürbaren Folgen auch für Gebäude.
Der neue Hitzeatlas des Abrechnungsdienstleisters Techem macht diese Entwicklung auf Stadt- und Bundesland-Ebene sichtbar. Welche Regionen aktuell stark von Hitze betroffen sind und wo die Temperaturen seit 1980 am deutlichsten gestiegen sind.
Die heißesten Städte und Landkreise in Deutschland
Grundlage der Techem-Auswertung sind Kühlgradtage (Cooling Degree Days). Sie geben an, wie häufig und intensiv hohe Temperaturen zu Kühlbedarf führen und sind damit ein verlässlicher Indikator für die Hitzebelastung.
Die Analyse zeigt eine klare geografische Konzentration: Viele der heißesten Städte 2025 liegen im Südwesten Deutschlands – vor allem Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen sind betroffen.
Top 10 der heißesten Städte und Landkreise 2025:
- Speyer (Rheinland-Pfalz)
- Heidelberg (Baden-Württemberg)
- Germersheim (Rheinland-Pfalz)
- Rhein-Pfalz-Kreis (Rheinland-Pfalz)
- Ludwigshafen am Rhein (Rheinland-Pfalz)
- Mannheim (Baden-Württemberg)
- Südliche Weinstraße (Rheinland-Pfalz)
- Frankfurt am Main (Hessen)
- Groß-Gerau (Hessen)
- Neustadt an der Weinstraße (Rheinland-Pfalz)
Auf Ebene der Bundesländer lag das Saarland 2025 mit rund 44 Kühlgradtagen an der Spitze, gefolgt von Rheinland-Pfalz (38) und Baden-Württemberg (29). Hessen belegte mit rund 26 Kühlgradtagen ebenfalls einen Platz im oberen Bereich.
Der bundesweite Durchschnitt lag bei rund 19 Kühlgradtagen. Bayern oder Sachsen-Anhalt bewegen sich in etwa auf diesem Niveau, während nördliche Regionen wie Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein deutlich darunter lagen.
In diesen Regionen hat die Hitze am stärksten zugenommen
Die langfristige Entwicklung zeigt laut Techem ein breiteres Bild der Dynamik. Viele Städte, die 2025 besonders heiß waren, gehören gleichzeitig zu den Regionen mit der stärksten Hitzezunahme in den vergangenen 45 Jahren (1980–2025).
Top 10 Städte und Landkreise mit dem stärksten Anstieg der Hitze
- Speyer
- Heidelberg
- Rhein-Pfalz-Kreis
- Germersheim
- Mannheim
- Ludwigshafen am Rhein
- Frankfurt am Main
- Karlsruhe
- Rhein-Neckar-Kreis
- Groß-Gerau
Im Vergleich der Bundesländer verzeichnet Berlin mit einem Anstieg von rund 55 Kühlgradtagen seit 1980 die stärkste Entwicklung. Es folgen Brandenburg (37) und Sachsen (32). Schleswig-Holstein verzeichnet mit vier Kühlgradtagen die geringste Zunahme und liegt deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt von knapp 18 Kühlgradtagen. Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern bewegen sich auf Durchschnittsniveau.
Hitze wird zur Gebäudefrage: die Anforderungen
Mit steigenden Temperaturen verändern sich die Anforderungen an Gebäude grundlegend. Längere Hitzeperioden führen dazu, dass sich Innenräume stärker aufheizen, nachts weniger auskühlen und der thermische Komfort zunehmend unter Druck gerät.
"Hitze entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Herausforderung im Gebäudebetrieb", sagt Matthias Hartmann, CEO der Techem Gruppe. Entscheidend sei, die Auswirkungen transparent zu machen und Gebäude datenbasiert so zu steuern, um Komfort und Effizienz auch bei steigenden Temperaturen zu gewährleisten.
Gebäudetechnologien: Smart Metering und Wärmepumpe
Wärmepumpen gewinnen den Studienautoren zufolge an Bedeutung, da sie nicht nur zum Heizen, sondern je nach System auch zur Kühlung verwendet werden können. In Kombination mit Smart-Metering-Lösungen wird demnach transparent, wann und wie Energie für die Kühlung eingesetzt wird – eine wichtige Grundlage für einen effizienten Betrieb.
Zugleich eröffnen dynamische Stromtarife zusätzliche wirtschaftliche Potenziale: Wer sein Gebäude gezielt dann kühlt, wenn Strompreise niedrig oder sogar negativ sind, kann Betriebskosten senken und Energie besonders effizient nutzen.
Technik, Daten und intelligentes Gebäudemanagement
Der Umgang mit Hitze entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Aufgabe im Gebäudebetrieb und erfordert ein Zusammenspiel aus Technik, Daten und intelligentem Management. Für Wohnungswirtschaft, Kommunen und Gebäudebetreiber bedeutet das: Hitze muss stärker in Planung, Ausstattung und Betrieb von Gebäuden berücksichtigt werden. Datenbasierte Analysen und intelligente Lösungen werden dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Techem Hitzeatlas: Methodik
Für den Techem Hitzeatlas wurden Kühlgradtage (Cooling Degree Days, CDD) als zentraler Indikator zur Beschreibung der Hitzebelastung herangezogen. Ist die Tagesmitteltemperatur größer gleich eines definierten Grenzwerts wird von einem Kühlgradtag gesprochen. Der Kühlbedarf für die einzelnen Tage wird als Differenz zu einer Grenztemperatur bestimmt. Die verwendete Quelle nutzt als Grenzwert 24°C und als Grenztemperatur 21°C. Die monatlichen CDD-Werte wurden zu jährlichen Summen aggregiert.
Die Analyse basiert auf Daten der NUTS3-Regionen (Landkreise und kreisfreie Städte). Zur Darstellung auf Bundeslandebene wurden flächengewichtete Mittelwerte der jeweiligen Regionen berechnet, um die Größen der Regionen zu berücksichtigen.
Die aktuelle Hitzebelastung wird anhand der CDD-Werte für das Jahr 2025 dargestellt. Zur Bewertung der langfristigen Entwicklung seit 1980 wurde eine Glättung über dreijährige Mittelwerte vorgenommen.
Klimaanpassung in den Städten: Maßnahmen gegen Hitze
Der Klimawandel und die extremen Temperaturen schaden dem Stadtklima und beeinträchtigen die Lebensqualität. Mit gezielten Maßnahmen können auch Städte und Kommunen dagegen etwas tun. Auf Basis von Fallbeispielen und Klimaanpassungsprojekten haben Experten von Drees & Sommer folgende Empfehlungen gegen städtische Wärmeinseln abgeleitet:
Kostengünstigste Methode: Schattenspender
Die einfachste und kostengünstigste Methode, um Straßen und Freiflächen vor der Hitze zu schützen, sind Bäume oder andere Schattenelemente, wie Haltestellendächer. Gleichzeitig nehmen sie CO2 und Schadstoffe auf, produzieren Sauerstoff und sorgen damit für eine bessere Luftqualität.
Fassaden begrünen, Böden entsiegeln
Die Entsiegelung von Flächen spielt eine entscheidende Rolle für das Mikroklima in Städten. Kiesflächen sind geeignete Alternativen. Auch die Begrünung von Fassaden sei ein effektives Mittel, um das Klima in Städten zu verbessern. Da die Umsetzung oft zeitintensiv ist, gibt es auch schnellere Lösungen: etwa kostenlose Trinkwasserbrunnen an stark frequentierten Plätzen und in Fußgängerzonen.
Reflektierende und helle Materialien
Reflektierende Materialien können an heißen Tagen übermäßige Wärmeeinstrahlung reduzieren. In der Stadtplanung wird das als Albedo-Effekt bezeichnet: Kurzwellige Strahlung wird reflektiert und das Material erhitzt sich nicht – besonders effektiv in dicht bebauten Gebieten mit großen Dachflächen. Helle Betonflächen, Pflasterbeläge aus Beton oder Naturstein und schottergebundene Decken eignen sich am besten.
Eine Kombination aus rauen Oberflächen, porösen Materialien und helleren Farben beim Belag sorgt für eine niedrigere Oberflächentemperatur und eine höhere thermische Speicherkapazität.
Low-Tech-Systeme für Gebäude und Quartiere
Klimaanlagen verstärken den Heat-Island-Effekt. Während sie den Innenraum kühlen, geben sie gleichzeitig Wärme ab, die den Außenraum zusätzlich aufheizt. Drees & Sommer rät dazu, in Gebäuden auf Low-Tech-Systeme zu setzen: Hier wird viel Speichermasse im Gebäude eingebaut, um es nachts durch die Außenluft zu kühlen. Wenn es nachts draußen zu warm wird, funktioniert das Prinzip nicht. Als Alternativen lassen sich Fußbodenheizungen im Sommer relativ einfach als Kühlböden nutzen.
Auf Quartiersebene können Low-Energy-Netze sinnvoll sein, mit denen man sowohl heizen als auch kühlen kann. Das Verfahren könne sich im Sommer sogar positiv auf die Gesamtenergiebilanz auswirken.
Aufwinde und Verwirbelung durch Hochhäuser
Hochhäuser beschatten sich laut Drees & Sommer gegenseitig und schützen die Wohnungen vor dem Aufheizen. Damit das funktioniert, sollten die Fensterflächen nicht mehr als 40 Prozent betragen. Ein weiterer Vorteil: Hochhäuser erzeugen Verwirbelungen und Aufwinde. Das trägt zu einer besseren Durchlüftung der Quartiere bei.
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